Zürich

Polybahn im Hitzestreik: Zwei Notstopps in zwei Tagen

Von Monica Müller. Aktualisiert am 21.08.2009

Am Mittwoch und Donnerstag ist die Polybahn stecken geblieben. Die Fahrgäste konnten die Türen nicht öffnen – das soll auch so sein.

Blick von der ehemaligen Kommandozentrale auf die Polybahn.

Blick von der ehemaligen Kommandozentrale auf die Polybahn.
Bild: Sophie Stieger

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P. W. stieg am Mittwochnachmittag gegen 15.30 Uhr in die Polybahn ein, diese fuhr los und blieb kurz darauf stecken. Da lange Zeit keine Hilfe eintraf, wie er dem TA schrieb, betätigten die Passagiere die Nottüröffnung, doch diese funktionierte nicht. Die Fahrgäste seien eingesperrt gewesen, bis ein Mechaniker sie von aussen befreite. «Wäre ein Feuer ausgebrochen, wir wären bei lebendigem Leibe verbrannt», so P. W.

Videokameras übermitteln die Lage

Vor Ort erklärt der Stellvertretende technische Leiter der Polybahn, Reto Cuorad, die Abläufe in Notfällen. Da die Polybahn führerlos ist, übermitteln Videokameras der VBZ-Leitstelle stets die aktuelle Situation auf der Strecke. Geht ein Notruf ein, nimmt der Disponent mit den Fahrgästen via Funk Kontakt auf und betrachtet das Videobild. Er lässt sich die Situation vor Ort beschreiben und leitet die nächsten Schritte ein. Im Fall eines Brandes werden die Fahrgäste instruiert, wie die Nottüröffnung zu bedienen ist, und verlassen die Bahn sofort.

Besteht keine Brandgefahr, werden die Passagiere dazu angehalten, zu warten, bis Techniker vor Ort sind und ihnen die Türen aufmachen. Man verzichtet bei diesem Szenario bewusst auf sogenannte Selbstrettungen, weil das Bundesamt für Verkehr diese als gefährlich einstuft. Mitten auf der Strecke müssten die Passagiere gut einen Meter tief absteigen, um den Boden zu erreichen. Vor allem ältere Passagiere oder Kinder könnten sich dabei verletzen.

Am Mittwoch waren die Angestellten der VBZ sechs Minuten nach dem Notruf bei der Talstation, etwa neun Minuten später bei der Bergstation, wie Sprecher Andreas Uhl ausführte. Das Personal, das die Talstation betreut, ist beim Hauptbahnhof stationiert, das für die Bergstation zuständige beim Irchel, daher die längere Wartezeit. Die VBZ gehen davon aus, dass die Hitze den Notstopp am Mittwoch und einen weiteren am Donnerstag auslöste.

50 bis 80 Notstopps im Jahr

Wie bei den Tramtüren, die sich sofort wieder öffnen, wenn sie eine Person berühren, sind auch die Polybahnen mit Sensoren versehen. Sollte beispielsweise ein Kind sich im Wartebereich an den Rand setzen und seine Beine über den Geleisen baumeln lassen, würde die Bahn dank dieser Elektronik sofort gestoppt. Die VBZ werden die bestehenden Sensoren nächste Woche durch neue ersetzen, die nicht auf die heissen Temperaturen reagieren, wie Sprecher Uhl sagte.

Im Jahr kommt es zu 50 bis 80 Nothalten der Polybahn. Zwei Drittel davon seien «böswillig», so der Jargon für Notstopps ohne technische Ursache. Kürzlich kam es beispielsweise zu einem Notstopp, weil einem Passagier die Uhr zwischen die Geleise fiel. Er stieg hinunter, um sie zu holen, und löste damit das Alarmsystem aus. Oftmals werden die Alarmknöpfe an den Stationen auch grundlos gedrückt.

Kein Brand in 123 Jahren

Seit der Standbahn-Brandkatastrophe im österreichischen Kaprun, bei der im November 2000 in einem Tunnel 155 Menschen starben, sind auch alle Schweizer Standseilbahnen auf Brandrisiken überprüft worden. Das Risiko eines Feuers ist in der Polybahn gering. Nur die Bänke sind aus Holz, der Wagenkasten ist aus Aluminium, das Fahrwerk aus Stahl, zudem werden die Kabinen nur über eine Batterie mit Strom versorgt. In ihrer 123-jährigen Geschichte gab es nie einen Brand in der Polybahn und auch sonst keinen Unfall. Jedes Jahr lassen sich zwei Millionen Fahrgäste in 100 Sekunden vom Central zur Polyterrasse oder umgekehrt transportieren.

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Erstellt: 21.08.2009, 20:28 Uhr

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