Oerliker Industriedenkmal gerettet – ABB stimmt Verschiebung zu
MFO-Park: Preis aus Deutschland
Der MFO-Park in Neu-Oerlikon erhält bereits zum fünften Mal eine Auszeichung. Das Europäische Gartennetzwerk ehrt ihn in der Kategorie «Zeitgenössische Gärten» mit dem Deutschen Gartenpreis. Seit seiner Eröffnung 2002 hat der Park bereits den Public-Design-Preis, den Play & Leisure Award, die Public-Space-Auszeichnung und die Auszeichnung für gute Bauten der Stadt Zürich erhalten. Die Anlage erinnert mit dem Gerüst, das mittlerweile von Kletterpflanzen begrünt ist, an eine Montagehalle aus der industriellen Zeit des Quartiers. Gestaltet haben den MFO-Park Burckhardt + Partner AG und Raderschall Landschaftsarchitekten AG im Auftrag von Grün Stadt.
Stadträtin Ruth Genner (Grüne) zeigte sich erfreut über die Ehrung: Der Park sei nicht nur eine architektonische Besonderheit, sondern auch Treffpunkt und Erholungsraum. «Speziell ist er, weil er offen ist und gleichzeitig die Behaglichkeit eines Hauses vermittelt.» Er habe sich als Sehenswürdigkeit in Zürich-Nord etabliert. (gg)
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Die ABB lenkt ein: Sie stimmt einer Verschiebung des ehemaligen Verwaltungsgebäudes der Maschinenfabrik Oerlikon (MFO) zu, wie das Unternehmen gestern mitgeteilt hat. «ABB ist ein Unternehmen, das sowohl seine unternehmerische als auch seine gesellschaftliche Verantwortung wahrnimmt. Deshalb anerkennen wir die Argumente der besorgten Parteien und Bürger, das Gebäude zu erhalten, und geben grünes Licht für eine Verschiebung», begründet Jasmin Staiblin, Vorsitzende der Geschäftsleitung der ABB Schweiz, den überraschenden Entscheid.
Das 1869 errichtete MFO-Gebäude, in dem heute das Restaurant Gleis 9 eingemietet ist, gilt als wichtigster verbliebener Zeuge der Industrialisierung in Oerlikon. Die ABB-Vorgängerin BBC hatte die MFO in den 1960er-Jahren übernommen.
Bevölkerung machte Druck
In den letzten Wochen hat sich der Druck auf die ABB kontinuierlich erhöht: Nachdem die Stadt Ende Juli mitteilte, dass die Verschiebung des MFO-Gebäudes aufgrund der Haltung der ABB gescheitert sei, lancierten Quartierbewohner eine bis jetzt von 1000 Menschen unterschriebene Petition für die Rettung des Hauses. Dazu setzten alle Stadtzürcher Parteien im Gemeinderat einen Brief auf, in dem sie ABB-Chefin Staiblin aufforderten, den Abbruch des Gebäudes nochmals zu überdenken.
Das Einlenken der ABB sorgt nun für Erleichterung. «Das ist eine sehr erfreuliche Nachricht für Oerlikon, die Stadt und für die ABB, die sich ein Stück Firmengeschichte bewahrt», sagt Stadtrat André Odermatt (SP). Bruno Sidler, SVP-Gemeinderat und Geschäftsführer des Vereins Abbruch – Nein, ist «sehr zufrieden». Er hoffe, dass der ABB-Entscheid alle Beteiligten beflügle. Denn das MFO-Gebäude ist noch nicht gerettet.
Schnell vorwärts machen
Der Zeitdruck ist gross: Das Areal, auf dem das Haus heute steht, muss der SBB Ende Mai 2012 übergeben werden – geräumt und altlastenbereinigt. Die SBB benötigen den Platz für den Ausbau des Bahnhofs Oerlikon um zwei Gleise. Eine vor drei Jahren von der Stadt in Auftrag gegebene Studie zeigte, dass das 5600 Tonnen schwere MFO-Gebäude durch eine Verschiebung um 63 Meter gerettet werden kann. Um die Hausverschiebung möglich zu machen, ist eine Änderung der Sonderbauvorschriften nötig. Dazu braucht es die Zustimmung von Stadtrat und Parlament.
Hochbauvorsteher Odermatt will das Geschäft mit Hochdruck vorantreiben. Er wird die Vorlage dem Stadtrat so bald als möglich unterbreiten und hofft, dass danach auch der Gemeinderat schnell vorwärts macht. «Um die Rettung möglich zu machen, müssen alle an einem Strick ziehen.» Er hofft, dass das Geschäft Ende Frühjahr 2011 unter Dach und Fach ist. Danach braucht es eine Baubewilligung und eine schnelle Ausführung der Verschiebung.
Kein Aufschub für SBB
Damit diese rasch über die Bühne gehen kann, will Odermatt in den nächsten Tagen mit Experten und der Immobiliengesellschaft Swiss Prime Site (SPS) zusammensitzen. Diese hatte sich bereit erklärt, die Kosten von 2 Millionen Franken für die Verschiebung zu übernehmen und das Gebäude für 5 Millionen Franken instand zu stellen. Dafür würde das MFO-Haus neu auf SPS-Boden stehen und in ihr Eigentum fallen. Die SPS hält sich im Moment mit Prognosen zurück. «Wir müssen mit den anderen Beteiligten prüfen, ob unser Vorhaben zeitlich umsetzbar ist», sagt SPS-Sprecherin Nicole Stamm.
Einen weiteren Aufschub durch die SBB wird es kaum geben. «Wir wollten eigentlich bereits 2011 mit dem Bau der neuen Gleise beginnen und haben unser Vorhaben aus Rücksicht auf die Rettung des Gebäudes so weit nach hinten geschoben wie möglich», sagt SBB-Sprecher Daniele Pallecchi. Eine weitere Verzögerung könnte unter anderem die rechtzeitige Eröffnung der Durchmesserlinie in Gefahr bringen.
ABB fordert 8,5 Millionen
Die ABB, auf deren Boden das MFO-Gebäude heute steht, stimmt zwar der Verschiebung zu. Das Unternehmen erhält aber eine Entschädigungsforderung an die SBB wegen Enteignung aufrecht. Dem Vernehmen nach geht es um 8,5 Millionen Franken. Ursprünglich wollte die ABB der Verschiebung nicht zustimmen, bevor in dieser Frage ein Urteil gefällt war. Sie befürchtete, ihren Anspruch nach der Verschiebung zu verlieren. Die SBB bestreiten die Forderung.
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Erstellt: 07.09.2010, 20:50 Uhr





