Schlag für Zürcher Detailhandel

Das Traditionsgeschäft Pastorini in der Zürcher Innenstadt gibt auf: Ende Februar verschwindet der berühmte Holz-Spielwarenladen. 16 Personen werden entlassen.

Für seine Holz-Spielwaren berühmt: Pastorini bei der Rathausbrücke.

Für seine Holz-Spielwaren berühmt: Pastorini bei der Rathausbrücke. Bild: PD

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«Nach mehreren Jahren mit abnehmenden Kunden-Frequenzen ist das Unternehmen in den ‹roten Bereich› einer Erfolgs-Rechnung geraten», schreibt Pastorini in einer Mitteilung von heute Montag. Konsequenz: Das Geschäft am Weinplatz schliesst am 27. Februar nach 57 Jahren seine Türen. Nur der Laden in Dübendorf bleibt offen – und der Onlinehandel wird weiterbetrieben.

«Das Kind», schreibt Pastorini, «hat sich im Verlaufe der letzten Jahre vom Spiel wegentwickelt.» Die Ansprüche an die Kinder seien höher geworden – «sie sollten ja in ihrer eigenen Zukunft grossen Erfolg haben». Gleichzeitig habe ein Wandel zum «reinen Konsum» stattgefunden. Die Kinder kopierten auch hier den bei den Erwachsenen festzustellenden Wandel zur TV-Konsum-Gesellschaft. «Die vielen ‹Electronics› (Nintendo & Co) führen gleichzeitig zu einer Vereinsamung und zu einem echten Bedarfs-Rückgang für Spielwaren klassischer Natur», so Pastorini bedauernd.

«Lego-Effekt»

Pastorini galt für viele traditionsbewusste Eltern als erste Anlaufstelle für Holz-Spielzeuge. Die gute Qualität der Spielwaren erweist sich nun wirtschaftlich als Bumerang. Es spüre den «Lego-Effekt», schreibt das Geschäft. Das Spielzeug wird für Nachkommen aufbewahrt und nun bereits über mehrere Generationen weitergegeben. «Ein Wiederbeschaffungs-Bedarf entsteht so immer weniger.»

Pastorini spürte auch die günstigere Konkurrenz – Grossverteiler und Onlinehandel – immer stärker. So sei das Weihnachtsgeschäft, das 50 Prozent des Jahresumsatzes generierte, zuletzt «sehr stark rückläufig» gewesen, heisst es weiter.

Pastorini besitzt das Haus

Der Auszug des Spielwarenladens vom Weinplatz ist keine Mietgeschichte. Es gibt keinen Eigentümer, der seine Rendite optimieren will und nun einen höheren Zins verlangt. Denn 1963, vier Jahre nach Einzug des Ladens, hat die Pastorini Spielzeug AG die ganze Liegenschaft gekauft.

Wer nun in die Lokalität zieht, ist bestimmt, wird aber noch nicht bekanntgegeben, wie Ingrid Notter von der beauftragten IN Communcation sagt. «Der neue Mieter wird dies selbst kommunizieren.»

16 Entlassungen

Von der Schliessung am Weinplatz betroffen sind 18 Personen, die hälftig voll und halbtags angestellt waren, so Notter weiter. Zwei Angestellte haben bereits eine neue Stelle gefunden und haben gekündigt. Die anderen 16 Angestellten werden entlassen und bei der Suche unterstützt. Pastorini sei zuversichtlich, dass «so gute Verkäuferinnen schnell wieder eine Stelle finden».

Pastorini ist noch immer ein Familiengeschäft. Den Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung der Spielwarenfirma stellen die 65-jährige Christa Pastorini Schumacher, ihr Ehemann Felix Schumacher-Pastorini und André Nyffeler. Erstere ist die Tochter des Gründerehepaars Silvio und Berta Pastorini und hat 1970 die Leitung übernommen. Nyffeler ist ein Neffe von Berta Pastorini.

Alles anders bei den Spielwarengeschäften

Eltern, Grosseltern und Göttis müssen sich also beim Spielzeugeinkauf in Zürich neu orientieren. Kürzlich gab ein anderes traditionelles Spielwarengeschäft, Franz Carl Weber (FCW), bekannt, dass es sein Stammhaus an der Bahnhofstrasse verlässt. Der FCW zieht Mitte Jahr an den Bahnhofplatz.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 11.01.2016, 14:22 Uhr)

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«Unser Spielzeug fördert die Phantasie» – so wirbt Pastorini. (Bild: PD)

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