Zürich

Schauspielhaus-Chef hat Angst, dass die Kunst leidet

«Peinlich und kunstfeindlich»: Schauspielhausdirektor Matthias Hartmann kritisiert die Pläne des Stadtrats zum Schiffbau scharf.

Schauspielhaus-Direktor Matthias Hartmann kritisiert die Pläne des Stadtrates zum Schiffbau.

Schauspielhaus-Direktor Matthias Hartmann kritisiert die Pläne des Stadtrates zum Schiffbau. (Bild: Keystone)

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Matthias Hartmann, der abtretende Direktor des Schauspielhauses, sieht «das Primat der Kunst» in der Schiffbau-Halle gefährdet und «horrende Mietkosten» auf das Theater zukommen, wenn die Pläne des Stadtrats Wirklichkeit würden. Der Stadtrat hat gemeinsam mit dem Verwaltungsrat der Schauspielhaus AG vorgeschlagen, die Schiffbau-Halle einer eigenständigen Gesellschaft zu übergeben, an der die Stadt zu 51 Prozent beteiligt wäre. Damit würde die Schauspielhaus AG Mieterin der Halle, müsste 3,2 Millionen Franken jährlich zahlen, wäre aber von Wartungs- und Sanierungskosten entlastet.

Diese Lösung sei «nur kurzfristig gedacht», liess Intendant Hartmann gestern per Communiqué verlauten und ärgert sich, dass er mit seinem künstlerischen Leitungsteam «als Experte in der Sache nicht konsultiert worden» sei. Grundsätzlich begrüsst Hartmann, wenn die Kosten für den Schiffbau aus dem Theaterbudget gelöst werden: «Die Kunst soll wieder mit berechenbaren Mitteln arbeiten können.» Doch findet er, die Stadt selber müsste die Halle kaufen. Wie der Pfauen in Zürich seien auch in deutschen Städten die Theater quasi überall im Besitz der Gemeinde. Übernimmt eine unabhängige Trägerschaft den Schiffbau, müsse das Schauspielhaus zu viel Miete bezahlen und habe keine Garantie, dort das Sagen zu behalten. Der Schiffbau müsse «langfristig schuldenfrei in öffentlicher und künstlerischer Hand bleiben», doch das sei nicht zum Nulltarif zu haben.

Viele Seitenhiebe

Garniert ist das Communiqué mit zahlreichen Seitenhieben und provozierenden Formulierungen. Die Stadt habe das Schauspielhaus bei den Lohnverhandlungen «hängen lassen»; der Ruf nach einer zunehmend kommerziellen Nutzung des Schiffbaus illustriere «eine peinliche Kleinlichkeit»; die Pläne der Stadt glichen einer «Spielerei von Finanzbuchhaltern».

Auch die neue Intendantin Barbara Frey tut sich mit nicht kulturellen Events in der Schiffbau-Halle schwer: «Es gehört wohl dazu, dass wir ab und zu Ausschläge bekommen», meinte sie gestern im TA zu den geplanten Kommerzanlässen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.04.2009, 08:42 Uhr

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