Polizist trieb ein «gefährliches Spiel»

Urteil in der Nachtclub-Affäre: Ein ehemaliger Zürcher Stadtpolizist hat sich schuldig gemacht, als er von einer Prostituierten Geschenke und Sex annahm.

In diesem Nachtclub kam es zu den Verirrungen, die nun vor Gericht aufgearbeitet wurden: Das Chilli’s in Zürich. Bild: Sabina Bobst

In diesem Nachtclub kam es zu den Verirrungen, die nun vor Gericht aufgearbeitet wurden: Das Chilli’s in Zürich. Bild: Sabina Bobst

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Der Staatsanwalt zeichnete heute Freitag am Bezirksgericht Zürich ein unvorteilhaftes Bild des Ex-Polizisten, der sich wegen der sogenannten Chilli’s-Affäre verantworten musste. Der Beschuldigte habe zusammen mit einem Polizeikollegen, dessen Prozess noch aussteht, eine Prostituierte skrupellos ausgenutzt. «Er quetschte sie aus wie eine Zitrone.» Bei den Geschenken, die sich der Ex-Polizist geben liess, habe es sich «nicht um einen Kaffee nach Dienstschluss und nicht um eine Weihnachtsschoggi» gehandelt. Der Beschuldigte liess sich Kleider, Parfüme, Elektronikartikel, Flüge und Hotelaufenthalte zahlen und bezog auch sexuelle Dienste. Belegt werden konnte das nicht zuletzt durch den regen Austausch elektronischer Nachrichten zwischen den beiden Männern und der betroffenen Frau.

Urteil nicht akzeptiert

Der Einzelrichter am Bezirksgericht Zürich verurteilte den Ex-Polizisten wegen «Vorteilsannahme» zu einer bedingten Geldstrafe und einer Busse. Die bedingte Strafe beträgt 100 Tagessätze zu 100 Franken bei einer Probezeit von 2 Jahren. Die zudem verhängte Busse von 1000 Franken ist nicht bedingt. Der Verurteilte muss zudem die Verfahrenskosten tragen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Verteidigerin hat bereits Berufung angemeldet. Sie hatte auf Freispruch plädiert und für den Beschuldigten eine Genugtuung von 20'000 Franken gefordert.

Der Richter folgte mit seinem Urteil jedoch dem Antrag der Anklage und blieb mit dem Strafmass nur wenig darunter. Das Gesetz sieht für «Vorteilsannahme» Strafen von bis zu drei Jahren Freiheitsentzug vor. «Vorteilsannahme» setzt im Unterschied zur Bestechung nicht eine konkrete Gegenleistung voraus, wie der Richter erklärte. Es gehe um das Schaffen von «Goodwill».

Vielsagende Nachrichten

Die elektronischen Nachrichten, aus denen vor Gericht zitiert wurde, zeugen von einer grossen Verachtung des Ex-Polizisten für die Prostituierte. Laut Richter geht zudem daraus hervor, dass sich der Beschuldigte durchaus bewusst war, etwas Unzulässiges zu tun. Sein Verschulden sei «nicht mehr leicht». Er habe vorsätzlich und aus egoistischen, finanziellen Gründen nach einem «gewissen System» gehandelt. Die Geschenke seien «von beträchtlichem Wert» gewesen. Der Beschuldigte habe sich «auf ein gefährliches Spiel eingelassen und Gefallen daran gefunden».

Gemäss Verteidigung ging es dagegen um nichts Dienstliches, sondern um eine rein private Freundschaft, bei der gegenseitig Geschenke gemacht worden seien. Zudem habe nicht ihr Mandant bei der Frau Sex gesucht, sondern umgekehrt habe die Frau mit ihm Sex haben wollen. Für den Richter waren das aber «reine Schutzbehauptungen».

Ebenso wenig folgte er dem Verteidigungs-Argument, der Beschuldigte sei beruflich gar nicht für die Frau zuständig gewesen. Er sei zwar nicht Mitglied der Fachgruppe Milieu-/Sexualdelikte (MSD) der Stadtpolizei Zürich gewesen, sei von dieser aber mehrmals als «Schein-Freier» beigezogen worden. Er habe also durchaus auch mit der Aufklärung von Sexdelikten zu tun gehabt. (hub/sda)

Erstellt: 24.02.2017, 16:04 Uhr

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