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Sechs Hausbesetzungen innert zwei Wochen

Von Georg Gindely. Aktualisiert am 24.04.2009 6 Kommentare

Eine Villa am See, Häuser in der Enge und in den Kreisen 3 und 6 sowie ein Schulpavillon – Zürichs Hausbesetzer sind so aktiv wie selten zuvor. Der Grund: In der Szene herrscht «Wohnungsnot».

Die besetzte Villa am See.

Die besetzte Villa am See.

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Hausbesetzer haben innert kurzer Zeit sechsmal zugeschlagen. In der Nacht auf Freitag haben mehrere Personen ein Gebäude an der Kappelistrasse 7 in der Enge in Besitz genommen. Ganz in der Nähe, an der Scheideggstrasse 10 neben dem Rieterpark, haben Besetzer am 18. April eine Liegenschaft okkupiert. Einen Tag zuvor traf es gleich zwei Häuser: ein Wohngebäude an der Clausiusstrasse 72 im Kreis 6 sowie den Schulpavillon Allenmoos II. Von kurzer Dauer war eine Aktion an der Birmensdorferstrasse 114 im Kreis 3. Da der Eigentümer eine Baubewilligung vorweisen konnte, haben Besetzer das am 13. April in Beschlag genommene Haus gleich wieder geräumt.

Villa mit Bootshaus am See

Besonders schön wohnen rund 15 Personen seit dem 9. April: Sie haben eine Villa mit Bootshaus an der Seestrasse 426 in Wollishofen besetzt – übrigens genau in der Nacht, als Unbekannte grosse Teile der gleich gegenüberliegenden Roten Fabrik weiss bemalten. Die Besetzer beteuern aber, nichts mit der Aktion zu tun zu haben: «Wir waren in jener Nacht zu beschäftigt, um auch noch malen zu können.»

Grund für die Häufung ist die «Wohnungsnot» in der Szene: Gleich zwei grosse Häuser mussten die Besetzer in den letzten Wochen räumen. Das vom Kanton an einen Privaten verkaufte Gebäude an der Moussonstrasse 18 in Fluntern, in dem bis vor kurzem 12 Frauen wohnten, ist bereits abgerissen. Ebenfalls verlassen mussten die Besetzer die Manessestrasse 190/ 192 im Kreis 3. Und auch die Bewohnerinnen und Bewohner der Habsburgstrasse 9 in Wipkingen müssen eine neue Bleibe suchen. Die Eigentümerin dieses Hauses, die Beat Odinga AG, beginnt dort am 25. Mai mit dem Bau von Eigentumswohnungen. Sie hat den Besetzern, mit denen sie einen Vertrag abgeschlossen hatte, fristgerecht gekündigt.

Villa muss geräumt werden

Noch ist unklar, ob die Besetzer in den neu okkupierten Häusern bleiben können. So hat die Eigentümerin der Villa an der Seestrasse die Besetzer aufgefordert, das Haus bis Montag zu verlassen. Diese vermuten, dass die Besitzerin das Haus anschliessend unbewohnbar machen will. Laut Szenekennern kommt es immer häufiger vor, dass leer stehende Häuser abgebrochen oder unbenutzbar gemacht werden, auch wenn keine Baubewilligung vorliegt – wie an der Moussonstrasse.

Die Stadt kann solche «Abbrüche auf Vorrat» nur in der Kernzone verhindern oder bei Gebäuden, die im Inventar der Denkmalpflege aufgeführt sind. Im Rest der Stadt können die Eigentümer machen, was sie wollen. «Lange leer stehende Häuser oder mehrjährige Baulücken sind aber nicht im Sinn der Stadt», sagt Urs Spinner vom Hochbaudepartement.

Die Polizei spricht trotz der vielen Aktivitäten in der Szene nicht von einer ungewöhnlichen Häufung – meist seien kleinere Liegenschaften betroffen. Im Moment sind 18 Gebäude in der Stadt besetzt.

Mehr Nachrichten und Hintergründe aus der Stadt Zürich gibt es täglich im Regionalbund des Tages-Anzeigers. Schreiben Sie direkt an stadt@tages-anzeiger.ch (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.04.2009, 20:50 Uhr

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6 Kommentare

Nadine Binsberger

25.04.2009, 13:22 Uhr
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Die vielgerühmte Wahlfreiheit im sogenannten freien Markt existiert beim Bodenrecht nicht. Kaum kommt ein Mensch zur Welt, schuldet er einem anderen Menschen eine Miete - nur dafür, dass er seinen Fuss irgendwo hinsetzen kann. Man kann sich aussuchen, ob man mehr oder weniger Miete zahlen will. Aber wenn man keinen Mietvertrag eingehen will, wird man kriminell - ausser man ist reich (Hauseigentum) Antworten


marcel hegi

26.04.2009, 19:49 Uhr
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@ Peter Sigenthaler: "Es gibt keine Wohnungsnot"! Leben sie auch in der Stadt Zürich? Antworten



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