«Personen mit niedrigen Einkommen direkt unterstützen»
Von Simon Eppenberger. Aktualisiert am 27.01.2011 12 Kommentare
Beurteilt Genossenschaftwohnungen kritisch: Urs Hausmann, Partner der Beratungsfirma Wüest und Partner. (Bild: PD)
Dossiers
Artikel zum Thema
Stichworte
Etwas gesehen, etwas geschehen?
Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an
4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...
Die Stadt Zürich will eine 75 Millionen Franken schwere Stiftung schaffen, um damit günstigen Wohnraum zu bauen. Wie viele Wohnungen sie realisieren will, lässt Finanzvorstand Martin Vollenwyder jedoch offen. «Entscheidend ist die Frage, ob alleine mit diesem Geld gebaut wird oder ob die Stiftung auch mit Fremdkapital arbeitet», sagt Urs Hausmann, Partner der Beratungsfirma Wüest und Partner. Die reinen Baukosten für einen Quadratmeter Wohnraum betragen laut dem Immobilienexperten im Durchschnitt 3000 Franken.
Würde die Stadt auf eigenem Land bauen, könnte die Stiftung so aus eigenen Mitteln 25'000m2 Wohnraum realisieren. Nicht eingerechnet sind dabei jedoch Abschreibungen. Die Stadt möchte beispielsweise eine 4-Zimmer-Wohnung knapp 100 m2 gross bauen. So würden 250 Wohnungen für 750 Personen entstehen. Bei einem Bestand von total 206'000 Wohnungen auf Stadtgebiet sind 50'000 subventioniert. «Da haben 250 Wohnungen symbolischen Charakter», sagt Hausmann. Einen Einfluss auf den Wohnungsmarkt wird das nicht haben, so der Immobilienexperte.
«Direkte Unterstützung viel effizienter»
«Eine solche Stiftung ist vor allem ein politisches Bekenntnis für günstigen Wohnraum», sagt Hausmann weiter. Allerdings sei das nicht der günstigste Weg: «Statt Wohnobjekte zu fördern, wäre es viel effizienter, wenn man die Personen mit niedrigen Einkommen direkt unterstützt.» Bei Mietsubventionen würden zwar die Bau- und Immobilienbranche profitieren. «Aber das Geld wird ja sowieso ausgegeben. Doch mit Direktzahlungen könnte man die Subventionen besser steuern», sagt er. Für solche Verbilligungen will die Stadt in den nächsten Jahren 30 Millionen Franken ausgeben. Seit 2005 waren es über 20 Millionen Franken.
Den Nutzen von 250 neuen Sozialwohnungen für 750 Personen sieht Hausmann nur kurzfristig. Bei einer Bevölkerung von 380'000 Personen mache das sehr wenig aus. Zudem sei die Situation oft so, dass Genossenschafts- oder Sozialwohnungen vom Markt verschwinden, wenn sie bezogen sind. «Denn die Leute bleiben oft Jahrzehnte dort.» Das ist vor allem dann ein Problem, wenn die Kinder ausziehen oder die Einkommen der Mieter gestiegen sind. «Dann erfüllen sie zwar die Kriterien für die Wohnung nicht mehr, bleiben aber oft trotzdem dort, weil sich niemand getraut, die langjährigen Mieter rauszuwerfen», sagt Hausmann. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 27.01.2011, 17:15 Uhr
Kommentar schreiben
12 Kommentare
Ja genau, direkte Subventionen für Immobilienbesitzer hilft natürlich hervorragend nicht die Frage des Eigentums für Land/Wohnen zu hinterfragen. Genau dort liegt aber der Haken an der ganzen Sache. Landeigentum. Dazu noch ein paar listige Buchhaltungs/Steuervorschriften und schon sind die Renditen/Profite garantiert. Renditen/Profite bzw. deren maximierung bei Wohnrum ist aber völlig unangebracht Antworten
Es gibt rund 50'000 Wohnungen in der Stadt, die nichtrenditeorientiert Vermietet und bewirtschaftet werde. Davon ist nur ein ganz kleiner Teil subventioniert nach kantonalen Wohnförderungsgesetz. Die Stadt verdient rund 20 Millionen jährlich an ihren Baurechten, die sie Baugenossenschaften abgegeben hat. Und das Rechenbeispiel ist ebenso falsch: Eine Stiftung baut immer mit rund 90% Fremdkapital. Antworten





