Raver an der Street Parade fast gestorben

Ein betrunkener junger Mann erlitt bei einem Streit an der Street Parade einen Milzriss. Weil eine Ärztin rasch eingriff, konnte er gerettet werden.

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Stadt- und Kantonspolizei haben an der Street Parade erstmals Jugendliche und junge Erwachsene, die betrunken waren und randalierten, ins Rückführungszentrum in der Kaserne gebracht.

Einer der Aufgegriffenen war stark betrunken und verhielt sich sehr aggressiv. Gemäss Stadtarzt Albert Wettstein hatte der junge Mann bei einer Auseinandersetzung mit einem Unbekannten einen Tritt in den Bauch erhalten und einen Milzriss erlitten. Die Assistenzärztin im Rückführungszentrum bemerkte glücklicherweise, dass er durch den Blutverlust einen Schock erlitten hatte. Sie liess den Mann notfallmässig ins Spital transportieren, wo er operiert wurde. Dies habe dem Mann vermutlich das Leben gerettet. Stadtarzt Albert Wettstein: «Wäre er draussen liegen geblieben, wäre der Mann verblutet.»

20 betrunkene Jugendliche verhaftet

Wie Taskforce-Jugendgewalt-Projektleiter Andres Oehler sagt, hat die Polizei in der Nacht von Samstag auf Sonntag insgesamt 20 betrunkene Jugendliche verhaftet. Die jungen Leute hätten andere angepöbelt, seien in Schlägereien involviert gewesen oder hätten sich auf der Strasse «saumässig» verhalten. Von den 20 in Gewahrsam genommenen Personen waren nur 3 minderjährig, die restlichen waren junge Erwachsene.

Mit der Verhaftung von randalierenden Betrunkenen ist eine der verschiedenen Massnahmen im Rahmen des städtischen Pilotversuchs Taskforce Jugendgewalt realisiert worden. Der Stadtrat hatte Anfang April an einer Pressekonferenz betont, dass er Gewalt nicht toleriere und vor allem dem übermässigen Alkoholkonsum von Jugendlichen den Kampf ansage.

Über 50 Betreuer im Einsatz

Andres Oehler bewertet den Pilotversuch als sehr erfolgreich. Die verschiedenen Dienste, die im Rückführungszentrum mitgearbeitet haben (Polizei, Stadtärztlicher Dienst, Zivilschutz, SIP), hätten gut miteinander koordiniert. Man sei jetzt daran, den Versuch auszuwerten. Oehler bezweifelt aber, dass das Zentrum in der Kaserne, das eigentlich der Rückführung von Drogensüchtigen dient, der ideale Standort sei. Es habe logistische Probleme gegeben, dadurch sei der Personalaufwand zu gross geworden. Ein Raum in der Nähe eines Spitals wäre besser.

Insgesamt waren zwei Schichten zu jeweils 27 Betreuungspersonen im Dienst. Man habe mit maximal hundert randalierenden Betrunkenen gerechnet. Gemäss Oehler liess man die Betrunkenen nicht einfach ihren Rausch ausschlafen, sondern sie wurden von den Betreuern aus medizinischen Gründen (drohendes Koma) alle Viertelstunden geweckt.

50 Franken Busse für Aufgegriffene

Die Eltern der in Gewahrsam genommenen Jugendlichen und jungen Erwachsenen wurden von den SIP-Leuten (Projekt Sicherheit, Intervention und Prävention) informiert und holten sie teilweise ab. Sie hätten positiv reagiert, sagt Oehler. Bei den Direktbetroffenen reichten die Reaktionen von aggressiv bis verständnisvoll. Sie müssen eine Busse von 50 Franken bezahlen. Wenn ab nächstem Jahr das neue Polizeigesetz in Kraft tritt, müssen sie auch die Kosten für den Gewahrsam bezahlen. Die Polizei darf dann einen durch Grobfahrlässigkeit verursachten Einsatz verrechnen. Der Betrag richtet sich nach dem tatsächlichen Aufwand. Er dürfte in der Höhe von hundert Franken liegen.

Nach den guten Erfahrungen ist Oehler überzeugt, dass der Stadtrat das Pilotprojekt nicht nur an weiteren Grossveranstaltungen durchführen wird, sondern vermehrt auch an normalen Wochenenden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.08.2008, 13:36 Uhr

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