Zürich
Schulbank drücken im Pavillon
In Zürich-West sind zahlreiche Wohnungen im Bau oder in Planung. Wegen der zusätzlichen Bewohner rechnet die Stadt mit einem steigenden Bedarf an Schulraum. Ursprünglich wollte sie deshalb zwei neue Schulhäuser erstellen – auf dem Pfingstweidpark und auf dem Schütze-Areal beim Escher-Wyss-Platz. Das Projekt beim Schütze-Areal hat sie nun aber gestrichen, wie Stadtrat Gerold Lauber (CVP) gestern an einer Info-Veranstaltung erklärte.
Der Entscheid hänge mit den veränderten Rahmenbedingungen zusammen. So verzichte der Kanton darauf, das Schulhaus Kornhaus zu übernehmen. Und ab 2015 stehe der Stadt direkt neben dem Schütze-Areal das Berufsschulhaus an der Heinrichstrasse 240 zur Verfügung, das bisher der Kanton genutzt habe. Dieses möchte die Stadt renovieren und mit einem Ergänzungsbau erweitern. 8 Primarklassen und 4 Grundstufen sollen dort unterrichtet werden. Auf dem Schütze-Areal entsteht ein Quartierpark.
Neben dem Pfingstweidpark, wo zurzeit noch Familiengärten stehen, wird das Schulhaus Zürich-West gebaut. Ab 2019 steht es 5 Klassen der Primarstufe und 2 der Grundstufe zur Verfügung. Als Schulweg über die viel befahrene Pfingstweidstrasse dient unter anderem die beinahe fertiggestellte Bogenbrücke. Quartierbewohner kritisierten an der gestrigen Info-Veranstaltung insbesondere den Ort beim Pfingstweidpark wegen der Feinstaubbelastung und der stark befahrenen Pfingstweidstrasse. Aus diesem Grund will die Stadt noch eine zweite Passerelle bauen.
Lehrer loben Provisorien
Bis die beiden Schulhäuser bezugsbereit sind, werden die Kinder in Pavillons unterrichtet. Beim Schulhaus Kornhaus stehen bereits mehrere der Provisorien, wann und wo andere zum Einsatz kommen werden, ist noch offen. Die Qualität des Unterrichts sei die gleiche wie in normalen Schulhäusern, sagt Adrian Scheidegger, Leiter Abteilung Betrieb und Infrastruktur im Schulamt. Eine wissenschaftliche Studie gebe es zwar nicht, er erhalte aber viele positive Rückmeldungen von Lehrern. Die Stadt besitzt 29 der Pavillons, die ein Berner Architekturbüro entwickelte. Sie stehen seit rund zehn Jahren im Einsatz und kosten je 1,2 Millionen Franken. Rechne man noch die Erschliessungs- und Umgebungskosten dazu, ergebe dies einen Betrag zwischen 1,5 und 2 Millionen Franken, sagt Scheidegger. In den zweistöckigen Pavillons sind vier Klassenzimmer, zwei Gruppenräume sowie Toiletten untergebracht.
Alle Provisorien sind aktuell im Gebrauch, vier davon im Affoltemer Ruggächer. Ein neues Schulhaus soll dort 2015 bezugsbereit sein. Weil die Schüler bis zu diesem Zeitpunkt ohne Turnhalle auskommen müssten, ist auch im sportlichen Bereich eine Lösung geplant. Die provisorische Turnhalle steht ab Herbst. Ein fünfter Schulpavillon kommt im nächsten Sommer dazu.
Stadt braucht mehr Pavillons
Warum setzt die Stadt Provisorien ein, obwohl sie bereits seit Jahren um den Wohnungsboom in den Entwicklungsgebieten weiss? Lauber erklärt dies mit den grossen Unsicherheiten bei der Planung. In Zürich-West etwa seien viele Projekte um Jahre verschoben worden. Ausserdem sei unklar, wie viele Familien am Ende einziehen würden. Mit den Pavillons könne die Stadt flexibel auf die Nachfrage reagieren. Bisher gelang es der Stadt, Lücken mit den Provisorien zu überbrücken. Ob der jetzige Bestand auch in Zukunft reiche, sei noch unklar, sagt Scheidegger. Möglicherweise müsse die Stadt in den kommenden Jahren zusätzliche Pavillons kaufen.
Zum Beispiel wegen des Wohnprojekts auf dem Zollfreilager in Altstetten. Dort entstehen 1000 Wohnungen. Noch sei unklar, ob dereinst viele Familien mit Kindern einziehen würden, sagt Scheidegger. Eine Grobplanung existiert dennoch. Bei Einheiten von 100 neuen Wohnungen rechnen die Planer in Genossenschaftssiedlungen mit 60 bis 80 Kindern, in städtischen Siedlungen mit ungefähr 50 Kindern und in kommerziellen Siedlungen mit rund 20 Kindern.
In Zürich besuchen im Schuljahr 2009/10 rund 25'970 Kinder und Jugendliche Schule und Kindergarten. Gegenüber dem Vorjahr ist die Zahl der Schüler um 1,1 Prozent gestiegen. Zudem wohnen in der Stadt 15'500 Kinder im Alter von 1 bis 4 Jahren.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 31.08.2010, 09:15 Uhr
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