Querelen um Graf-Nachfolge

Die FDP stösst mit ihrer eigenen Kandidatur für die Nachfolge von CVP-Statthalter Bruno Graf auf Kritik – auch bei Bürgerlichen.

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Seit 1988 ist Bruno Graf Statthalter des Bezirks Zürich. In dieser Funktion muss der CVP-Mann die Stadtzürcher Behörden und besonders den Stadtrat beaufsichtigen. Für Schlagzeilen sorgte Graf kürzlich, als er die geplanten Strassensperrungen für die Euro verbieten wollte. Zu den Wahlen am 8. Februar tritt Graf aus Altersgründen nicht mehr an. Um seinen Sitz kämpfen drei Parteien: Die CVP stellt Kantonsrat Christoph Holenstein auf, die Grünen Mathis Kläntschi, juristischer Sekretär beim kantonalen Steueramt, und die FDP Alain Kessler, Ersatzrichter am Bezirksgericht Zürich. FDP-Präsident Urs Egger bestätigte gestern einen entsprechenden Bericht der NZZ. SP und SVP verzichten auf eine eigene Kandidatur.

Bei anderen Parteien hat die FDP-Kandidatur einige Irritationen ausgelöst. Für SVP-Fraktionschef Mauro Tuena ist es «unverständlich und bedauerlich», dass die FDP ohne vorgängige Gespräche mit der SVP zu einem Sololauf ansetze. Jetzt gebe es zwei bürgerliche Kandidaten, was zu einer Stimmenzersplitterung führe und die Chancen des grünen Kandidaten erhöhe. Tuena sieht sich an die Stadtratsersatzwahlen vom Juni erinnert, als die FDP nicht ihn, sondern den Jungfreisinnigen Michael Burkhard unterstützte, was ebenfalls zur Aufsplitterung des bürgerlichen Lagers beitrug. Ob die SVP den FDP-Mann unterstützen wird, sei noch offen. Sicher sei, dass die SVP keinen eigenen Statthalter-Kandidaten aufstelle. Dessen Chancen beurteilt die SVP als zu gering. Kritik an der FDP-Kandidatur kommt auch von CVP-Präsident Markus Hungerbühler: «Eine Kandidatur kann man niemandem verwehren, aber eine Partei, die schon mit drei Leuten im Stadtrat vertreten ist, täte gut daran, nicht auch noch den Sitz an der Spitze der Aufsichtsbehörde zu beanspruchen.»

«Unangemessener Anspruch»

Für SP-Präsident Koni Loepfe ist die FDP «einfach zu gut vertreten im Stadtrat». Es sei schlecht, wenn die Mehrheitspartei den Statthalter stelle, der den Stadtrat beaufsichtigen muss: «Die Person kommt ständig in den Geruch der Liebedienerei.» Die SP mit vier Stadträten verzichte darum auf eine eigene Kandidatur. Die Unterstützung des FDP-Manns kommt für Loepfe nicht in- frage. Markus Kunz, Präsident der Grünen, hält den Anspruch der FDP ebenfalls für «unangemessen».

FDP-Präsident Urs Egger weist die Kritik zurück: «Wir müssen keine andere Partei fragen, ob wir antreten dürfen.» Die SVP wäre «gut beraten», den FDP-Kandidaten zu unterstützen, gehe es doch darum, den Kandidaten der Grünen zu verhindern. Es sei wichtig, dass das Statthalteramt in «zuverlässig bürgerlicher Hand» bleibe; die CVP sei oft schwankend. Das Problem der Stimmenaufsplitterung hält Egger für wenig gravierend: Er rechnet mit einem zweiten Wahlgang, dann würden die Karten ohnehin neu gemischt. Auch die Kritik, der Anspruch der FDP aufs Statthalteramt sei vermessen, lässt er nicht gelten: «Man muss versuchen, sich zu positionieren, das ist unser gutes Recht.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.09.2008, 08:35 Uhr

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