Zürich

Quartier verliert einen jahrelangen Kampf

Von Tina Fassbind. Aktualisiert am 11.10.2011 74 Kommentare

Fünf Jahre dauerte der Streit gegen den Bau einer Mobilfunkantenne mitten im kinderreichen Heuriedquartier. Genützt hat es nichts. Die Anwohner fühlen sich von der Stadt im Stich gelassen.

Jetzt steht sie: Die Mobilfunkantenne auf dem Dach der Liegenschaft Im Heuried 51.

Jetzt steht sie: Die Mobilfunkantenne auf dem Dach der Liegenschaft Im Heuried 51.
Bild: Tina Fassbind

Der Antennenstandort und die Kinderhorte

Das sagt Sunrise

Sunrise-Mediensprecher Roger Schaller begründet den Bau der Antenne im Heuriedquartier damit, dass ein Standort sich in ein bestehendes Netz integrieren müsse. «Bei der Wahl eines Mobilfunkstandortes haben die Mobilfunkbetreiber sowohl technische als auch strenge umwelt- und raumplanungsrechtliche Rahmenbedingungen zu berücksichtigen. Der Betrieb muss die vorgenannten Immissions- und Anlagegrenzwert einhalten. Die strengen Grenzwerte schränken die Standortwahl stark ein.» Das vorliegende Projekt erfülle jedoch alle Vorgaben.

Sunrise passe sein Netz laufend den steigenden Kundenbedürfnissen und der technologischen Entwicklung an, so Schaller. «Der Ausbau und die laufende Optimierung des Sunrise Mobilfunknetze wird durch das steigenden Kundenbedürfnissen und der technologischen Entwicklung getrieben.» Trotzdem komme es immer wieder zu Stellungnahmen, Einsprachen oder Petitionen aufgrund von Mobilfunkprojekten. «Alle direkt betroffenen Anwohner haben das Recht sich während dem Auflageverfahrens zum Projekt zu äussern.» (tif)

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Der gestrige Montag war ein schwarzer Tag für die Mitglieder des Vereins «Heuried ohne UMTS». Auf dem Dach der Liegenschaft Im Heuried 51 wurde jene Sunrise-Mobilfunkantenne errichtet, gegen die sie seit 2007 durch alle Instanzen hindurch gekämpft und gegen die sie 2000 Unterschriften gesammelt haben.

Am 12. April 2011 hat das Bundesgericht entschieden, dass der Bau der Antenne alle umwelt- und baurechtlichen Voraussetzungen erfüllt und zonenkonform ist. Nun wird die Antenne mit der höchsten gesetzlich zulässigen Strahlendosis von 6 V/m senden – und das in einem der kinderreichsten Quartiere der Stadt. Allein in unmittelbarer Nachbarschaft zur Antenne sind fünf Kinderbetreuungsstätten eingerichtet. Hinzu kommen zahlreiche Spielplätze und Gärten in der Umgebung.

«Das Gesetz ist auf der Seite der Mobilfunkbetreiber»

Entsprechend gross ist die Enttäuschung bei Vereinsmitglied Walter Leimgruber. «Das Gesetz ist auf der Seite der Mobilfunkbetreiber», sagt er gegenüber Tagesanzeiger.ch. Vor Gericht habe man wenig Chancen, um sich gegen den Bau von Antennen zu wehren. «Spätestens vor Bundesgericht wurde jeder Kampf gegen Antennen verloren.» Selbst die Strahlenbelastung sei kein Argument vor dem Richter, da nach dem heutigen Stand der Dinge keine Schädigung aufgrund der Strahlung von UMTS-Antennen nachgewiesen werden könne. «Aber bei den Röntgenstrahlen hat man das früher ja auch gedacht. Das ist durchaus vergleichbar.»

Die Antennen-Gegner versuchten daher, vor Gericht mit dem Umweltschutzgesetz zu argumentieren, das eine unnötige Belastung der Umwelt durch Bauprojekte verbietet. «Es gibt Hinweise in wissenschaftlichen Untersuchungen, dass die Strahlung Auswirkungen auf das Orientierungssystem von Fledermäusen hat», so Leimgruber. «Fledermäuse hat es genau im Bereich der Antenne viele. Sie sind geschützt und daher müssten diese Auswirkungen zuerst untersucht werden, bevor man baut. Das hat aber die Richter nicht interessiert.»

Unrühmliche Rolle der Stadt

Doch Leimgruber ist nicht nur enttäuscht «über die Qualität unserer Rechtssprechung», auch die Rolle der Stadt bezeichnet er als unrühmlich. «Sie erlaubt zwar keine Antennen auf öffentlichen Gebäuden mit dem Argument, die Anwohner dadurch schützen zu wollen. Aber auf benachbarten, privaten Liegenschaften – selbst wenn sie sich weniger eignen – ist der Bau von Antennen möglich. Diese Politik ist verlogen.»

Fünf Jahre und mehr als 40’000 Franken hat der Verein in den Kampf gegen die Antenne investiert. «Jetzt ist es gelaufen. Diese Antenne wird nun für immer dort stehen bleiben», konstatiert Leimgruber. «Wir sind frustriert, dass wir von der Stadt nicht unterstützt wurden. Wir sehen nun, was wir wert sind: Die Bewohner sind den Behörden offenbar egal.»

«Die Stadt macht die Gesetze nicht, sie muss sie einhalten»

Urs Spinner, Mediensprecher des Zürcher Hochbaudepartements, wehrt sich gegen diese Vorwürfe. «Diese Anschuldigungen sind haltlos. Die Stadt macht die Gesetze nicht, sie muss sie einhalten», hält er gegenüber Tagesanzeiger.ch fest. Wenn die Stadt ein Gesuch ablehne, dann würden die Telefongesellschaften Rekurs einlgegen – und gewinnen. «Das würde die Stadt Geld kosten», betont Spinner.

Die Stadt mache besorgte Anwohner immer darauf aufmerksam, dass auch sie sich Prozesskosten sparen könnten, wenn die Situation wie im Heuried aussichtslos sei. Zudem lasse die Stadt sehr wohl Antennen auf öffentlichen Gebäuden zu, wenn dies zu einer besseren Situation führe. «Ein bisschen mehr Fairness gegenüber der Stadt darf man schon erwarten.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.10.2011, 12:23 Uhr

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74 Kommentare

Urs Brunner

11.10.2011, 13:16 Uhr
Melden 63 Empfehlung

Das eigentlich kranke ist doch, dass wir unser Land nicht nur mit einem Netz von Handy-Antennen zupflastern lassen, sondern gleich mit drei. Damit dann der "Markt spielen kann", was angesichts der Preise eh niemand glaubt. Infrastuktur zu privatisieren war noch nie eine gute Idee - ausser für die Konzerne natürlich. Wieso bauen wir nicht gleich noch 2 zusätzliche Strassennetze? Antworten


Daniel Keller

11.10.2011, 14:13 Uhr
Melden 48 Empfehlung

Aber hoffentlich wird diese Antenne gebaut. Bei mir zuhause habe ich einen schrecklich schlechten Mobilempfang. Das nur weil sich irgendwelche Leute im Quartier einbilden, dass bei mehr Strahlen ihr inneres Gleichgewicht aus den Fugen gerät, sie Krebs kriegen oder sonst was. Das ist eine Frechheit, dass man den Bau einer Antenne so lange herauszögern kann. Mein Smartphone braucht Daten. Antworten



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