Panne vor Premiere: Laster liefert falsches Filmmaterial

Von Tina Fassbind. Aktualisiert am 06.01.2010

Die exklusive Filmvorführung des 70-Millimeter-Klassikers «Playtime» war ein voller Erfolg. Dabei wäre der Anlass beinahe ins Wasser gefallen.

1/12 Kinoerlebnis der Extraklasse: Diese 70-mm-Filmkopie von Jacques Tatis «Playtime» liess gestern im Volkshaus nicht nur die Augen angefressener Kinofans feucht werden.
Beatrice Jäggi

   

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Montagabend 18 Uhr: Vor dem Zürcher Volkshaus stehen Dutzende Menschen in der Kälte und warten auf Einlass. Doch für einmal ziehen nicht die Chippendales oder ein internationaler Musikstar die Massen an, sondern ein über 40 Jahre alter Kinoklassiker.

«Playtime», ein Film im 70-Millimeter-Format des französischen Regisseurs Jaques Tati, war ein Riesenerfolg. Sogar die Veranstalter waren vom Run auf die Tickets überrascht. «Der Vorverkauf verlief nämlich extrem harzig», erinnert sich René Moser, Koprogrammleiter des Kinos Xenix. Er erklärt sich den Erfolg des Anlasses mit seiner Exklusivität. «70-Millimeterfilme waren in Zürich seit Jahren nicht mehr zu sehen. Ausserdem ist das Volkshaus als Kinosaal eher ungewöhnlich.» Für Moser ist der Film an und für sich ein Ereignis: «‹Playtime› ist ein absoluter Hammer, ein visionäres Meisterwerk. Der poetische Witz steckt an und gibt ein gutes Gefühl.»

Falsches Material geliefert

Für kurze Zeit war das Gefühl im Vorfeld der Filmvorführung allerdings weniger gut: Aus Versehen wurde eine falsche Palette auf einen der sechs Laster gepackt, die die 1300 Kilogramm schwere Vorführtechnik anlieferten. «Das Material musste von der Speditionsfirma in der ganzen Schweiz gesucht werden. Schliesslich hat man es in Kaiseraugst gefunden», schildert Moser die Ereignisse kurz vor der Premiere. «Ein Laster musste extra anfahren, um die Sachen zu holen. Das hat den Aufbau der Apparate um fast drei Stunden verzögert.»

Und die Probleme haben sich am Dienstagmorgen fortgesetzt. «Der Camion, mit dem wir das Material wieder abtransportieren wollten, ist nicht zur vereinbarten Zeit erschienen. Die Hilfsarbeiter waren schon weg. Ich musste neue organisieren», so Moser. Er trägt das Ganze mit Fassung. «Mit solchen Transportproblemen haben wir als Programmkino dauernd zu kämpfen. 35-Millimeter-Filmkopien sind rund 30 Kilogramm schwer, die vier Stahlschachteln mit den 70-Millimeterrollen wiegen sogar 120 Kilogramm. Das sind eben keine DVDs.»

Abenteuer 70-Millimeter wird fortgesetzt

Trotzdem soll das Abenteuer 70-Millimeter-Filmvorführung eine Fortsetzung finden. «Ich wollte bereits zum 25-Jahre-Xenix-Jubiläum vor fünf Jahren ein Openair-Festival mit 70-Millimeterfilmen veranstalten. Das Risiko war aber zu gross. Könnten wir einen geeigneten Veranstaltungsort in Zürich finden, käme ein solches Festival allerdings sehr wohl in Frage. Warum nicht im Volkshaus?» Das Projekt liegt aber noch in weiter Ferne.

Sicher ist, dass das Xenix-Team trotz des Erfolgs von «Playtime» keine Pläne für den Kauf oder den Aufbau eines 70-Millimeter-Kinos in Zürich hat. Es gebe nicht mehr viele Filmkopien und die Qualität des Materials nehme ab. «Die Filme sind im Normalfall 40 bis 50 Jahre alt. Sind sie nicht im Technicolor-Verfahren hergestellt, verblassen die Farben. Das kann man dem Kinopublikum im Zeitalter von DVD und Bluray nicht bieten», erklärt René Moser.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.01.2010, 12:42 Uhr

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