Nun werden in Zürich auch die Velos gezählt
Von Jürg Rohrer. Aktualisiert am 26.07.2010 5 Kommentare
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Vor einer Woche gab die Stadt bekannt, wohin sich der Verkehr seit der Eröffnung der Westumfahrung und der Sperrung der Westtangente verschoben hat. Ein Netz von Messsonden in den Fahrbahnen gibt der Dienstabteilung Verkehr im Polizeidepartement jederzeit detailliert Auskunft über das aktuelle Verkehrsaufkommen.
Vom Veloverkehr weiss die Stadt viel weniger, obwohl der rot-grüne Stadtrat ständig dessen Wichtigkeit betont. Zahlen über das Ausmass des Velofahrens stammen entweder aus gelegentlichen Befragungen oder aus tageweisen Zählungen. Beides ergibt jedoch nur punktuelle Erkenntnisse, denen der Makel anhaftet, nicht repräsentativ zu sein, insbesondere nicht für andere Jahreszeiten.
Ungenauigkeit von 5 Prozent
Diese Wissenslücke will das Tiefbauamt beheben. Ein Anlass ist das Programm Velo 12 – ein Massnahmenbündel, mit dem der Anteil des Velos am Gesamtverkehr von heute 7 auf 12 Prozent im Jahr 2012 angehoben werden soll. Der Auftrag lautete, permanente, automatische Velozählstellen einzurichten. Was sich jedoch als schwierig erwies, weil die meisten im In- und Ausland eingesetzten Velozählgeräte nur für Radwege taugen, während sich in Zürich die Velos die Fahrbahn meistens mit Autos und Bussen teilen müssen.
Zwei Produkte kamen schliesslich infrage, die in Zusammenarbeit mit einem privaten Planungsbüro während sechs Monaten an zwei Orten in Unterstrass getestet wurden. Das eine zählte mit Radar, das andere mit einer sogenannten Induktionsschlaufe. Die Schlaufe erwies sich als zuverlässiger, weshalb sie jetzt zur Anwendung kommt. Dabei wird die Drahtschlaufe vier bis fünf Zentimeter tief in den aufgefrästen Strassenbelag gelegt und mit Asphalt wieder zugedeckt. Der Draht empfängt von den Velofelgen, sofern sie aus Metall sind, einen elektromagnetischen Impuls. Dieser wird an eine wetterfeste Zähl- und Sendebox weitergeleitet, die sich am Strassenrand befindet und die Daten jeden Abend an einen zentralen Rechner übermittelt. Das System ist so programmiert, dass es Autos und Töffs nicht erfasst. Mühe bereiten ihm allerdings Velos, die im Pulk daherkommen. Die Ungenauigkeit liegt bei etwa fünf Prozent.
Verkehr verdreifacht
Zehn Zählstellen will das Tiefbauamt einrichten, wie es in seinen jüngsten «Mobilitätsnews» schreibt. Sie sollen nicht nur verschiedene Gebiete abdecken, sondern verschiedene Wegtypen (Veloweg, Hauptachse, Quartierstrasse) und verschiedene Fahrzwecke (Pendeln, Freizeit). Folgende Zählstellen sind bereits in Betrieb:
- Lux-Guyer-Weg (Letten)
- Bertastrasse (Wiedikon)
- Limmatuferweg (rechtes Ufer)
- Mythenquai (Hafen Enge).
Im Verlauf des Sommers kommen weitere sechs hinzu:
- Mühlebachstrasse (Seefeld)
- Unterführung Langstrasse
- Scheuchzerstrasse (Kreis 6)
- Hofwiesenstrasse (Unterstrass)
- Andreasstrasse (Oerlikon)
- Binzmühlestrasse (Affoltern).
Am längsten – seit Dezember 2009 – ist die Zählstelle am Lux-Guyer-Weg in Betrieb, der parallel zur Wasserwerkstrasse oberhalb des Lettenkanals verläuft. Die Messungen ergaben, dass sich der Veloverkehr zwischen Januar und April auf täglich über 1200 Velos verdreifacht hat. Im ganzen April benützten 23'000 Velofahrerinnen und -fahrer diesen Weg, wobei an Wochenenden und stadtauswärts weniger Velos gezählt wurden.
Das Tiefbauamt hofft, dass auch andere Städte permanente Zählstationen einrichten, und ist dann gerne bereit, die Daten auszutauschen – zwecks «Wissensgewinn und für die Stärkung der Anliegen des Veloverkehrs». (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 25.07.2010, 21:47 Uhr
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5 Kommentare
Gute Idee - nur was will man damit bezwecken? Nach Angaben des Tiefbauamtes ist es ja unmöglich, noralgisch überlastete Verkehrspunkte wie das Bellevue, die Rämistrasse oder das Central velofreundlicher zu gestalten - genau an diesen Orten würde ich eine Induktionsschlaufe aufstellen! Und wenn sie den Velofahreranteil auf 12% bringen wollen, dann bitte - gebt uns Velowege in der ganzen Stadt! Antworten


































