Zürich

Polizei räumt die Autonome Schule

Von Benno Gasser. Aktualisiert am 08.01.2010 2 Kommentare

Besetzer sollen illegal und unsachgemäss Strom angezapft haben, dabei erlitt ein Abwart einen Stromstoss.

Schule aus: Die Stadtpolizei sperrte den ganzen Pavillon ab.

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Die gestrige Aktion an der Ringstrasse 57 hinter dem Bad Allenmoos sah aus wie eine normale «Züglete»: Kräftige Männer holten Computer, Bildschirme und Möbel aus dem Schulgebäude und luden sie in einen Lieferwagen. Freiwillig erfolgte dieser Auszug allerdings nicht. Deshalb riegelten rund drei Dutzend Polizisten in Kampfmontur und mit bellenden Diensthunden an der kurzen Leine das Gelände grossräumig ab.

Eine Gruppe von rund zehn Personen, die sich Familie Moos nennt, hielt den Pavillon mit dem Einverständnis der Stadt seit Mitte April letzten Jahres besetzt. Aus dem zuvor leer stehenden Schulhausprovisorium Allenmoos II wurde die Autonome Schule Zürich, in der kostenlos Kurse angeboten wurden: Sprachen, Technik und Handwerk.

«Die Stadt planiert die Bildung»

Gegenüber den Polizisten beschwerten sich die Aktivisten lauthals über die Räumung: «Die Stadt planiert die Bildung», rief einer. Viele regten sich darüber auf, dass die Räumung angeblich ohne Ankündigung erfolgt sei. «Ich habe das Gespräch gesucht und die Besetzer am Montag mehrmals erfolglos zu erreichen versucht», sagte Urs Spinner, Sprecher des Hochbaudepartements. Die Besetzer sagen, sie hätten keine Anrufe verzeichnet. Auch sie hätten versucht, mit Spinner zu sprechen.

Die Polizei habe gar keine andere Möglichkeit gehabt, als das Schulhaus zu räumen, sagte Marco Cortesi, Chef Mediendienst der Stadtpolizei Zürich. «Die Räumung erfolgte aus Sicherheitsgründen.» Im Dezember hätten die Besetzer versucht, illegal Strom bei einem nahe gelegenen Kandelaber anzuzapfen. Weil die Schule für Haushalt und Lebensgestaltung den Pavillon bereits im Jahr 2000 verlassen hatte, stand er seither leer und wurde darum vom Strom- und Wassernetz genommen. Die Anzapfaktion schlug fehl und hätte für einen Schulhausabwart fatal enden können. Als er die Stromanschlüsse kontrollieren wollte und dafür den Bodendeckel öffnete, erlitt er einen starken Stromschlag. Messungen ergaben, dass 100 Volt durch den Metalldeckel flossen. Wenig später versuchten die Besetzer, an einem anderen Kandelaber Strom anzuzapfen.

Gasmasken wegen Dämpfen

«Wir hatten den Besetzern bereits zu Beginn gesagt, dass sie sich für ihre Kurse das falsche Haus ausgesucht haben», sagte Spinner. Trotzdem bot die Stadt den Aktivisten an, auf deren Kosten eine provisorische Stromleitung legen zu lassen. Die Besetzer hätten abgelehnt. Sie wollten selber einen Fachmann beauftragen. In den Schulräumen war es laut einem Besetzer trotz winterlichen Kälte dank einem Generator und Ölheizungen etwa 15 Grad warm. Das dafür notwendige Benzin und Öl wurde in Fässern gelagert. «Diese stellten ein grosses Sicherheitsrisiko dar», sagte Cortesi. Dämpfe seien entwichen und hätten sich entzünden können. Ein Lagerraum für solche Fässer befand sich im Untergeschoss. Auf die Türe sprayten die Besetzer: «Gasmasken!!!» Ebenfalls gestern stellte die Stadtpolizei bei einer besetzten Liegenschaft an der Wehntalerstrasse nahe dem Radiostudio den Strom ab. Die Leitungen seien in einem desolaten Zustand gewesen.

In einem Communiqué wehrten sich die Betreiber der Schule am Abend gegen die Vorwürfe. Die Stadt habe mehrfach eine provisorische Stromleitung zugesichert, diese aber in «bewusster Verweigerungstaktik» nie gebaut. Beim Abwart habe man sich nach dem «Unfall» umgehend entschuldigt. Die Räumung aus Sicherheitsgründen sei ein Vorwand für eine härtere Gangart gegen die Hausbesetzerszene. Ein Mitglied des Vereins «Bildung für alle» sagte, er wolle woanders weitermachen. Die Deutschkurse seien dreimal pro Woche von mehr als hundert Leuten besucht worden, vor allem Sans-papiers. Der Pavillon wird im kommenden Sommer in einen Hort für 120 Kinder umgebaut.

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(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.01.2010, 04:00 Uhr

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2 Kommentare

Daniel Landwehr

08.01.2010, 08:45 Uhr
Melden 1 Empfehlung

@ Zaugg: Wenn Sie den Artikel gelesen hätten: Das Gegenteil ist wahr. Und dass die Stadt leere Häuser leer stehen lässt, statt Bildung auf freiwilligen-Basis zu fördern, ist der Skandal! Antworten


Res Zaugg

08.01.2010, 08:17 Uhr
Melden

Man liest und kommt aus dem Staunen nicht raus. Bleibt nur ein Kommentar: Dekadenz einer Bananen-Republik. Man braucht sich nur als laut und miltant zu geben und schon knickt der Rechsstaat ein. Unglaublich. Antworten



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