Private Hortbetreiber fühlen sich benachteiligt
Gleich viele Kinder, andere Finanzierung
In Horten werden schulpflichtige Kinder betreut, in Krippen Kinder von drei Monaten bis zum Kindergarten. Während fast alle Horte in Zürich von der Stadt geführt werden, präsentiert sich bei den Krippen ein ganz anderes Bild: Lediglich 9 der 238 Krippen gehören der Stadt, der Rest ist in der Hand von Privaten.
Warum dieser Unterschied? Während die Horte eine 125 Jahre alte Tradition aufweisen, sind die Krippen erst spät entstanden; in den 90er-Jahren haben vor allem Private Plätze geschaffen. Die Stadt entschied damals, diese privaten Initiativen finanziell zu unterstützen und dadurch den Ausbau der Krippenplätze zu fördern. Da sich die Kinder den ganzen Tag in den Krippen aufhalten und nicht nur über Mittag oder am Nachmittag, hat die Stadt zudem höhere Maximalsätze festgelegt als bei den Horten. Das erlaubt den Krippen, auch subventionierte Plätze kostendeckend anzubieten.
In der Stadt Zürich besuchen rund 10'000 Kinder eine Krippe. Das Sozialdepartement subventioniert die Plätze mit rund 40 Millionen Franken im Jahr.In den Horten werden im Moment ebenfalls fast 10'000 Kindergärtler und Schülerinnen betreut. In diesem Fall betragen die Kosten über 100 Millionen Franken im Jahr. (gg)
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Für Hortplätze in der Stadt bestehen nach wie vor Wartelisten. Das Schul- und Sportdepartement baut deshalb stark aus; allein auf vergangenes Schuljahr hin haben die Kreisschulpflegen über 800 Plätze geschaffen. Mittlerweile gibt es mehr als 300 Horte, in denen schulpflichtige Kinder betreut werden. Erstaunlich: Nur 3 davon sind private Betriebe. Warum ist diese Zahl so tief? «Die aktuelle Hortpolitik der Stadt würgt private Initiative ab», sagt Dominique Strebel, Präsident des privaten Horts Kinderkids im Kreis 3. Kinderkids bietet Platz für 17 Kinder und besteht seit 15 Jahren. Um die Kosten decken zu können, müsste Strebel für einen Hortplatz rund 69 Franken pro Nachmittag verlangen. Doch bei den 8 von der Stadt subventionierten Plätzen in seinem Hort ist ihm das nicht erlaubt: Er darf höchstens 56.90 Franken pro Platz einnehmen. Diesen Maximalbetrag schreibt die Stadt vor.
Unterschiedliche Behandlung
Dem Hort fehlen also rund 12 Franken pro Tag und subventionierten Platz, das sind etwa 25'000 Franken im Jahr. Damit die Rechnung ausgeglichen bleibt, müssen die Vollzahler mehr übernehmen. Sie bezahlen so gleich doppelt an die subventionierten Plätze: durch die Steuern und durch den zusätzlichen hortinternen Betrag. «Mir leuchtet nicht ein, weshalb die Stadt private Initiative im Hortsektor nicht stärker fördert – gerade auch, weil sie ja auf zusätzliche Plätze angewiesen ist», sagt Strebel.
Er kritisiert zudem, dass die Stadt private und staatliche Horte unterschiedlich behandelt: In vielen städtischen Horten wird die kantonale Vorgabe, wonach jedes Kind 4 Quadratmeter zur Verfügung haben muss, über Mittag nicht eingehalten. So kann die Stadt mehr Plätze anbieten. Bei Kinderkids achteten die Behörden streng auf die Anwendung der Regel. «Wir können deshalb keine neuen Kinder aufnehmen, auch wenn wir eine lange Warteliste haben», sagt Strebel.
Hohe Personalkosten
FDP-Nationalrat Filippo Leutenegger, der mit seiner Frau den privaten Hort Kobold an der Forchstrasse gegründet hat, kritisiert die Stadt ebenfalls. Die Auflagen seien enorm. Letztlich sei das Schuldepartement gar nicht an privater Initiative interessiert, weil es alle Horte am liebsten selbst betreiben wolle. Um so unabhängig wie möglich zu sein, bietet Leuteneggers Hort keine subventionierten Plätze an. Das wirkt sich auch auf den Kostendeckungsgrad aus: Er liegt bei 80 bis 90 Prozent, den Rest deckt Leutenegger selbst, indem er eine tiefere Miete verlangt. Beim privaten Hort Kinderkids liegt die Kostendeckung laut Strebel bei 66 Prozent, bei den städtischen Horten bei 20 Prozent. Er könne auch aus diesem Grund nicht verstehen, weshalb die Stadt nicht auf Private setze, sagt Leutenegger: «Wir arbeiten effizienter und kostengünstiger.»
Laut Marcel Bachmann, Direktor des Schulamts, gibt es verschiedene Gründe für den geringen Anteil von privaten Horten in Zürich.
Historische Gründe: Das Hortwesen ist seit 125 Jahren in staatlicher Hand. 1886 hat die Stadt den ersten Hort eröffnet und das Angebot laufend ausgebaut.
Verbindung zur Schule: Die Horte sollten möglichst nahe bei den Schulhäusern stehen oder optimalerweise direkt auf dem Schulgelände, sagt Bachmann. Sehr wichtig sei zudem die Zusammenarbeit von Hortnerinnen, Lehrern und anderen Fachkräften im Schulhaus. «Wir wollen, dass Betreuung und Unterricht noch mehr zusammenwachsen.» Durch die Eingliederung in die Schule könnten die städtischen Horte auch auf Räume wie Bibliotheken oder Turnhallen zurückgreifen. «Darum stellt sich die Raumfrage anders als bei privaten Betrieben, auch in Bezug auf die 4-Quadratmeter-Regel.»
Betriebswirtschaftliche Gründe: Laut Bachmann ist es schwierig, einen Hort kostendeckend zu führen. Schüler und Kindergärtler kommen erst um 12 Uhr in den Hort, viele gehen nach dem Mittagessen in die Schule und kommen noch einmal bis 18 Uhr in den Hort. «Die Personalkosten machen 80 Prozent der Betriebskosten in den städtischen Horten aus», sagt Bachmann. Der Maximalbetrag für subventionierte Plätze werde festgelegt, damit sie bezahlbar blieben. «Wir wollen verhindern, dass Kinder aus einkommensschwachen Familien auf der Strasse landen, weil sich die Eltern die Betreuung nicht leisten können.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 22.02.2011, 22:35 Uhr
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