«Patronatsclub» bezahlt grossen Teil des Kunsthaus-Neubaus

Private beteiligen sich mit 88 Millionen an der Erweiterung des Kunsthauses. Nur wenige Namen sind bekannt.

«Das Echo war geradezu überwältigend»: Walter B. Kielholz, Präsident der Zürcher Kunstgesellschaft, im Hodlersaal des Kunsthauses (15. Januar 2009).

«Das Echo war geradezu überwältigend»: Walter B. Kielholz, Präsident der Zürcher Kunstgesellschaft, im Hodlersaal des Kunsthauses (15. Januar 2009). Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Thomas Bechtlers Aufgabe ist es, Portemonnaies zu öffnen und Millionen für den Neubau des Kunsthauses zu sammeln. 88 Millionen Franken sind das Ziel. Bisher hat der Ehrenpräsident der Zürcher Kunstgesellschaft 56 Millionen Franken zugesagt erhalten. Von den Verwerfungen der Finanzkrise spüre er nicht viel.

Beim Spendensammeln geht Bechtler strukturiert vor. Fünf Gruppen von Spendern hat er ausgemacht: Privatpersonen für den «Patronatsclub», Privatpersonen, die zwischen 500 und einer halben Million Franken spenden, Stiftungen, Firmen und Sonderfälle. Unter die letzte Kategorie fällt die Familie Bührle. Sie beteiligt sich ebenfalls mit einem namhaften Betrag. «Er liegt nicht höher als die Summe anderer privater Gönner», sagt Björn Quellenberg, Pressesprecher des Kunsthauses Zürich. Laut Thomas Bechtler belief sich die bisher grösste Einzelspende auf zwei Millionen Franken. Die wichtigsten Gruppen seien Firmen, Stiftungen sowie der Patronatsclub.

Wer eine grosse Summe spende, sei meistens an Kunst interessiert und auch philanthropisch aktiv. «Sie erwarten keine grossen Gegenleistungen», sagt Bechtler. Diese beschränken sich meist auf eine Nennung auf der Ehrentafel im Eingangsbereich des neuen Kunsthauses, falls gewünscht. Eine weitere Motivation sieht Bechtler in der Architektur von David Chipperfield, der den Erweiterungsbau gestaltet. «Das ist eine einmalige Gelegenheit, sich an einem solchen Weltklasseprojekt zu beteiligen.»

2-Millionen-Franken-Spende

Wer richtig vermögend sei, bleibe es auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten und sei bereit, eine halbe Million Franken oder mehr zu spenden. Auf diese Summe beläuft sich das Mindesteintrittsgeld für den Patronatsclub. Namen des erlauchten Kreises gibt Bechtler nicht preis. 15 Mitglieder seien es bisher. Weitere würden dazukommen. Zwei Clubmitglieder sind aber trotzdem bekannt. Es ist Thomas Bechtler selber und sein Bruder Rudolf. «Ich muss doch mit gutem Beispiel vorangehen», sagt Thomas Bechtler. Über die Höhe der Spende macht er keine Angaben.

Spendensammeln ist eine verschwiegene Angelegenheit. Nur wenige Spender des Erweiterungsbaus sind namentlich bekannt: die Bär-Kaelin-Stiftung, die Vontobel-Stiftung und die Ernst-Göhner- Stiftung sowie die Pelzhändler Werner und Gabrielle Merzbacher und als privater Mäzen Unternehmer Andy Rihs.

Eine unglaubliche Erfahrung

Beim Spendensammeln erlebt Bechtler zuweilen auch Bewegendes, wie das «Kunsthaus-Magazin» schrieb. Im vergangenen Jahr trat er sich mit einem potenziellen Gönner zum Mittagessen. Dabei stellte er sich auf ein schwieriges zweistündiges Gespräch ein. Als er das Projekt skizzierte, sagte sein Gegenüber nach fünf Minuten: «Ja, das ist eine tolle Sache. Ich gebe dir eine Million. Und jetzt können wir von anderen Dingen sprechen.» Das sei eine unglaubliche Erfahrung gewesen, dass ihm jemand einen so grossen Vertrauensvorschuss entgegenbringe.

Das Kunsthaus Zürich sieht Bechtler breit in der Bevölkerung verankert; auch die Zürcher Kunstgesellschaft werde immer grösser. Sie zählte im vergangenen Jahr 21 652 Mitglieder. Nach der Abstimmung am 25. November soll dieser Kreis aktiv um Spenden angegangen werden. Die Wurzeln der Gesellschaft reichen bis ins Jahr 1787 zurück. Schon damals spendeten die Mitglieder – allerdings in der Form von eigenen Zeichnungen oder fremden Werken.

«Echo war überwältigend»

Auch den 1958 eröffneten grossen Ausstellungssaal finanzierte eine Privatperson – Emil G. Bührle –, weshalb der Saal den Namen des Spenders trägt. Das Gleiche gilt für den Werner-Bär-Saal mit Skulpturen von Rodin bis Richier, gestiftet 1966 von Nelly Bär, Teil der gleichnamigen Bankiersfamilie.

Walter B. Kielholz, Präsident der Zürcher Kunstgesellschaft, ist zufrieden mit den bisherigen Spendenaufkommen: «In einer ersten Phase sind wir an jene Privatpersonen und Stiftungen herangetreten, von denen wir uns grosse Donationen erhofften. Das Echo war geradezu überwältigend», sagte er in einem Credit-Suisse-Newsletter.

Bechtler entstammt einer Industriellenfamilie – die einstige Zellweger Luwa in Uster –, die seit jeher Künstler fördert. Die Walter-A.-Bechtler-Stiftung brachte etwa Tinguelys «Heureka» nach Zürich oder «Sheep», die beide in den Seeanlagen stehen. Bechtler ist zuversichtlich, dass bis Ende dieses Jahres die Spendensumme über 60 Millionen Franken steigen wird. Neben weiteren Spenden erhofft er sich auch, dass Baufirmen einen Teil ihrer Leistungen als Sponsorenbeitrag erbringen. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 13.11.2012, 10:25 Uhr)

Thomas Bechtler: Der 63-Jährige Unternehmer und Kunstsammler war von 1987 bis 2002 Präsident der Zürcher Kunstgesellschaft. (Bild: Keystone )

Artikel zum Thema

Steht die Abstimmung über das Kunsthaus auf der Kippe?

Weil die Argumente der Gegner in der Abstimmungszeitung nicht zur Sprache kommen, hat eine kleine Gruppe um den Künstler Gottfried Honegger eine Stimmrechtsbeschwerde beim Bezirksrat eingereicht. Mehr...

Letzte Hürde für den Chipperfield-Bau

Am 25. November stimmt die Stadt Zürich über die Erweiterung des Kunsthauses ab. Der Neubau kostet die Stadt 88 Millionen Franken, die Ausstellungsfläche wird nahezu verdoppelt. Mehr...

Mieter, Kindergarten und Kunsthaus: So stimmen die Parteien

Am 25. November stimmen die Zürcher über das Kunsthaus, die Einführung einer Grundstufe und zwei Volksinitiativen des Mieterschutzes ab. Der Parolenspiegel zeigt die Wahlempfehlungen der Parteien. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Marktplatz

Die Welt in Bildern

Bunte Nacht: Ein Nordlicht verfärbt den Nachthimmel über der Stadt Tromso, Norwegen (21. Oktober 2014).
(Bild: Jan Morten Bjoernbakk) Mehr...