Oerlikons wichtigstes Industriedenkmal verschwindet
Von Georg Gindely . Aktualisiert am 31.07.2010 5 Kommentare
Die Pläne haben sich zerschlagen, das ehemalige Verwaltungsgebäude der Maschinenfabrik Oerlikon (MFO) durch eine Verschiebung zu retten. Damit verschwindet das wohl wichtigste Industriedenkmal des Zürcher Quartiers. Das 1889 erstellte Backsteingebäude beim Bahnhof Oerlikon, in dem unter anderem das Restaurant Gleis 9 eingemietet ist, wird abgebrochen. Dies hat das Zürcher Hochbaudepartement gestern mitgeteilt. Dass das Gebäude dem Ausbau des Bahnhofs Oerlikon weichen muss, ist unbestritten und war bereits in den Sonderbauvorschriften zur Entwicklung von Neu-Oerlikon vorgesehen. Die Stadt versuchte, das Haus dennoch zu erhalten. Eine vor drei Jahren ausgearbeitete Studie zeigte, dass das 5600 Tonnen schwere Gebäude durch eine Verschiebung um 63 Meter gerettet werden könnte. Die Immobiliengesellschaft Swiss Prime Site (SPS) zeigte sich bereit, die 2 Millionen Franken teure Verschiebung vom Boden der ABB auf ein SPS-Areal zu bezahlen und das Haus für 5 Millionen Franken instand zu setzen. Es sah nach einem Happy End aus.
ABB befürchtete Nachteile
Doch dann verlangte plötzlich die ABB als Eigentümerin des Hauses eine Entschädigung von den SBB. Dem Vernehmen nach geht es um 8,5 Millionen Franken. Die SBB weisen die Forderung zurück. Die ABB habe sich in den Sonderbauvorschriften für Zürich-Nord von 1998 verpflichtet, das Gebäude bei einem Ausbau des Bahnhofs entschädigungslos abzubrechen und das Areal altlastenbereinigt zu übergeben, sagt SBB-Sprecher Daniele Pallecchi. «Aus dem Umstand, dass das Gebäude nun versetzt statt abgebrochen werden sollte, lässt sich unserer Ansicht nach kein Entschädigungsanspruch ableiten.»
Die ABB bestreitet, dass der Abbruch entschädigungslos erfolgen müsse. Warum sperrt sich die Firma gegen die Verschiebung? Hätte sie ihre Forderung nicht trotzdem weiter geltend machen können? «Nach der Verschiebung wäre das Gebäude nicht mehr auf unserem Land gestanden, was für unsere Entschädigungsforderung negative Konsequenzen hätte haben können», sagt ABB-Sprecher Lukas Inderfurth. Man habe deshalb den Entscheid der Schätzungskommission abwarten wollen. Dieser steht bis heute aus. Weil die SBB das Areal bereits ab Mai 2012 für den Bahnhofsausbau benötigen, gibt es laut Hochbaudepartement keine andere Möglichkeit mehr, als das Haus abzubrechen.
Enttäuschung im Quartier
Christian Relly, Vizepräsident des Quartiervereins Oerlikon, ist enttäuscht: «Wir bedauern es ausserordentlich, dass das MFO-Gebäude nicht gerettet werden kann.» Der Backsteinbau sei prägend für das Quartier, vor allem auch als Eingangstor zu Neu-Oerlikon.
Von einer Schande spricht Roman Bolt, Inhaber des Restaurants Gleis 9. Nur des Geldes wegen werde eines der wichtigsten Industriedenkmäler der Schweiz geopfert. Zudem gingen durch den Abbruch Arbeitsplätze verloren. «Das Gleis 9 war ein wichtiger Treffpunkt für Neu-Oerlikon.» Er sei enttäuscht, dass der ABB als MFO-Nachfol-gerin nichts daran liege, ihr historisches Erbe zu bewahren. Bolt hofft auf Widerstand aus der Bevölkerung. «Die Verantwortlichen müssen zu spüren bekommen, dass ihr Entscheid falsch ist.»
Auch die Stadt bedauert, dass das MFO-Gebäude verloren ist. «Wir haben uns bis zuletzt für eine Lösung eingesetzt», sagt Urs Spinner, Sprecher des Hochbaudepartements. Eine positive Meldung gebe es dennoch: «Die Verhandlungen mit der ABB über die künftige Nutzung der ABB-Halle 550 in Neu-Oerlikon verlaufen erfreulich.»
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 30.07.2010, 22:14 Uhr
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5 Kommentare
Um 8,5 Millionen Franken geht es hier also, bei einem Vergleich wohl nicht mal um die Hälfte, also rund 4 Mio. Und dabei ist es nicht mal ausgeschlossen, dass diese Entschädigungszahlungen auch bei einem Abbruch fällig werden. Wenn man die Ausgabefreudigkeit der Stadt in zig anderen Bereichen zum Vergleich heranzieht, muss doch irgendwo noch ein Kässeli für das Indurstriedenkmal vorhanden sein! Antworten


































