Politiker warnen vor der «Todesfalle» Oberer Letten
Von Peter Aeschlimann. Aktualisiert am 20.07.2011 36 Kommentare
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1,70 Meter breit, 20 Meter lang und beim Pier West der einzige Landzugang: Die Tunnels unter der Kornhausbrücke.
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Der Tunnel durch einen Pfeiler der Kornhausbrücke ist rund 20 Meter lang und 1,70 Meter breit. Auf dem Landweg bildet er seit je den einzigen Zugang zur linken Seite des Oberen Letten. Jetzt haben ihn die Gegner der bevorstehenden Flussbad-Sanierung entdeckt. Und zwar als potenzielles Sicherheitsrisiko. «Falls ein Brand respektive eine Panik ausbricht, sind die bis zu 1000 Restaurant- und Partygäste in einer veritablen Mausefalle gefangen», schreibt Gemeinderat Niklaus Scherr (AL) in einer dringlichen schriftlichen Anfrage. Es gebe weder Zugang für Ambulanz noch Feuerwehr.
In Scherrs Schreckensszenario kommt es unausweichlich zur Katastrophe: «Für die bekleideten und zum Teil alkoholisierten Besucherinnen und Besucher sind das Wasser und das steile Ufer viel zu gefährlich. Bei den immer wieder vorkommenden Hochwassern kann die zahme Sihl zum gefährlich reissenden Fluss anschwellen und das Sihlufer zur echten Todesfalle werden.»
Zusammen mit 33 weiteren Parlamentariern aus allen politischen Lagern will Scherr deshalb vom Stadtrat wissen, ob es dieser für verantwortbar halte, eine grosse Zahl von Party- und Restaurantbesuchern einem absehbaren Risiko auszusetzen. Und ob man angesichts der vom Tunnel drohenden Gefahr bereit sei, eine abgespeckte Variante für den Umbau der Flussbadi zu projektieren.
Es geht um die Eventkultur
Es sei unsinnig, eine Sackgasse derart intensiv zu nutzen, sagt Scherr. Unumwunden gibt er aber zu, dass es ihm im Kern weniger um Sicherheitsaspekte, sondern um die Eventkultur geht, die im Kreis 5 immer grössere Ausmasse annimmt. «Es mag altmodisch klingen, aber unsere Erholungsräume werden übernutzt. Eine Badi soll eine Badi sein, auch in einer 24-Stunden-Gesellschaft.»
Gleicher Meinung ist Karin Rykart (Grüne), die Scherrs Anfrage mitunterzeichnet hat. «Immer mehr geht auch im toleranten Kreis 5 nicht. Es gibt Leute, die wohnen hier.» Zum Beispiel Rykart selber. «Es gibt eine Grenze. Ist das Wetter schön, wird diese beim Letten regelmässig überschritten.» Die Gemeinderätin wünscht sich einen Umbau in «kleinerem Rahmen.» Das rund sechs Millionen Franken teure Sanierungsprojekt der Stadt sieht unter anderem vor, dass nächste Badesaison auch das heutige Frauendeck abends und nachts als Restaurant-Terrasse genutzt werden kann. Niklaus Scherr befürchtet, dass so dereinst noch mehr Vergnügungshungrige an den Oberen Letten pilgern werden.
Pier West steht vor dem Aus
Eine unbegründete Sorge, fragt man bei Dragan Vojnovic nach, der zusammen mit Stephan Roth im Oberen Letten das Pier West betreibt: «Unsere Gäste werden den neuen Oberen Letten nicht mögen und meiden.» Das geplante Projekt habe «null Herz», die während 11 Jahren aufgebaute Erfolgsmarke Pier West werde zerstört. Die Stadt hat dem Pächterduo auf Ende Saison gekündigt. Man habe gar keine andere Wahl gehabt, sagt Hermann Schumacher vom Sportamt. «Da wir die illegal erstellten, aber lange Zeit tolerierten Aufbauten abbrechen müssen, hätten wir den Vertrag so oder so nicht mehr erfüllen können.» Man würde gerne mit Vojnovic und Roth weiterarbeiten, diese müssten sich aber ordentlich bewerben.
Die Pier-West-Crew denkt nicht daran. «Für dieses Geld hätte man etwas richtig Cooles machen können», sagt Vojnovic. Jetzt entstehe ein trostloser Ort, an dem der Beton zelebriert würde. Vojnovic ärgert sich darüber, dass er und sein Partner bei der Projektplanung nicht angemessen mitreden durften. Derzeit sammelt die Pier-West-Crew Unterschriften gegen den Umbau. Trotz schlechter Wetterverhältnisse haben bereits rund 600 Gäste mitgemacht. Die Chancen, dass die Stadt einlenkt und ein modifiziertes Projekt in Auftrag gibt, sind jedoch gering.
Nicht besser dürfte es dem Versuch Niklaus Scherrs ergehen, den Umbau zu stoppen. Zu den in seiner Anfrage geäusserten Sicherheitsbedenken sagt Dragan Vojnovic: «Ein totaler Witz. Wir hatten in der ganzen Zeit nie Probleme.» Und auch Bäderchef Hermann Schumacher sieht weit und breit keine «Todesfalle», der Obere Letten sei überhaupt nicht gefährlich. «Aber es gibt halt Leute, die wollen den Umbau einfach nicht.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 20.07.2011, 07:19 Uhr
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Eine Frage die sich alle stellen müssen und ernsthaft damit auseinander setzen. Was wollt Ihr? Eine Weltstadt sein mit interantionaler reputation? Oder eine Grossstadt mit Dorfcharakter, wo ab 22 Uhr Ruhe, Zucht und Ordnung zu herrschen hat? Meine Meinung ist gemacht und ich will eine Weltstadt mit allen Vor- und Nachteilen. Antworten

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