Zürich
Pneustecher handelte aus Frust
Von Stefan Hohler. Aktualisiert am 16.03.2010 2 Kommentare
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Im Frühjahr 2009 gingen bei der Stadtpolizei rund hundert Meldungen von zerstochenen Autopneus in Seebach ein. Der unbekannte Täter hatte jeweils an parkierten Autos die Reifen zerstochen. Besonders fies: Er beschädigte immer zwei Reifen, sodass das Reserverad für die Weiterfahrt nicht reichte. Bereits 2008 waren in der Umgebung Friesstrasse, Eggbühlstrasse, Felsenrainstrasse und Federnstrasse in Seebach zwischen April und Dezember an rund hundert Autos die Pneus beschädigt worden. Der Schaden beläuft sich insgesamt auf über 200'000 Franken. Die Polizei überwachte daraufhin das Gebiet intensiv und konnte bei einer gezielten Fahndung in der Nacht vom 13./14. Mai 2009 einen Mann an der Schaffhauserstrasse nahe der Tatorte in flagranti verhaften. Er hatte zuvor an sieben Autos die Reifen zerstochen. In seinen Kleidern fanden die Polizisten das Tatwerkzeug.
Hilfreich bei Seriendelikten
Dass die Polizei dem Mann auf die Spur kam, war nicht dem «Kommissar Zufall» zu verdanken. Denn neben den üblichen Fahndungs- und Ermittlungsspezialisten hatte die Stadtpolizei erstmals eine Geoprofilerin eingesetzt. Seit dem 1. Oktober 2009 führt die Stadtpolizei eine spezielle Stelle für Geoprofiling und Kriminalpsychologie. Für die ausgebildete Kriminologin war der Pneustecher ihr erster Fall. Ihre Arbeit soll in Zukunft bei Seriendelikten verstärkt eingesetzt werden.
Geoprofiling, auf Deutsch geografische Fallanalyse, geht davon aus, dass Kriminelle ihre Ziele nicht zufällig auswählen. Bei vielen Delikten besteht eine Beziehung zwischen dem Tatort und dem Ausgangspunkt, dem sogenannten Ankerpunkt. Für eine geografische Fallanalyse braucht es in der Regel fünf verschiedene Tatorte. Mit einem speziellen Computerprogramm kann eine farbcodierte Karte, ein Geoprofil, erstellt werden. Dieses zeigt anhand der Färbung, in welchem Gebiet der Ankerpunkt des Täters mit grösster Wahrscheinlichkeit liegt. Die Polizei kann dann dieses Gebiet gezielt überwachen und Patrouillen einsetzen. Dies führte im oben beschriebenen Fall zur Verhaftung des Täters.
Täter ist einschlägig vorbestraft
Laut der zuständigen Staatsanwältin Gabi Alkalay handelt es sich beim Täter um einen 66-jährigen Schweizer, der in Seebach wohnt. Vor kurzen hat die Schlusseinvernahme stattgefunden. Obwohl Alkalay den Mann verdächtigt, bei allen 264 Autos die Reifen zerstochen zu haben, kann sie ihn nur in 28 Fällen anklagen: In solchen, bei denen Mann in flagranti erwischt wurde oder seine DNA-Spuren gefunden wurden. Nach seiner Festnahme hörte die Pneustecherserie auf. Ein wichtiges Indiz, aber kein Beweis, dass der Mann für alle Taten verantwortlich sein könnte.
Der IV-Rentner, der psychisch angeschlagen ist, will die Delikte, bei denen er in flagranti erwischt wurde, «aus Frust» gemacht haben. Er weist mehrere, teilweise einschlägige Vorstrafen auf und verbüsst zurzeit eine mehrmonatige, früher ausgesprochene Strafe. Die Staatsanwältin wird eine unbedingte Freiheitsstrafe von elf Monaten sowie eine Busse von 5000 Franken beantragen. Der Mann wird voraussichtlich im Frühling vor dem Bezirksgericht Zürich stehen.
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Erstellt: 16.03.2010, 04:00 Uhr
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.


