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Schwule Wut über Polizei-Razzien

Von Beat Metzler. Aktualisiert am 17.06.2011 25 Kommentare

Polizeivorsteher Daniel Leupi spricht dieses Wochenende am Zurich Pride Festival. Doch das Verhältnis zwischen Stadtpolizei und schwuler Partyszene bleibt angespannt.

Party in einem Schwulenklub: Besucher fühlen sich von der Polizei oft zu Unrecht kontrolliert.

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Bild: Reto Oeschger

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Zwischen Regenbogenfahnen, farbigen Ballonen und Federboas wird der Polizeivorsteher Daniel Leupi (Grüne) morgen Samstag den Zurich-Pride-Umzug eröffnen. Nach dem Darkroom-Kleinkrieg, den die frühere Polizeivorsteherin Esther Maurer (SP) mit der Gay-Community ausgetragen hat, setzt er damit ein starkes Zeichen: Seht her, Polizei und Schwule vertragen sich wieder.

Razzia im Labyrinth

Doch ganz entspannt hat sich das Verhältnis nicht. Kjell Droz, der die Homepage Zuerigay.ch betreibt, hat Daniel Leupi kürzlich einen offenen Protestbrief geschrieben. Darin kritisiert er eine Polizeirazzia vor dem Nachtklub Labyrinth, der am 28. Mai in Altstetten wiedereröffnet hat. In den Morgenstunden hätten sich rund zehn Polizisten in der Nähe des Eingangs aufgestellt und alle Besucher, die den Klub verliessen, auf Drogen kontrolliert. «Ausweis zeigen, Taschen leeren, Schuhe ausziehen, Socken umdrehen, Hose runterlassen, Hodensack anheben, vorbeugen und Hintern inspizieren lassen», beschreibt Droz die Prozedur. Ein konkreter Verdacht habe nicht bestanden, Besucher des «Labys» zu sein, habe genügt.

«Keine Hooligans»

Droz will dem Polizeikorps keine Schwulenfeindlichkeit vorwerfen. «Die Beamten haben uns anständig behandelt.» Trotzdem hält er solche Einsätze für unverhältnismässig und ressourcenverschwendend. «Wir dachten, dass die Null-Toleranz-Politik nach dem Rücktritt von Esther Maurer aufhört.» Doch die Polizei schikaniere weiterhin die schwule Partyszene, deren Feste stets gewaltlos abliefen. So stürze sie sich auf die friedlichsten Opfer. «Die netten Schwulen lassen eine intime Durchsuchung über sich ergehen. Bei betrunkenen Hetero-Machos ginge das nicht so einfach.» Dabei schade die schwule Partyszene niemandem, im Gegensatz etwa zu Fussball-Hooligans. «Doch diese können ungestraft eine halbe Million Sachschaden anrichten, weil die Polizei eine Eskalation vermeiden will.»

Droz steht nicht allein mit diesem Eindruck da. Die Besucher eines After-Hour-Klubs, zu dessen Gästen gemäss Betreiber 30 bis 40 Prozent Schwule gehören, wurden bis vor kurzem regelmässig von der Polizei durchsucht, wenn sie frühmorgens nach draussen schritten. Teilweise passierte dies auf offener Strasse, sagt der Betreiber. Bis zu 20 Beamte hätten im Einsatz gestanden. Erst nach Gesprächen mit der Polizeiführung habe sich die Situation gebessert. Wie Kjell Droz hat der Klubchef beobachtet, dass die Polizei After-Hour-Partys mit hohem Schwulenanteil öfters ins Visier nehme als solche mit rein heterosexuellem Publikum.

Zwei Drittel hatten Drogen

Die Stadtpolizei bestreitet, Klubs für Homosexuelle gesondert zu behandeln. «Wir schreiten immer dann ein, wenn dies frühere Erkenntnisse nahelegen. Oder wenn wir Hinweise aus der Bevölkerung erhalten, dass im Umfeld eines Klubs Drogen gehandelt oder konsumiert würden», sagt Sprecher Marco Bisa. Vor dem Labyrinth hätten Polizisten rund zwei Dutzend «Verdächtige» angehalten und an einem nicht einsehbaren Ort durchsucht. «Ausziehen musste sich niemand. Aber dass die Polizei bei erhärtetem Verdacht auf Drogenbesitz in Schuhe oder Unterhose schaut, lässt sich manchmal nicht vermeiden.» Bei zwei Dritteln der Kontrollierten habe man kleine Konsummengen an Amphetaminen oder Partypillen gefunden.

Auch der Vorwurf der Unverhältnismässigkeit treffe nicht zu. «Solche Substanzen sind laut Betäubungsmittelgesetz verboten. Somit werden Personen, die sie mitführen, von der Polizei verzeigt», sagt Bisa. Man könne den Einsatz zudem nicht mit Fussballspielen vergleichen. Die Aufgabe, zwischen 200 Fans einen Pyro-Werfer zu identifizieren, unterscheide sich aufgrund der Beweislage und der örtlichen Gegebenheiten von einer Kontrolle im Umfeld eines Klubs. «Aber wenn die Polizei bei Spielen einen Täter identifizieren kann, setzen wir auch hier das Gesetz durch.»

Legale Darkrooms

Beruhigt hat sich dagegen die Diskussion um die Darkrooms. Diese erklärte das Obergericht Ende 2008 nach einem dreijährigen Rechtsstreit für legal; so lange sie deutlich angeschrieben sind und unter 18-Jährige keinen Zutritt haben. Laut Droz hätten die Jahre, in denen Darkrooms faktisch verboten waren, die Szene in zwei Lager gespalten. «Jüngere Männer bis 30 haben sich an Partys ohne Darkrooms gewöhnt. Während bei vielen 30- bis 40-jährigen Partygängern Sex und Feiern nach wie vor zusammengehören.» Die Folge sei, dass diese beiden Gruppen heute oft getrennte Anlässe aufsuchten.

Daniel Leupi, übrigens, hat den Brief von Kjell Droz bis gestern noch nicht beantwortet. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.06.2011, 23:34 Uhr

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25 Kommentare

Guido La Vespa

17.06.2011, 13:29 Uhr
Melden 42 Empfehlung

Was würden beispielsweise Zürcher Banker sagen, wenn die Polizei einmal am Paradeplatz alle, die das UBS-Gebäude verlassen, freundlich aber unnachgiebig auffordern würden, sich nackt auszuziehen und sich in alle Löcher schauen zu lassen? Schliesslich kennt jeder die Gerüchte, wie viel in den Teppichetagen der Banken gekokst wird. Antworten


André Aschwanden

17.06.2011, 08:47 Uhr
Melden 35 Empfehlung

Es gibt glaub' ich Wichtigeres, wofür man kämpfen sollte: z. B. die zunehmende Homophobie auf Zürichs Strassen durch junge Gangster-Agglo-Kids im Ausgang!! Antworten



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