«Nie über die Vergewaltigung hinweggekommen»
Von Stefan Hohler. Aktualisiert am 31.07.2010 10 Kommentare
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«Schwere Misshandlung einer Frau im Milieu», titelte die NZZ, und der TA schrieb von einem Fall, wie er fast nie vor Gericht kommt. Im Januar 1990 wurde Mägi B., eine starke Alkoholikerin, die auch im Milieu verkehrte, in einem Zürcher Sexsalon zu äusserst brutalen, sadomasochistischen Handlungen gezwungen, an deren Folgen sie fast gestorben wäre.
«Die Täter waren ein Jahr nach der Misshandlung wieder auf freiem Fuss, das Leben meiner Frau war zerstört», sagt B. S. Der 59-jährige ehemalige Einkäufer von Befestigungstechnik und heutige IV-Rentner aus Wiedikon will nun ein Buch über das Schicksal seiner am 25. April dieses Jahres plötzlich verstorbenen Frau schreiben. «Damit man erfährt, was so eine geschädigte Frau alles durchmachen musste», wie er dem «Tages Anzeiger» sagt. Die Medien würden fast täglich über Gewaltdelikte schreiben. Wie es aber den Opfern später erging, würde man fast nie erfahren. Deshalb sei er an die Medien gelangt.
Fast Brustwarze abgebissen
Mägi B. wurde von ihrer Mutter bereits mit zwei Jahren weggeben und wuchs in Heimen und Pflegefamilien auf. Sie lernte keinen Beruf, arbeitete im Service und als Coiffeuse und war schon in jungen Jahren alkohol- und medikamentensüchtig sowie von der Fürsorge abhängig. «Aber sie war nie auf dem Strich», wie B. S. betont. Am 2. Januar 1990 traf sie – wieder einmal stark betrunken – im damaligen Restaurant Schönau direkt neben der Bäckeranlage den «schönen Martin». Dieser im Milieu bekannte Mann war mit zwei Prostituierten zusammen. In der Hoffnung, eine Übernachtung zu finden, ging sie mit den drei Personen in den auf sadomasochistische Praktiken spezialisierten Sexsalon in Wiedikon. Was nun folgte, war eine Tortur, an der sie fast gestorben wäre. Die 39-Jährige wurden gegen ihren Willen ausgezogen, gefesselt, gepeitscht und zu diversen sexuellen Handlungen gezwungen und schwer verletzt. Zum Schluss wurde ihr noch gewaltsam Wodka eingeflösst. Ohne Notfalloperation am folgenden Tag wäre die Frau an den Folgen eines zwei Zentimeter langen Darmrisses gestorben. Daneben wurde ihr fast die Brustwarze abgebissen und weitere Verletzungen zugefügt.
Der «schöne Martin» und die Haupttäterin, seine Ex-Frau, wurden später vom Obergericht zu Zuchthausstrafe von 24 und 26 Monaten verurteilt. Die zweite Prostituierte, eine zur Tatzeit noch nicht 20 Jahre alte «Sklavin» erhielt eine Strafe von 18 Monaten. Der vierte Täter, das Gericht vermutete einen Freier, der die «Abrichtung einer Sklavin» miterleben wollte und dafür bezahlte, blieb unerkannt und konnte bis heute nie identifiziert werden.
Gemäss B. S., der mit Mägi B. seit 2001 zusammen war und sie im letzten Jahr heiratete, sei seine Frau über diese Tortur nie mehr hinweggekommen. Es folgten eine Reihe von Abstürzen sowie Einweisungen in psychiatrische Kliniken und monatelange Aufenthalte. Mit den Alkoholexzessen hörte die Frau wegen der epileptischen Anfälle erst vor vier Jahren auf. 2007 folgte ein Suizidversuch im Triemlispital. Sie konnte noch im letzten Moment daran gehindert werden, sich aus dem Balkon zu stürzen. Erst in den letzten Jahren habe Mägi B. wieder etwas Lebensmut geschöpft, sagt B. S. und zeigt zum Beweis ein Foto von diesem Jahr: «Aber die brutale Vergewaltigung hat sie zeitlebens beschäftigt.» Sie sei noch Jahre später von Albträumen geplagt worden und habe fast pausenlos darüber gesprochen – «bis ich es nicht mehr hören konnte.» Damit habe Mägi die furchtbaren Erlebnisse zu verarbeiten versucht.
«Eine Superbeziehung»
Die neunjährige Beziehung des Paares wurde am 25. April abrupt beendet. An diesem Sonntag brach die 60-Jährige auf dem Balkon der Wohnung plötzlich zusammen. B. S. alarmierte die Sanität. Der Notfallarzt konnte aber nach einer halben Stunde Reanimationsbemühungen nur noch den Tod der Frau feststellen. Als Todesursache wird eine Herzrhythmusstörung vermutet.
Was B. S. bleibt, ist die Erinnerung an eine «Superbeziehung» – trotz der schweren Vergangenheit seiner Frau. Mit der geplanten Biografie über seine Frau will er nun den Tod seiner geliebten Mägi verarbeiten. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 30.07.2010, 22:07 Uhr
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10 Kommentare
ich bin schockiert und muss einmal mehr feststellen dass die opfer einfach auf der strecke bleiben. die täter versucht man so rasch als möglich wieder ins "normale" leben zu integrieren. dass ein täter nach einer solchen tat innert zwei jahren wieder auf freiem fuss ist, ist einfach blanker hohn. das opfer hat in den meisten fällen lebenslänglich.... Antworten
einfach tragisch und schlimm! darum: gewaltverbrechen gehören weitaus härter bestraft! hanfbauern will man jahrelang wegsperren, obwohl sie niemandem leid zugefügt haben, ganz im gegenteil. aber gewaltverbrecher landen viel zu schnell immer wieder in der freiheit, während ihre opfer ein leben lang gezeichnet sind. Antworten


































