Zürich
«Patronatsclub» bezahlt grossen Teil des Kunsthaus-Neubaus
Von Benno Gasser. Aktualisiert am 13.11.2012 8 Kommentare
Thomas Bechtler: Der 63-Jährige Unternehmer und Kunstsammler war von 1987 bis 2002 Präsident der Zürcher Kunstgesellschaft. (Bild: Keystone )
Artikel zum Thema
- Steht die Abstimmung über das Kunsthaus auf der Kippe?
- Letzte Hürde für den Chipperfield-Bau
- Mieter, Kindergarten und Kunsthaus: So stimmen die Parteien
Teilen und kommentieren
Stichworte
Etwas gesehen, etwas geschehen?
Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an
4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Thomas Bechtlers Aufgabe ist es, Portemonnaies zu öffnen und Millionen für den Neubau des Kunsthauses zu sammeln. 88 Millionen Franken sind das Ziel. Bisher hat der Ehrenpräsident der Zürcher Kunstgesellschaft 56 Millionen Franken zugesagt erhalten. Von den Verwerfungen der Finanzkrise spüre er nicht viel.
Beim Spendensammeln geht Bechtler strukturiert vor. Fünf Gruppen von Spendern hat er ausgemacht: Privatpersonen für den «Patronatsclub», Privatpersonen, die zwischen 500 und einer halben Million Franken spenden, Stiftungen, Firmen und Sonderfälle. Unter die letzte Kategorie fällt die Familie Bührle. Sie beteiligt sich ebenfalls mit einem namhaften Betrag. «Er liegt nicht höher als die Summe anderer privater Gönner», sagt Björn Quellenberg, Pressesprecher des Kunsthauses Zürich. Laut Thomas Bechtler belief sich die bisher grösste Einzelspende auf zwei Millionen Franken. Die wichtigsten Gruppen seien Firmen, Stiftungen sowie der Patronatsclub.
Wer eine grosse Summe spende, sei meistens an Kunst interessiert und auch philanthropisch aktiv. «Sie erwarten keine grossen Gegenleistungen», sagt Bechtler. Diese beschränken sich meist auf eine Nennung auf der Ehrentafel im Eingangsbereich des neuen Kunsthauses, falls gewünscht. Eine weitere Motivation sieht Bechtler in der Architektur von David Chipperfield, der den Erweiterungsbau gestaltet. «Das ist eine einmalige Gelegenheit, sich an einem solchen Weltklasseprojekt zu beteiligen.»
2-Millionen-Franken-Spende
Wer richtig vermögend sei, bleibe es auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten und sei bereit, eine halbe Million Franken oder mehr zu spenden. Auf diese Summe beläuft sich das Mindesteintrittsgeld für den Patronatsclub. Namen des erlauchten Kreises gibt Bechtler nicht preis. 15 Mitglieder seien es bisher. Weitere würden dazukommen. Zwei Clubmitglieder sind aber trotzdem bekannt. Es ist Thomas Bechtler selber und sein Bruder Rudolf. «Ich muss doch mit gutem Beispiel vorangehen», sagt Thomas Bechtler. Über die Höhe der Spende macht er keine Angaben.
Spendensammeln ist eine verschwiegene Angelegenheit. Nur wenige Spender des Erweiterungsbaus sind namentlich bekannt: die Bär-Kaelin-Stiftung, die Vontobel-Stiftung und die Ernst-Göhner- Stiftung sowie die Pelzhändler Werner und Gabrielle Merzbacher und als privater Mäzen Unternehmer Andy Rihs.
Eine unglaubliche Erfahrung
Beim Spendensammeln erlebt Bechtler zuweilen auch Bewegendes, wie das «Kunsthaus-Magazin» schrieb. Im vergangenen Jahr trat er sich mit einem potenziellen Gönner zum Mittagessen. Dabei stellte er sich auf ein schwieriges zweistündiges Gespräch ein. Als er das Projekt skizzierte, sagte sein Gegenüber nach fünf Minuten: «Ja, das ist eine tolle Sache. Ich gebe dir eine Million. Und jetzt können wir von anderen Dingen sprechen.» Das sei eine unglaubliche Erfahrung gewesen, dass ihm jemand einen so grossen Vertrauensvorschuss entgegenbringe.
Das Kunsthaus Zürich sieht Bechtler breit in der Bevölkerung verankert; auch die Zürcher Kunstgesellschaft werde immer grösser. Sie zählte im vergangenen Jahr 21 652 Mitglieder. Nach der Abstimmung am 25. November soll dieser Kreis aktiv um Spenden angegangen werden. Die Wurzeln der Gesellschaft reichen bis ins Jahr 1787 zurück. Schon damals spendeten die Mitglieder – allerdings in der Form von eigenen Zeichnungen oder fremden Werken.
«Echo war überwältigend»
Auch den 1958 eröffneten grossen Ausstellungssaal finanzierte eine Privatperson – Emil G. Bührle –, weshalb der Saal den Namen des Spenders trägt. Das Gleiche gilt für den Werner-Bär-Saal mit Skulpturen von Rodin bis Richier, gestiftet 1966 von Nelly Bär, Teil der gleichnamigen Bankiersfamilie.
Walter B. Kielholz, Präsident der Zürcher Kunstgesellschaft, ist zufrieden mit den bisherigen Spendenaufkommen: «In einer ersten Phase sind wir an jene Privatpersonen und Stiftungen herangetreten, von denen wir uns grosse Donationen erhofften. Das Echo war geradezu überwältigend», sagte er in einem Credit-Suisse-Newsletter.
Bechtler entstammt einer Industriellenfamilie – die einstige Zellweger Luwa in Uster –, die seit jeher Künstler fördert. Die Walter-A.-Bechtler-Stiftung brachte etwa Tinguelys «Heureka» nach Zürich oder «Sheep», die beide in den Seeanlagen stehen. Bechtler ist zuversichtlich, dass bis Ende dieses Jahres die Spendensumme über 60 Millionen Franken steigen wird. Neben weiteren Spenden erhofft er sich auch, dass Baufirmen einen Teil ihrer Leistungen als Sponsorenbeitrag erbringen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 13.11.2012, 10:25 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
8 Kommentare
Jetzt wechseln und sparen
Finden Sie in nur fünf einfachen Schritten die optimale Fahrzeugversicherung.

Bitte warten























