Prüfung verhauen – ein Jahr nachsitzen
Von Christoph Landolt. Aktualisiert am 03.02.2010 36 Kommentare
Stichworte
Etwas gesehen, etwas geschehen?
Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...
Eine 5,5 in Politischer Philosophie, eine 5 in Policy-Analyse und Internationalen Beziehungen, dann eine 3,5 in Politischer Ökonomie. Zwei von sechzig möglichen Punkten fehlten der Politologiestudentin Daniela Rohner* für eine genügende Note. Zwei Punkte, die sie ein Jahr kosten.
Weil das Institut für Politikwissenschaft (IPZ) weder kurz darauf noch im folgenden Semester eine zweite Prüfung anbietet, muss sich die 21-Jährige ein ganzes Jahr gedulden, ehe sie ihr Resultat aufbessern kann. Ähnlich erging es Remo Camenzind*. Der Erstsemesterstudent fiel in einem Fach durch. Ohne die Punkte aus dieser Prüfung kam er nicht auf die erforderliche Creditzahl, die zum Übertritt in die sogenannte Vertiefungsstufe berechtigt. Ein Jahr warten, lautete auch bei ihm das Verdikt.
55 Prozent brauchen zwei Jahre für zwei Semester
Damit sind die beiden Studenten nicht allein. Wie Markus Stierli, Geschäftsführer des IPZ, bestätigt, schaffen rund 55 Prozent der Studierenden nicht alle Prüfungen auf Anhieb. Weil das Bachelorstudium in Stufen unterteilt ist, können die Studenten erst weitermachen, wenn sie sämtliche Grundkurse des Assessmentjahrs bestanden haben – auch jene, die sie gar nicht vertiefen wollen. Camenzind schüttelt den Kopf. Mit der Bologna-Reform solle die Studiendauer verkürzt werden, aber «damit erreichen sie das exakte Gegenteil».
Stierli ist sich bewusst, dass die geltende Regelung für viele Studenten nichts als ein verlorenes Jahr bringt. Alternativen gebe es jedoch nicht, oder sie seien noch unbefriedigender. «Die einzige Möglichkeit wäre eine unmittelbare Wiederholung der Prüfung.» Dafür sei die Vorbereitungszeit für die Studierenden jedoch schlicht zu kurz.
Die Uni weiss von nichts
Die Rahmenordnung der Universität Zürich garantiert laut Sprecherin Sylvia Läng, dass jede Prüfung nachgeholt werden kann. Ein Anrecht, dass man die Prüfung möglichst schnell wiederholen kann, gäbe es jedoch nicht. Für die Universität sei diese Frage deshalb kein Thema. Bisher, so Läng, «entstanden aus dieser Konstellation keine Probleme.»
Sehr wohl ein Problem haben aber Rohner und Camenzind. Er wolle nicht ein Jahr herumsitzen und habe sich beim Institut mit einem Brief über die «extrem studentenunfreundliche Regelung» beschwert, meint Camenzind.
Rohner, die ihr unfreiwilliges Zwischenjahr für einen Auslandaufenthalt nutzen will, versteht das nicht. «Ein Skandal» sei es, dass das Institut keine Nachprüfungen anbiete. Sie werde deshalb ein Jahr später mit Arbeiten beginnen können. «Keine Ahnung, wie gross der volkswirtschaftliche Schaden ist.»
* Name der Redaktion bekannt
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 02.02.2010, 16:41 Uhr
Kommentar schreiben
36 Kommentare
Bologna allgemein ist ein einziges Fiasko, Studiums- und Lebensqualität der Studenten werden verschlechtert und die gesetzten Ziele werden dabei nicht einmal erreicht, das Gegenteil ist der Fall: Längeres Studium, keine Punkte Anrechnung bei Austauschsemestern und die Wirtschaft gibt sich keineswegs mit Bachelor-Abschlüssen zufrieden sondern verlangt Masterabschlusse UND Berufserfahrung. Pah. Antworten
Wer schon in den ersten beiden Semestern durch die Prüfungen rasselt, fällt meist der Prüfungsselektion zum Opfer und kann das Studium nicht beenden. Daher bietet das Zwischenjahr eine gute Chance, sich neu zu orientieren. Also in den meisten Fällen kein verlorenes Jahr! Allerdings hätte eine tiefere Maturitätsquote das Problem vermutlich von Anfang an verhindert. Antworten





