Zürich
Rückkehr zur Normalität an der Uni: Aeppli debattierte mit Ex-Besetzern
Von Daniel Schneebeli. Aktualisiert am 03.12.2009 1 Kommentar
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Im Hörsaal KO2-B-10 sind die Transparente abgehängt, die Brosamen aus der Volksküche weggeräumt. Die grünen Bänke und die roten Wände sind blank geputzt. Gestern fand aber im letzte Woche noch besetzten Saal die Fortsetzung der Studentenproteste statt: die Debatte zwischen den Studierenden, Uni-Rektor Andreas Fischer und Bildungsdirektorin Regine Aeppli (SP). Im Unterschied zu den Plenumsversammlungen hatte diesmal der Rektor eingeladen. Er sei froh, dass die Besetzung vorüber sei, sagte er und gab die Spielregeln für «die Aussprache» bekannt. Er forderte die Rednerinnen und Redner auf, sich mit Namen und Studienrichtung vorzustellen – «der schönen Tradition an der Uni» entsprechend.
Ernsthafte Diskussion
Erste Rednerin vor den rund 250 Studierenden war Bildungsdirektorin und Regierungspräsidentin Regine Aeppli. Sie war gut gelaunt und zeigte Lust, sich mit den Anwesenden auszutauschen. Sie versuchte, ihnen klarzumachen, dass im Kanton keine Privatisierung der Bildung drohe, und legte dar, dass die Uni vor allem durch Steuergeld finanziert werde. Mit einigen Aussagen konnte sie auch punkten: «Studieren darf nicht zur Jagd auf Punkte verkommen.» «Die Reflexionsfähigkeit muss ein Ziel der Hochschulbildung bleiben.» «Bologna ist geprägt vom Messbarkeitswahn der Neunzigerjahre, heute müssen wir zurückbuchstabieren.»
Doch die Studierenden gaben sich damit nicht zufrieden. Die Ökonomisierung im Studium sei eine Realität, konterten verschiedene Rednerinnen und Redner und ernteten Applaus. Die Ex-Besetzer, die sich vorwiegend in der Mitte des Saals platziert hatten, taten sich auch schwer mit Fischers Spielregeln, nur widerwillig nannten sie ihre Namen. Dennoch war die Diskussion ernsthaft, Zwischenrufe blieben aus.
Keine konkreten Auskünfte
Für kurze Zeit wurde die Situation etwas angespannt, als die Studierenden verlangten, man wolle Antworten auf den Forderungskatalog der Protestierenden. «Ich kann Ihnen die Forderungen gerne nochmals vorlesen, wenn Sie sie nicht kennen», sagte einer. Schliesslich gingen weder Rektor Fischer noch Regine Aeppli auf konkrete Punkte des Katalogs ein. Die Bildungsdirektorin versprach aber, dass der Uni-Rat zusammen mit dem Rektorat diskutieren werde, wie der Dialog mit den unzufriedenen Studentinnen und Studenten weitergeführt werden kann. Sie erinnerte sie aber auch daran, dass «Studieren immer noch ein grosses Privileg ist», für das die Allgemeinheit viel Geld bezahlt. Gleichzeitig versprach die Bildungsdirektorin zusammen mit dem Rektor, sich gegen die drohende Verdoppelung der Studiengebühren einzusetzen.
Den grössten Applaus konnte ein im Saal anwesender Rechtsanwalt für sich buchen. Er forderte die Studierenden auf, an der Universität nicht zu viel Energie zu verbrauchen. Er riet ihnen: «Holen Sie sich hier das nötige Wissen, und gehen Sie dann in die Politik. Dort können Sie viel mehr erreichen als mit der Besetzung eines Hörsaals.»
Ein Sprecher der Ex-Besetzer zeigte sich am Ende der Aussprache enttäuscht. Aeppli und Fischer seien den Fragen ausgewichen und hätten Verantwortung abgeschoben. Man werde auf weitere Gespräche drängen, sagte der anonyme Sprecher von Unsere Uni.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 03.12.2009, 04:00 Uhr




Rolf Zimmermann
Ich bin Vater zweier studierender Söhne .Auch als Sozialdemokrat gehen mir die Aussagen von Regine Aeppli so langsam auf den Wecker wenn diese eben gut begüterte Frau immer wieder das Privileg der Studenten betonen muss. Für mich war immer klar, dass Investitionen in die Bildung eben gute Investitionen sind und schlussendlich der Staat und auch Aeppli davon profitiert. Daher keine Gebührenerhöhung Antworten