Zürich

«Ökologischer Produktionsbetrieb» oder «unnötiger Koloss»

Aktualisiert am 17.01.2011 43 Kommentare

Am 13. Februar stimmt Zürich über den geplanten Swissmill-Tower am Sihlquai ab. Heute präsentierten Befürworter und Gegner ihre Argumente.

Die Erhöhung des bestehenden Getreidespeichers wird für die Coop-Tochter Swissmill nötig, weil am Standort Basel ein Silo geschlossen werden musste. Am Zürcher Sihlquai steht die Mühle seit 1843, seit 1912 gehört sie zu Coop. Die jährliche Produktion beträgt 220'000 Tonnen. Die Anlieferung erfolgt per eigenem Bahnanschluss.

Swissmill rechnet für den Bau - inklusive Innenleben - mit Kosten von rund 25 Millionen Franken, wie Romeo Sciaranetti, Leiter Swissmill, am Montag vor den Medien in Zürich ausführte. Swissmill beschäftigt 75 Mitarbeitende, davon jeweils fünf Lehrlinge und über 20 gelernte Müller.

Industrie in Industriegebiet erhalten

Im Hinblick auf die Stadtzürcher Volksabstimmung über den Privaten Gestaltungsplan Kornhaus Swissmill vom 13. Februar hat sich ein überparteiliches Pro-Komitee gebildet. Ihm gehören Vertreterinnen und Vertreter von CVP, EVP, FDP, Grünen, Grünliberalen, SP und SVP an. Diese Parteien sind sich einig, dass die Mühle, die zusammen mit MAN-Turbo noch das einzige Industrieunternehmen ist, das im Industriequartier produziert, weiterhin in Zürich Getreide verarbeiten soll. Zürich-West soll nicht ausschliesslich zu einem Quartier von Dienstleistungs- und Gastrobetrieben, Partymeilen und Lofts werden.

Ausserdem sei die Anlieferung per Bahn ökologisch, die Produktion energetisch vorbildlich, der Erhalt von Arbeitsplätzen wichtig, hiess es. Die Mühle, ein komplexer Produktionsbetrieb mit einem Anlagewert von mehreren Hundert Millionen Franken, könne nicht einfach auf die grüne Wiese gezügelt werden, wie die Gegner meinten.

Unnötiger Koloss

Die Gegnerschaft, hauptsächlich Vertreter des Quartiers Wipkingen sowie Vertreter der AL, stossen sich an der Höhe. Es entstehe ein Koloss - und das in einem Ort, wo das städtische Hochhausleitbild keine Hochhäuser erlaube. Das sei undemokratisch. Zudem beeinträchtige das Silo eine wertvolle Denkmallandschaft. Besonders erhitzen sich auch die Gemüter von Gästen der Badi «Unterer Letten». Im Sommer werde die Badi ab 16 Uhr zu sehr beschattet, das Quartier verliere an Lebensqualität.

Nach Ansicht des Nein-Komitees ist der Standort Swissmill in Zürich auch ohne «Weltrekord-Siloprojekt» nicht gefährdet. Das Argument «Das Mehl dort mahlen, wo es verbraucht wird», klinge zwar gut, die Realität sehe jedoch anders aus. Es werde kaum Mehl vom Sihlquai direkt nach Zürich geliefert, so die Gegner.

Beispielsweise würden die bei Zürich gelegene Grossbäckerei in Wallisellen von Coop geschlossen und das nationale Verteilzentrum in Dietikon umfunktioniert. Neu werden die Zürcher Coop-Filialen in Zürich von Schafisheim AG mit frischem Brot und Backwaren beliefert, sagen die Swissmill-Gegner. Mehl und Weggli legen laut Komitee dadurch zweimal 40 Kilometer Zürich-Schafisheim zurück, bevor sie zu den Konsumenten nach Zürich kommen. Mit diesem Argument sei der Silo-Neubau nicht glaubwürdig zu rechtfertigen.

(fsc/sda)

Erstellt: 17.01.2011, 19:42 Uhr

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43 Kommentare

Jakob Harzenmoser

18.01.2011, 15:17 Uhr
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1) Sorry, aber Industrie ist für mich etwas Anderes als eine gewaltige Anlage und Lager, die von ganz wenigen Leuten überwacht werden. Auf der selben Fläche könnte men eine Menge Arbeitsplätze unterbringen. 2) Gestaltungsplan ist das deutsche Wort für Anarchie. Wenn man die Bau- und Zonenordnung aushebeln will, muss man einfach etwas Riesiges hinklotzen, dann geht es. Antworten


olivier brunner

17.01.2011, 16:01 Uhr
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in zürich regieren die bernoullis, mehr als zwei stöcke sind suspekt. das schattenbild der gegner ist eine schlimme verzerrung, wo ist den bitte die Sonne in disem moment... wer schon einmal am letten war, weiss dass sich die leute unter die hohen bäume drängen, die es reichlich gibt (schattenwurf!!!). der silo würde einzelne punkte in der bad nur minutenlang beschatten, dann wieder sonne! Antworten



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