Plötzlich regnete es Luftballone

Schon Nena wollte mit Luftballonen den Frieden herbeisingen. Sie hatte nur 99. Ein Künstlerkollektiv warf in Zürich am 1. Mai über 20'000 bunte Luftballone auf Polizisten und Krawallbrüder.

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In dem Moment als die obligaten Krawalle den Startschuss zur Nachdemonstration vom 1. Mai gaben, regnete es plötzlich viele bunte Luftballone auf die Langstrasse. Die Vermummten des schwarzen Blocks, die Gaffer, die Journalisten, alle blickten sie verdutzt in den Himmel. Für einige Minuten waren die brennenden Mülltonnen und Knallpetarden vergessen. Kinder, Punks und Passanten trampelten vergnügt auf den Ballonen herum.

Die Aktion war eine Idee von Funkloch, einem Mitglied des Künstlerkollektivs «Bury the Jumbo». «Ballone rufen grundsätzlich positive Assoziationen und Kindheitserinnerungen hervor. Und sie machen niemandem weh» sagt Bury, so der Künstlername von einem der Organisatoren. Der 1. Mai werde von vielen Leuten dazu missbraucht, um auf eine destruktive Art ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen. «Wir wollten mit der Aktion die aufgeladene Stimmung durchbrechen», erklärt Captain, ein weiteres Mitglied des Kollektivs.

26'786 Ballone aus acht Wohnungen

Die Idee entstand im Kreis einer kleinen Gruppe. «Schlussendlich haben aber etwa 35 Leute mitgemacht», erklärt er. «Die meisten der Wohnungsbesitzer kannten wir nicht. Sie fanden unsere Idee toll und haben sich spontan bereit erklärt, mitzuhelfen.» Aus acht Wohnungen entlang der Langstrasse warfen sie Säcke voller Ballone auf die Menschenmenge herunter. 26'786 Ballone waren es gemäss Organisatoren.

«Wir brauchten etwa zwei Tage, um alle Ballone aufzublasen.» Das Künstlerkollektiv will die Aktion keinesfalls mit politischen Inhalten behaften. «Wir schlagen uns weder auf die Seite des Schwarzen Blocks, noch auf diejenige der Polizei.»

Was ist das Fazit der Ballonaktion? «Man weiss nie genau, wie es herauskommt. Das verlangt ein hohes Mass an Flexibilität in der Planung. Aber das verleiht der Aktion letztendlich auch ihren besonderen Charme.»

«Es war ein Experiment»

«Bury the Jumbo» ist ein loses Netzwerk, in dem etwa 500 Leute verbunden sind. «Unser Ziel ist es, aus dem virtuellen Raum heraus in der realen Welt poetische Schauplätze zu schaffen», sagt Bury. Die Community ist seit vier Jahren hauptsächlich in der Schweiz aktiv, zunehmend aber auch in europäischen Städten wie Paris, London oder Wien.

Wird es jetzt jedes Jahr am 1. Mai Ballone auf die Langstrasse regnen? «Es war ein Experiment. Das was heute passiert ist, passiert einmal und ist nicht wiederholbar. » (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.05.2012, 18:19 Uhr

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