Schwules Pärchen wurde aus Migros-Fitnesspark geworfen

Zwei Männer sollen sich in einem Ruheraum mehr als nur geküsst haben. Ein Augenzeuge widerspricht: Die beiden seien friedlich nebeneinandergelegen und hätten sich nur umarmt.

Einträge in einschlägigen Foren zeigen: Der Fitnesspark im Puls 5 ist bei Homosexuellen sehr beliebt.

Einträge in einschlägigen Foren zeigen: Der Fitnesspark im Puls 5 ist bei Homosexuellen sehr beliebt. Bild: Sophie Stieger

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«Völlig losgelöst» – so preist die Migros ihren Meditationsraum im Fitnesspark Puls 5 an. Zwei Männer haben die Botschaft wörtlich genommen, sie sind sich kürzlich in dem schummrigen Raum mit «raffiniert inszenierter Lichtführung» näher gekommen. Aus diesem «Ort der Ruhe» wurden sie aber abrupt vertrieben. «Laut unserer Aufsichtsperson haben sich die beiden Männer nicht nur umarmt und geküsst, sondern mit ihren Handlungen klar gegen die Betriebsordnung verstossen», sagt Andreas Reinhart, Sprecher der Genossenschaft Migros Zürich. In der Betriebsordnung steht unter Punkt 5: «Untersagt ist anstössiges und unsittliches Verhalten.» Ausserdem ist im Meditationsraum das Tragen eines Bademantels Pflicht.

Ein Zeuge widerspricht Reinharts Aussage: Die beiden Männer hätten nebeneinander auf den Liegen geschlafen. «Die rechte Hand des Herrn mit dem längeren Haar befand sich dabei auf der rechten Schulter des Herrn mit dem kürzeren Haar», schreibt der Zeuge in einem Brief an den TA. Darauf sei ein «Aufseher» gekommen, der «seine Runden machte», und habe die beiden aufgefordert, den Raum zu verlassen, weil sie «herumgeknutscht» hätten. Die Clubarmbänder wurden ihnen abgenommen. An der Réception angekommen, bestritten die beiden die erhobenen Vorwürfe. Die Clubleitung rief darauf die Polizei. Marco Bisa, Mediensprecher der Stadtpolizei, bestätigt den Einsatz. Weil es sich aber um eine zivil- und keine strafrechtliche Angelegenheit handle, sei die Patrouille wieder abgezogen. Die Polizei habe gerufen werden müssen, weil die Betroffenen «entsprechend gelaunt» gewesen seien, sagt Reinhart.

Pink Cross übt Kritik

Die beiden Männer bekamen Hausverbot, das Restguthaben ihres Fitnessabos wurde ihnen ausbezahlt. Der Zeuge, ein Homosexueller, der selber einmal wegen Sex im öffentlichen Raum in den Schlagzeilen stand, verurteilt die Reaktion der Fitnesspark-Leitung: «Sich umarmen und dabei schlafen. Bei Heteropärchen wird das stillschweigend hingenommen. Wenn Schwule dasselbe tun, werden sie wie Schwerverbrecher abgeführt.»

Die Schwulen- und Lesbenorganisation Pink Cross äusserst sich ähnlich. Organisationsleiterin Alicia Parel sagt, dass gleichgeschlechtliche Paare immer noch diskriminiert würden. «Tauschen Heteropaare in der Öffentlichkeit weit mehr als nur Küsse aus, wird das akzeptiert. Bei Schwulen und Lesben führt dies sehr oft zu Beschimpfungen und homophoben Äusserungen.» Parel fordert deshalb ein Antidiskriminierungsgesetz.

«Eklige Szenen» beim Duschen

Der Fitnesspark im Puls 5 ist bei Homosexuellen sehr beliebt, wie auch Einträge in verschiedenen Foren zeigen. «Die Sport- und Wellnessoase der Schwulen im Kreis 5», «Das Publikum ist 90 Prozent gay, ein idealer Treffpunkt für die Schwulen.» Reinhart bestätigt, dass der Vorfall im Meditationsraum nicht der erste seiner Art war. «Es hat einige ähnliche Ereignisse gegeben – deshalb haben wir auch die Aufsichtsrundgänge eingeführt. Dabei ist es auch schon zu Hausverboten gekommen.» Dass private Sicherheitsleute in einem Fitnessclub patrouillieren, ist einmalig. In keiner anderen Einrichtung des Fitnessclub-Branchenprimus Migros ist ein eigener Sicherheitsdienst im Einsatz.

Auch die Angestellten des Hallenbads City, das als Schwulentreffpunkt gilt, sahen sich bis anhin mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert. In Onlinekommentaren finden sich noch zahlreiche Einträge von Männern, die sich von Schwulen belästigt fühlten. Von «ekligen Szenen» in den Duschkabinen ist die Rede. Es sei ein Unding, dass Dusche und Sauna einer Zürcher Sportanlage als Schwulentreffpunkt benutzt würden. Nach den kürzlich abgeschlossenen Renovationsarbeiten im Hallenbad City ist die soziale Kontrolle in der Sauna und den Duschen höher. So ist etwa der Duschbereich offener gestaltet. Ein Bademeister sagt, dass sich die Situation beruhigt habe. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 17.10.2013, 07:36 Uhr)

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