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Neue Billigparkplätze für Flughafen-Passagiere abgesegnet

Von Stefan Häne. Aktualisiert am 22.02.2012 34 Kommentare

SP-Nationalrat Thomas Hardegger ist ein erklärter Gegner des Discount-Parkings rund um den Flughafen. Nun aber entstehen solche Parkplätze just in Rümlang, wo er Gemeindepräsident ist.

«Breiten sich ungeordnet aus»: Parkplätze direkt am Flughafen sind wesentlich teurer als Abstellplätze in der Umgebung.

«Breiten sich ungeordnet aus»: Parkplätze direkt am Flughafen sind wesentlich teurer als Abstellplätze in der Umgebung.
Bild: Nicola Pitaro

Flughafen Zürich: Mehr Lärmschutz für Südschneiser

Anwohner im Süden des Flughafens sollen am Morgen ruhiger schlafen können. Das Lärmschutzkonzept sieht vor, die Schlafzimmerfenster mit einem Schliessmechanismus auszurüsten, wie die Flughafen Zürich AG gestern mitteilte. Es handelt sich dabei um kleine Motörchen, die so eingestellt werden, dass sich das Fenster rechtzeitig vor den ersten Anflügen automatisch schliesst. Lärmberechnungen haben ergeben, dass geschlossene Fenster unter der aktuellen Fluglärmbelastung ausreichend vor Aufwachreaktionen schützen. In diese Schallschutzmassnahme fliesse «ein hoher einstelliger Millionenbetrag» aus dem Fluglärmfonds, sagt Flughafensprecherin Sonja Zöchling. Der Einbau soll innenrt zwei Jahren abgeschlossen sein. Die Liegenschaften stehen in einem definierten Sektor, der von den Südanflügen auf die Piste 34 betroffen ist. Das Schutzkonzept umfasst rund 1300 Gebäude in den Gemeinden Opfikon-Glattbrugg, Wallisellen, Zürich und Dübendorf. (SDA)

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Ausgerechnet Thomas Hardegger! Dieser Gedanke schoss VCS-Geschäftsführerin Gabi Petri durch den Kopf, als sie jüngst erfuhr, was die vom SP-Nationalrat präsidierte Gemeinde beschlossen hatte. Im Entscheid, der dem TA vorliegt, segnet die Baukommission Rümlangs im Nachhinein ab, was die Immobilien-Investmentgesellschaft Swiss Prime Site (SPS) auf ihrem Gelände an der Hofwisenstrasse geschaffen hat: 89 Parkplätze für Flugreisende.

Im letzten Herbst noch hatte Hardegger das sogenannte Valet-Parking kritisiert. Es handelt sich dabei um kostengünstige Abstellplätze in der Nähe des Flughafens – als Alternative zu den weit teureren Parkhäusern direkt am Flughafen. Der Zürcher Regierungsrat schätzt ihre Zahl in den Gemeinden rund um den Flughafen auf rund 2200. Zum Vergleich: Der Flughafen Zürich selber verfügt über 17'000 Parkplätze.

Die Angst vor dem Mehrverkehr

Das neue Billigangebot hat die Gemeinden rund um den Flughafen aufgeschreckt; sie fürchten mehr Verkehr und Abgase. So auch Rümlang. Mit dieser Alternative verfüge der Flughafen über viel mehr Parkplätze als vom Bund erlaubt, mahnte Hardegger im Herbst. Denn der Bund verlange, dass mindestens 42 Prozent der Reisenden, Angestellten und Besucher mit dem öffentlichen Verkehr zum Flughafen anreisen sollen (siehe Artikel unten).

Dass nun just Hardeggers Gemeinde Hand bietet für weitere Billigparkplätze – dafür hat der VCS Zürich kein Verständnis: «Der Flughafen breitet sich im Bereich der Parkplätze ungeordnet aus», sagt Petri, die für die Grünen im Kantonsrat politisiert. Im Fall der SPS entstehen zwar keine neuen Parkplätze – anders als etwa in Bassersdorf, wo im letzten Herbst eine Wiese zum Kiesparkplatz umfunktioniert wurde. Es kommt aber zu einer Umnutzung der bereits existierenden 199 Parkplätze. Weil die SPS auf ihrem Gelände umbaut, stehen derzeit viele Büros leer, 153 Parkplätze werden gemäss der Rümlanger Baukommission derzeit nicht gebraucht.

Keine Möglichkeit für ein Verbot

Für eine solche Umnutzung gibt es gemäss VCS keine Grundlage im kantonalen Planungs- und Baugesetz. Im Gegenteil: «Parkplätze dürfen nicht zweckentfremdet werden», sagt Petri. Just dies sei aber der Fall, wenn auf einem Firmengelände Parkplätze für Mitarbeitende und Kunden neu Flugreisenden zur Verfügung stünden. Petri hätte daher erwartet, dass Hardegger die Parkplätze verbietet und so eine gerichtliche Beurteilung provoziert. Hardegger räumt ein, dies wäre eine Möglichkeit gewesen. «Wir hätten dabei aber nichts gewonnen, ausser in einigen Jahren die Erkenntnis, Recht oder Unrecht gehabt zu haben.» Das Valet-Parking möchte er deshalb auf anderem Weg unterbinden: Er will die Parkplatzverordnung ändern – dies anlässlich einer Überarbeitung der kommunalen Bau- und Zonenordnung. Wann die Neuerung erfolgt, hängt laut Hardegger unter anderem davon ab, wie die Revision des kantonalen Richtplans weiterverläuft; der Zeitpunkt ist also ungewiss.

Rückendeckung erhält Hardegger von Rümlangs Bauvorsteher Heinz Lusti (parteilos). Es bestehe in diesem Fall keine juristische Möglichkeit, die Parkplätze zu verbieten, sagt Lusti. Und er betont, die Valet-Parkplätze seien bis Ende Jahr befristet. Lusti ortet gar einen Vorteil in der nun getroffenen Lösung. Es entstünden in diesem Jahr weniger Fahrten, als wenn das Areal gewerblich genutzt würde, sagt er.

Im Grundsatz hält Lusti das Valet-Parking indes für überflüssig. Er sei «glücklich», wenn die Reisenden möglichst mit dem öffentlichen Verkehr zum Flughafen reisen würden. «Neue Parkplätze auf einer grünen Wiese hätten wir nicht bewilligt», versichert er.

VCS fasst Beschwerde ins Auge

Das Valet-Parking steht auch auf der Agenda der Zürcher Regierung. Baudirektor Markus Kägi (SVP) will mit einer Änderung des Planungs- und Baugesetzes eine gesetzliche Grundlage dafür schaffen. Künftig soll es für Parkierungsanlagen wie auf dem SPS-Gelände – flughafenbezogen, aber ausserhalb des Flughafenperimeters – einen Richtplaneintrag im regionalen Verkehrsplan brauchen. Ergänzend dazu soll der kantonale Richtplan weitere Voraussetzungen regeln: So müssen diese Anlagen in der Nähe von Haltestellen des öffentlichen Verkehrs liegen, die über eine Direktverbindung zum Flughafen verfügen. Der Transfer vom Parkplatz zum Flughafen muss zudem mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erfolgen.

Den Antrag der Baudirektion wird der Regierungsrat in den nächsten Wochen behandeln. Danach kommt das Geschäft in den Kantonsrat. Druck will auch der VCS aufsetzen: Er erwägt, beim Regierungsrat eine Aufsichtsbeschwerde einzureichen, wie Petri sagt: «Wir wollen rasch Klarheit schaffen, unter welchen Bedingungen Parkplätze umgenutzt werden dürfen.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.02.2012, 07:22 Uhr

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34 Kommentare

Marc Müller

22.02.2012, 09:07 Uhr
Melden 77 Empfehlung

Eigentlich müssten solche gebaren von diesem VCS unterbunden werden. Dieser Verein verhält sich wie Oeko Talibans. Er will uns Bürgern ihren Way of Life aufdringen und kennt keine Toleranz! Dauernd müssen sich Gerichte, welche von Steuergeldern fianziert sind, mit seinen unzähligen Beschwerden rumschlagen. Das verschlingt Unsummen von Geld.Der VCS ist eine Sekte! Mit Gott = MassTransit:-) Antworten


Marcel Bart

22.02.2012, 09:11 Uhr
Melden 60 Empfehlung

Die Parkplätze an der Hofwiesenstrasse sind doch perfekt als Flughafenparklätze geeignet. Da die Anfahrt von der Autobahn über die Flughofstrasse führt, sind auch keine Anwohner betroffen. Und von dort fährt ein direkter Bus zum Flughafen. Genau wie im neuen Richtplan gefordert. Antworten



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