Quartiervereine gehen am Montag «für bezahlbare Wohnungen» auf die Strasse
Von Martin Huber. Aktualisiert am 12.12.2009
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Am kommenden Montagabend führen mehrere Quartiervereine und Kirchgemeinden einen Sternmarsch «für bezahlbares Wohnen in der Stadt» durch, die Schlusskundgebung findet um 19.45 Uhr auf der Rathausbrücke statt. Damit protestieren die Initianten laut einer Mitteilung gegen die Verdrängung von Normalverdienenden, Älteren und Familien aus bestimmten Quartieren, wo sie sich das Wohnen nicht mehr leisten könnten. Gute Bausubstanz werde abgerissen und mache teuren Neubauten Platz. Diese Entwicklung dürfe nicht länger hingenommen werden, weil sie die soziale Durchmischung in den Quartieren gefährde. «Der Stadtrat muss handeln, Leitplanken setzen, kreative Lösungsansätze entwickeln und dabei die Verantwortlichen in die Pflicht nehmen», wird gefordert.
«Schlacht noch nicht verloren»
Besonders betroffen ist das Seefeld. Dort sind die Mieten in den vergangenen Jahren so stark gestiegen, dass immer mehr alteingesessene Mieter und Gewerbetreibende verdrängt werden, wie Quartiervereinspräsident Urs Frey sagt. Er gehört zu den Initianten des Sternmarsches. Noch habe sich das Quartier zum Glück nicht komplett verändert. «Aber wenn jetzt nichts unternommen wird, droht die Situation zu kippen.» Dabei gehöre es zu den grossen Standortvorteilen Zürichs, dass es hier im Gegensatz zu andern Grossstädten immer noch relativ gut durchmischte Quartiere gebe.
Frey ist überzeugt, dass man der Entwicklung nicht einfach machtlos ausgeliefert ist. Zwar werde man die Kräfte des Marktes nicht aushebeln können, aber es fänden sich immer wieder Liegenschaftenbesitzer, die an quartierverträglichen Lösungen interessiert seien. Auch die Stadt könnte mehr tun – etwa, indem sie aktiver in den Liegenschaftenmarkt eingreift oder auch fürs Seefeld Entwicklungsmassnahmen wie in Neubaugebieten ergreift. Wichtig sei, dass politische Entscheidungsträger und Immobilienbesitzer für die Problematik sensibilisiert werden. Dazu soll auch der Sternmarsch beitragen. Frey: «Die Schlacht ist noch nicht verloren.»
Vom Trend der «Seefeldisierung» betroffen ist auch Hottingen, wie Quartiervereinspräsident Martin Schmassmann sagt. Viele Häuser würden «leergekündigt», danach entstünden Luxuswohnungen. Auch er wehrt sich gegen Resignation. In letzter Zeit sei einige Bewegung in die Sache gekommen, immer mehr Parteien und auch die Stadt hätten die Problematik erkannt: «Hartnäckigkeit zahlt sich aus», ist er überzeugt.
Martin Brogli, Präsident des Quartiervereins Altstadt, gehört ebenfalls zu den Initianten des Sternmarsches: weil auch in der Altstadt die Tendenz zur Verdrängung des Mittelstands bestehe und das Problem der Zweitwohnungen Sorgen bereite. Auch er ist überzeugt, dass man auf politischem Weg «durchaus Einfluss auf die Entwicklung nehmen kann».
Unterstützt wird die Kundgebung im Weiteren von den Quartiervereinen Fluntern, Hirslanden, Leimbach, Oerlikon, Wipkingen und Wollishofen. «Es machen auch eher bürgerliche Quartiervereine mit», so Frey. Im Unterstützungskomitee dabei sind zudem die reformierten Kirchgemeinden Neumünster, Balgrist und Aussersihl.
Solidarisch erklärt hat sich daneben auch die Konferenz der Quartiervereinspräsidenten: «Gut, dass auf die Problematik aufmerksam gemacht wird», sagt deren Präsident Willy Furter. Dass Quartiervereine gemeinsam für ein solches Anliegen auf die Strasse gehen, sei ein Novum für Zürich.
Der Stadtrat hat die Brisanz des Themas erkannt, das auch im Wahlkampf eine wichtige Rolle spielen dürfte. Ende November hat er vor den Medien seine Positionen zur Wohnpolitik dargelegt und dabei versichert, die soziale Durchmischung der Stadtbevölkerung bleibe weiterhin ein zentrales Anliegen.
Vollenwyder zeigt Verständnis
Stadtrat Martin Vollenwyder (FDP) zeigt Verständnis für die Anliegen der Sternmarsch-Teilnehmer: «Die notwendige Stadterneuerung und das Erreichen der 2000-Watt-Gesellschaft haben auch eine Kehrseite.» Und dass es unter jenen, die bauliche Veränderungen vornehmen, Ausreisser gebe, sei nicht wegzudiskutieren. So könnten für Familien, die von einem Ersatzneubau oder einer teuren Sanierung betroffen sind, «ganz schwierige Situationen» entstehen. «Wenn jetzt aus dieser Betroffenheit heraus reagiert wird, verstehe ich das.»
Laut Vollenwyder will die Stadt den Anteil an gemeinnützigen Wohnungen auch künftig bei mindestens 25 Prozent halten. Das wohl wirksamste Instrument der Stadt sei die Abgabe von Baurechtsland an Genossenschaften, die so günstige Wohnungen erstellen können. Die Stadt selber bietet rund 9000 Wohnungen an, 6360 davon in preisgünstigen Wohnsiedlungen. Erneuern müsse auch die Stadt, und das kontinuierlich, sagt Vollenwyder: «Wenn Ersatzneubauten entstehen, nimmt Zahl und Qualität der Wohnungen meist zu.» Doch es gebe Hindernisse. So könnte derzeit der Ersatzneubau Rautistrasse in Altstetten mit deutlich mehr günstigen Wohnungen realisiert werden. Nur: Anwohner haben dagegen Rekurs eingelegt.
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Erstellt: 12.12.2009, 04:00 Uhr
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