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Pfahlbaufunde verzögern Bau des Parkhauses Opéra um ein Jahr

Im Boden vor dem Opernhaus liegen Überreste von 5000 Jahre alten Pfahlbausiedlungen.

Die erste Ausbeute: Knochen, Steinbeilklingen und Keramikscherben.

PD

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Auf der Baustelle des Parkhauses Opéra haben Archäologen Reste früherer Pfahlbausiedlungen gefunden. Um die über 5000 Jahre alten Kulturschätze zu bergen, werden die Bauarbeiten unterbrochen. Das Parkhaus wird deshalb nicht wie geplant im Frühsommer 2011, sondern ein Jahr später eröffnet. Der neu gestaltete Sechseläutenplatz steht wegen der gleichen Verzögerung erst im Jahr 2013 zur Verfügung.

Freude bei Martelli

Sie sei sehr erfreut über den Fund, sagte Stadträtin Kathrin Martelli (FDP) gestern vor den Medien: «Zürich hat Geschichte und macht Geschichte.» Der Stadtrat hat deshalb in einer ersten Phase sechs Millionen Franken für die Rettungsgrabungen bewilligt. Weitere sechs Millionen Franken werden für die Auswertung und Dokumentation benötigt und müssen vom Gemeinderat genehmigt werden.

Für die Eidgenössische Denkmalpflege ist der Fund von internationaler Bedeutung, wie sie in einem Gutachten vom 11. März schreibt: «Ein Verzicht auf die Rettungsgrabung wäre gleichbedeutend mit dem undokumentierten Verlust eines potenziellen Unesco-Weltkulturerbes.» Die Aussage bezieht sich auf eine Kandidatur der Schweiz und fünf weiterer Alpenländer: Sie wollen, dass die prähistorischen Pfahlbauten rund um die Alpen in die Liste des Unesco-Weltkulturerbes aufgenommen werden. Ob die Kandidatur erfolgreich ist, wird im Sommer 2011 bekannt gegeben. Die Unterwasserarchäologie der Stadt Zürich hat mitgeholfen, das Nominationsdossier zu erstellen.

Ein überraschender Fund

Eigentlich gingen die Archäologen davon aus, im Boden des Opéra-Baugeländes nichts zu finden. Mehrere Kernbohrungen im Vorfeld der Bauarbeiten verliefen ergebnislos. Umso grösser war das Erstaunen, als sie bei Sondierungsarbeiten für die Schlitzwände des Parkhauses auf jahrtausendealte Überreste von Pfahlbausiedlungen stiessen. Die aus der Stein- und Bronzezeit stammenden Funde sind besonders wertvoll, weil sie in Feuchtböden besser erhalten sind als in trockenen Böden. Dank der luftdichten Lagerung werden auch organische Materialien wie Hölzer, Geweihe, Leder, Speiseresten oder Textilien ausgezeichnet konserviert.

An der gestrigen Medienkonferenz waren erste Fundstücke zu sehen, darunter Keramikscherben, Steinbeilklingen, Feuersteinartefakte und Tierknochen. Sie stammen aus der Horgener Kultur (um 3200 v. Chr.) und aus der Spätbronzezeit (um 1000 v. Chr.). Für die Archäologen sei es aussergewöhnlich, mitten in der Stadt ein derart grosses Gebiet sondieren zu können, sagte Ursula Hügi, Leiterin der Stadtzürcher Unterwasserarchäologie. Das letzte Mal war dies 1981 beim Bau des Bernhard-Theaters der Fall.

Mehr provisorische Parkplätze

Die Planung der Grabung läuft bereits auf Hochtouren. Innert kürzester Zeit müssen dafür rund 40 Fach- und Grabungsleute angestellt werden. Die Arbeit sei einerseits mühsam, weil unter Tage gegraben werde, andererseits höchst spannend, sagt Jan Capol, Leiter Archäologie und Denkmalpflege.

Der Deckel des Parkhauses Opéra wird noch wie geplant fertig gebaut. Anschliessend werden die Arbeiten eingestellt, weil sich Archäologen und Bauleute in die Quere kämen. Die Bauverzögerungen verursachen gemäss den Behörden rund zwei bis drei Millionen Franken Zusatzkosten. Als kleines Trostpflaster erhält das Gewerbe zu den bereits vorhandenen 59 provisorischen Parkplätzen auf der Sechseläutenwiese 21 zusätzliche Parkfelder. Das betroffene Gewerbe ist damit nicht zufrieden. Die Aufstockung der Parkplätze bezeichnet Ruedi Andres, Präsident der Geschäftsvereinigung Bellevue-Stadelhofen, als Schritt in die richtige Richtung. «Es braucht aber nicht 80, sondern mindestens 100 Parkplätze.»

Die Verzögerung trifft auch den Zirkus Knie, der sein Zelt ein weiteres Jahr auf der Landiwiese aufstellen und die Wohnwagen in der Allmend parkieren muss. Die Street Parade und das Sechseläuten weichen wie bereits in diesem Jahr auf die Restfläche neben der Parkhaus-Baustelle aus, wo die temporären Parkfelder stehen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.03.2010, 04:00 Uhr

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