Zürich
Schöne Worte, leere Versprechen
Eine Analyse von Jvo Cukas. Aktualisiert am 27.11.2011 47 Kommentare
Dossiers
Artikel zum Thema
- Haushohes Ja für bezahlbare Wohnungen
- «Mieter verzichten gerne auf mehr Wohnfläche»
- Gesucht: Echte Herausforderer
- 59,5 Prozent wollen den Vulkanplatz
Etwas gesehen, etwas geschehen?
Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an
4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Das Verdikt der Zürcher ist mehr als klar: Fast 76 Prozent der Stimmberechtigten wollen, dass bis 2050 ein Drittel aller Wohnungen in gemeinnütziger Hand sind. Kein einziger Wahlkreis in Zürich schickte die Wohnvorlage bachab. Selbst in den Kreisen 7 und 8, in denen viele Gutverdienende wohnen, stimmten ihr fast 70 Prozent zu.
Die Zürcher sind sich also sicher, dass günstigere Wohnungen nur durch Staatsinterventionen realisiert werden können. Sie scheinen genug davon zu haben, dass günstiger Wohnraum durch Luxuswohnungen ersetzt wird. Noch mehr ärgert sie, wenn die Preise nach kleinen Renovationsarbeiten um hohe Prozentsätze ansteigen.
Doch daran ändert die Vorlage vorerst nichts. Sie ist ein frommer Wunsch, dem nun konkrete Massnahmen folgen müssen, um ihn auch nur Ansatzweise erfüllen zu können. Und genau hier liegt das Problem: Sämtliche Vorhaben, die das Ziel der Vorlage vorantreiben, müssen im Gemeinderat neu ausgehandelt werden. Die Bürgerlichen, die in diesem Jahr schon Allianzen für Sparvorhaben schmiedeten, werden auch hier starke Opposition betreiben. Dass die Initianten ihre Lösungsvorschläge durchbringen, ist äusserst fraglich. Sie selbst sprechen denn auch von einem «ehrgeizigen Ziel».
Wohnungen für obere Mittelschicht
Und die Vorlage krankt auch in anderen Aspekten. Schon jetzt ist es so, dass genossenschaftliche Wohnungen nicht automatisch den sozial Schwächsten zustehen. Gewisse Projekte sind sogar deutlich auf eine gehobene Mittelschicht ausgerichtet und werden wohl nicht verhindern, dass ältere Menschen aus ihren angestammten Quartieren ziehen müssen. Zudem gibt es überall lange Wartelisten. Wer schliesslich eine Wohnung bekommt, scheint reines Glücksspiel zu sein.
Und viele der Gewinner dieses Spiels könnten sich durchaus eine Wohnung auf dem freien Markt leisten, zwar nicht im Seefeld, aber doch in einem anderen beliebten Quartier. Ob also tatsächlich die sozial Schwachen und Alten von der Vorlage profitieren, bleibt offen.
Der Wunsch nach günstigerem Wohnraum in Zürich ist berechtigt. Zu oft scheint bei Investoren die pure Gier auszubrechen, wenn sie ihr Geld hier in Immobilien anlegen. Aber die Vorlage verspricht viel und wird davon wohl nur wenig halten können. Die hehren Absichten laufen Gefahr, als reiner Papiertiger zu enden.
Erstellt: 27.11.2011, 19:55 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
47 Kommentare
Der Kommentator beweist nur Inkompetenz in Sachen gemeinnütziger Wohnbau. Warum sollen nur die sozial Sc hwächsten in Genossenschaften wohnen? Der Autor wünscht sich wohl ein Sozialwohnungsghetto für Arme (Banlieu à la Parisienne), damit er dort auf Sozialromantik-Reportage gehen kann. Neue Wohnungen von Genossenschaften sind die zukünftigen günstigen. Dass der HEV das nicht will, ist klar, aber.. Antworten
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Bitte warten


