Schulvorsteher Gerold Lauber zwischen Stuhl und Bank

Von Silvio Temperli. Aktualisiert am 11.11.2009 1 Kommentar

Der CVP-Stadtrat ist sich bewusst, dass seine Wiederwahl «schwieriger wird als vor vier Jahren».

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Wird Gerold Lauber (CVP) bei den Erneuerungswahlen in den Stadtrat im nächsten Februar zwischen dem links-grünen Block auf der einen und den stramm bürgerlichen Kandidaten auf der anderen Seite zerrieben? So wie einst Ruedi Aeschbacher (EVP), der 1994 als Bisheriger nach sechzehn Amtsjahren überraschend abgewählt wurde?

Lauber kam vor vier Jahren nicht zuletzt dank der Stimmen der Linken für die zurücktretende Monika Weber (parteilos) in den Stadtrat. Diesmal bleibt ihm – mindestens im ersten Durchgang – die offizielle Unterstützung von links bis rechts versagt. Die Sozialdemokraten und die Grünen führen einen geschlossenen Lagerwahlkampf gegen die Bürgerlichen. Lauber kann – mindestens im ersten Wahlgang – nicht auf sie zählen. Das hat Links-Grün längst klar gemacht. Auch jenseits der Mitte schauen die Freisinnigen und die SVP nur für sich selber; sie kämpfen allein für ihre Kandidaten. Darüber hinaus werden ohnehin zahlreiche Stimmen auf die anderen Bewerber aus den Reihen der EVP, der Alternativen Liste, der Grünliberalen, der Schweizer Demokraten sowie der Partei für Zürich fallen.

Hilfe von grüner Kantonsrätin

Wie soll Lauber bei dieser Ausgangslage die Wiederwahl schaffen? Er sagt: «Ich bin mir bewusst, dass es schwieriger wird als vor vier Jahren.» Seinen Bonus sieht er in der Rolle des Vermittlers zwischen extrem linken und extrem rechten Positionen, zumal sich in den letzten Monaten «die beiden Fronten verhärtet haben». Bei drei Vakanzen stehe er für Kontinuität. «Man stimmt ja nicht nur aus Parteiraison.»

Die CVP hat in den letzten Wochen einzelne Politiker um Schützenhilfe gebeten. Sowohl beim Freisinn wie auch bei den Grünen fand die Mittepartei Gehör. Die grüne Kantonsrätin Heidi Bucher sitzt wiederum im Kopräsidium des überparteilichen Komitees für die Wiederwahl Laubers. Sie habe sich das gut überlegt, sagt sie: «Ich will, dass ein Mann aus der Wirtschaft das Schuldepartement leitet.» Die Schulen müssten wie ein Unternehmen geführt werden, ist sie überzeugt. Lauber war bei der Swiss Re Direktionsmitglied, bevor er in den Stadtrat gewählt wurde. Vor vier Jahren sorgte Buchers Engagement in ihrer Partei für Entrüstung. Heute nimmts Stadtparteipräsident Markus Kunz gelassen. Die Partei sei jetzt klarer positioniert: «Was die Mitglieder der Grünen am Feierabend als Privatpersonen machen, das geht mich nichts an.»

Unterstützung des Freisinns

Unterstützt wird Lauber auch vom Freisinnigen Daniel Schwab, Vizepräsident der Stadtpartei. Er ist mit ihm befreundet, beide wohnen in Schwamendingen, nur einen Steinwurf voneinander entfernt. Schwab hat vorgängig die «Bewilligung der Parteileitung eingeholt», wie er sagt. Im Komitee vertreten ist auch Monika Weber (parteilos), Laubers Vorgängerin.

Laut CVP-Stadtparteipräsident Markus Hungerbühler umfasst das Lauber-Komitee derzeit 70 Namen. Hungerbühler erwartet, dass weitere Mitglieder, namentlich Gemeinderäte des Freisinns, hinzukommen. Im Gegenzug würden sich auch CVP-Parlamentarier für die FDP-Kandidaten in Komitees engagieren. «Es wird ein Austausch stattfinden, die Liste wird wachsen.» Bislang ist es aber nicht gelungen, einen SP-Parlamentarier an Bord zu holen. Entsprechende Anfragen blieben laut Hungerbühler «ohne Echo». Die SVP hingegen wurde gar nicht erst angeschrieben.

Im Notfall für «kleineres Übel»

Gerold Lauber erreichte bei den Wahlen 2006 auf Anhieb den achten Platz. Aus den Reihen der Bisherigen dürfte er diesmal aber den «schwierigsten Stand» haben, sagt etwa SP-Kopräsidentin Andrea Sprecher voraus. Im Falle eines zweiten Wahlgangs würden sich die SP-Delegierten sicher genau überlegen, ob Lauber offiziell mit den linken Stimmen rechnen könne.

Je nach Ausmarchung sei ein CVPler das «kleinere Übel als ein Rechtsbürgerlicher». Sprecher weist jedoch darauf hin, dass die CVP ihrerseits den Sozialdemokraten immer wieder die Unterstützung versagt. Für die anstehenden Ersatzwahlen in den Regierungsrat hat sich die CVP gegen Daniel Jositsch ausgesprochen, sie empfiehlt Ernst Stocker (SVP). Auch die jetzige Stadtpräsidentin Corine Mauch liess die CVP im letzten Frühjahr links liegen – und weibelte für die freisinnige Kathrin Martelli. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.11.2009, 04:00 Uhr

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

1 Kommentar

toni müller

12.11.2009, 15:47 Uhr
Melden

gut erinnern sie, das dieser typ stadtrat ist. aufgrund seiner nicht-präsenz hätte man das ja völlig vergessen. es wird also keine lücke hinterlassen, wenn man lauber aus der wischi-waschi partei cvp nicht mehr wählt. es stehen sowieso themen auf der agenda für die nächste legislaturperiode, die fähige leute erfordert. Antworten



Zürich

Populär auf Facebook – Privatsphäre

Lokalverzeichnis

Werbung

Umfrage

Am 17. Juni stimmen wir darüber ab: Würden Sie die Volksinitiative «Freie Schulwahl für alle ab der 4. Klasse» heute annehmen?



AKTUELLE JOBS

Marktplatz

HR Manager/in planova human capital ag, Aarau

HR-Fachmann/-fachfrau BP planova human capital ag, Bern

SAP BO Spezialist (m/w) planova human capital ag, Solothurn

Immobilien

Marktplatz
Wohnung/Haus suchen

Weitere Immo-Links
homegate TV
Hypotheken vergleichen
Umzug
Immobilie inserieren
Inserat erfassen
Grillsaison
homegate Besser grillieren mit unseren Experten-Tipps Mehr

In Partnerschaft mit:

Homegate

Telefonbuch

Marktplatz

AKTUELLE KADERSTELLEN

Marktplatz