Zürich

Plötzlich sagen alle Parteien Ja

Von Georg Gindely. Aktualisiert am 19.01.2011 11 Kommentare

In der Stadt Zürich tobte ein heftiger Abstimmungskampf um den Anbau des Landesmuseums. Vor der Abstimmung im Kanton am 13. Februar ist es merkwürdig still. Selbst die Grünen sind neu dafür.

Kaum mehr umstritten: die Erweiterung des Landesmuseums.

Kaum mehr umstritten: die Erweiterung des Landesmuseums.
Bild: Visualisierung: Architron

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Gegner und Befürworter schimpften sich gegenseitig Lügner, füllten die Leserbriefseiten der Zeitungen und waren mit ihren Plakaten omnipräsent. Der Abstimmungskampf um den städtischen Beitrag zur Erweiterung des Landesmuseums im letzten Juni war laut, intensiv und heftig. Am Schluss gewannen die Befürworter: 54,2 Prozent der Stimmenden sagten Ja zum 10-Millionen-Beitrag der Stadt an den Anbau.

Am 13. Februar entscheidet sich nun an der Urne, ob auch der Kanton Zürich einen Beitrag an die Erweiterung des Landesmuseums leistet. Die vorgesehenen 20 Millionen Franken stammen aus dem Lotteriefonds. Der Kantonsrat stimmte der Vorlage klar mit 138 zu 18 Stimmen zu, gegen den Kredit sprach sich einzig die Fraktion der Grünen Partei aus.

Gegner lancieren Abstimmungskampf

Dennoch haben die Grünen für die Abstimmung vom 13. Februar die Ja-Parole beschlossen. Auch SVP und GLP sagen Ja; bei der städtischen Abstimmung hatten die Grünliberalen noch Stimmfreigabe beschlossen, die städtische SVP und die Grüne Partei die Nein-Parole.

Den Gegnern des Neubaus setzt es zu, dass sie keine Partei mehr im Rücken haben. Es sind nur noch vereinzelte Politiker, die sich im Neinkomitee engagieren, zum Beispiel SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli, SP-Kantonsrätin Sabine Ziegler oder Ueli Nagel, Gemeinderat der Grünen in der Stadt Zürich. Dennoch wollen die Gegner in den nächsten Tagen den Abstimmungskampf lancieren, unter anderem mit einer neuen Plakatkampagne. «Teuer, hässlich, unnötig» steht darauf. Zu sehen ist ein mächtiger grauer Klotz, der in den Platzspitz-Park ragt.

Erweiterung an anderem Standort gefordert

Die Frage, wie stark der Erweiterungsbau den Platzspitz tangiert, war bei der städtischen Abstimmung zentral. Die Gegner sprachen von 20 Prozent der Fläche, die Befürworter von 3,4 Prozent. Laut Regierungsrat beansprucht der Bau höchstens 5,5 Prozent des Platzspitzareals. Verschwinden würden die beiden Teiche vor dem Innenhof des Museums, dafür sind neue Wasserbecken geplant. Bäume und Grünflächen müssten dem Neubau keine weichen.

Mit dem Projekt des Basler Architekturbüros Christ und Gantenbein würde das Landesmuseum dringend benötigten Raum hinzugewinnen. Geplant sind dort Wechselausstellungen, eine öffentliche Bibliothek sowie ein Auditorium. Selbst die Gegner bestreiten nicht, dass das Landesmuseum eine Erweiterung braucht. Sie fordern aber, dass diese an einem anderen Standort gebaut werden soll, zum Beispiel am Carparkplatz. Dies würde aber einen der wesentlichen Vorteile des Anbaus verunmöglichen: einen Rundgang durchs Museum.

Baubewilligung liegt schon vor

Die Erweiterung kostet 111 Millionen Franken. Den grössten Anteil, 76 Millionen Franken, zahlt der Bund. Beim 10-Millionen-Anteil der Stadt war die Abtretung eines Landstücks inbegriffen, auf dem der Bau zu stehen kommt. Die Baubewilligung liegt bereits vor. Auf eine letzte Beschwerde der Gesellschaft für Gartenkultur ist das Bundesgericht nicht eingetreten.

Dennoch wird sich das Bundesgericht voraussichtlich noch einmal mit dem Erweiterungsbau beschäftigen müssen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Gegner nach einem allfälligen Nein in der Abstimmung Beschwerde einreichen. Ihrer Ansicht nach verstösst es gegen das Gesetz, dem Lotteriefonds für die Museumserweiterung Geld zu entnehmen. Eine entsprechende Klage wurde bereits eingereicht. Das Bundesgericht trat nicht darauf ein: Es könne erst entscheiden, wenn der Entscheid rechtskräftig sei, also nach der Abstimmung.

Der Erweiterungsbau hat eine bereits über zehn Jahre dauernde Geschichte: 2000 wurde der Architekturwettbewerb ausgeschrieben. Die Architekten haben das 2002 gekürte Siegerprojekt nach Einwänden überarbeitet und deutlich verkleinert. In die Planung involviert waren die Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege sowie die Natur- und Heimatschutzkommission des Kantons. Der Schweizer Heimatschutz stellt sich denn auch nicht gegen das Projekt – im Widerspruch zum Zürcher Heimatschutz und zur Gesellschaft für Gartenkultur, die den Erweiterungsbau bekämpfen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.01.2011, 22:27 Uhr

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11 Kommentare

Thomi Horath

19.01.2011, 09:19 Uhr
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"Bäume und Grünflächen müssten dem Neubau keine weichen." Jedenfalls vor dem Museum wurde aber schon ein grosser Baum gefällt. Mit 111 Mio CHF könnte man auch bessere Sachen bauen, z.B. Wohnraum. Ob das Museum in Zeiten der Krise gross besucht wird, ist wieder eine andere Frage, da der Eintritt ja sicher nicht billiger wird. Antworten


Urs Brock

19.01.2011, 06:55 Uhr
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Ob es kommt oder nicht. Ob es plötzlich "von allen" favorisiert wird oder nicht. Mir gefällt das neue Teil an dem alten überhaupt nicht. So oder so finde ich die Architektur der CAD beeinflussten Designs als ziemlich langweilig und wenig emotional. Für den Menschen hat es da oft keinen Platz mehr. Siehe Neu Oerlikon als schlechtes Beispiel von Asphalt als Ersatz für Lebensraum. Zeit ohne Geist. Antworten



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