Seebach wartete vergebens auf Altersheim

Von Silvio Temperli. Aktualisiert am 11.12.2008 4 Kommentare

Frust in Seebach: Die Stadt versprach dem Quartier ein Altersheim, weil im Kreis 11 die Zahl der Betagten stetig wächst. Nun hat sie das fixfertige Projekt überraschend fallen gelassen.

Das geplante Altersheim.

Das geplante Altersheim.

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Enttäuscht, traurig und verärgert – die Seebacher fühlen sich einmal mehr schlecht behandelt. «Wir kennen mittlerweile die Art, wie die Stadt mit uns umgeht. Das würde sich keine Gemeinde der Schweiz gefallen lassen», schreibt ein aufgebrachter Seebacher in einem Leserbrief. Im Quartier ist die Aufregung gross. Namentlich die ältere Bevölkerung kann nicht verstehen, dass der Stadtrat das geplante Heim an der Peripherie neben dem denkmalgeschützten Weiler Köschenrüti nicht verwirklichen wird. Kein Geld, man setze andere Prioritäten, lautete die Begründung aus dem Hochbaudepartement von Stadträtin Kathrin Martelli (FDP). 46 Millionen Franken hätte das ambitiöse Vorhaben gekostet.

Vier Millionen in den Sand gebaut

Frustriert sind die Seebacher aus zwei Gründen. Zum einen lagen die Pläne für das Alterszentrum mit 126 Appartements bis auf den letzten Fensterladen auf dem Tisch. Über vier Millionen Franken haben die Behörden für den vom Parlament bewilligten Projektierungskredit schon ausgegeben – alles für die Katz. Vertreter der Stadt hatten das Quartier vor knapp zwei Jahren über das neue Altersheim Köschenrüti ins Bild gesetzt, das Siegerprojekt in den höchsten Tönen gelobt sowie die Weiterentwicklung des Bauvorhabens versprochen. Bis im Jahr 2012, hiess es damals, sollte das Zentrum bezugsbereit sein. Peter Bielmann, Präsident des Quartiervereins Seebach, sagt: «Die Anwohner haben fest damit gerechnet, dass das Heim gebaut wird. Sie freuten sich, dort alt zu werden, wo sie Jahrzehnte gewohnt haben.»

Zum andern stösst der Entscheid des Stadtrates, auf den Neubau zu verzichten, auf Unverständnis, weil ausgerechnet in Zürich-Nord der Bedarf an Altersheimplätzen am stärksten ausgewiesen ist. In diesem Gebiet wächst laut Statistik Zürich die Gruppe der Betagten – ganz im Gegensatz zu den übrigen Stadtquartieren, wo die Zahl der über Achtzigjährigen in den nächsten fünfzehn bis zwanzig Jahren stabil bleibt (Stand Oktober 2008). In Zürich leben derzeit etwa 21'400 Menschen, die achtzig Jahre alt und älter sind. Die demografische Entwicklung sagt indes für den Kreis 11 eine Zunahme der 80-jährigen und älteren Personen um etwa 30 Prozent voraus, im Kreis 12 um rund 7 Prozent. Schon jetzt betragen die Wartezeiten in den städtischen Altersheimen in Unteraffoltern, Schwamendingen und Oerlikon 1½ bis 3½ Jahre, wie aus dem Amt für Altersheime zu erfahren ist. In Seebach fürchtet man sich nun vor Versorgungsengpässen.

Neukomm versteht den Frust nicht

Dass es in Zürich-Nord zu wenig Heimplätze gibt, weiss auch Gesundheitsvorsteher Robert Neukomm (SP). Die Verärgerung im Quartier begreift er aber nicht. Schliesslich wolle der Stadtrat jene Bauparzelle, auf welcher das Altersheim Köschenrüti vorgesehen war, der Stiftung für Alterswohnungen abtreten. Diese werde dort ein «gleichwertiges Angebot für alte Menschen» realisieren, gibt er sich überzeugt. «Damit ist den Seebachern mehr gedient, als wenn die Stadt an einem Bauvorhaben festhält, das aus finanziellen Überlegungen jahrelang hinausgeschoben werden müsse.»

Anstelle eines Altersheims dürfte aller Voraussicht nach auf dem Grundstück Köschenrüti eine typische Alterssiedlung entstehen. Die Stiftung für Alterswohnungen ist laut Direktorin Linda Mantovani am Landgeschäft mit der Stadt ernsthaft interessiert. «Wir sind gewillt, auf der Parzelle zu bauen, weil die Wartelisten für unser Angebot gleichsam explodieren – viel mehr als jene bei den Altersheimen.»

Das Angebot der Stiftung konzentriert sich jedoch allein auf altersgerechte Wohnungen samt Serviceleistungen wie erweiterte Hauswartung, eigene Spitex, 24-h-Pikett, Wäscheservice, Sozialdienst und Veranstaltungsprogramm. Anders als ein Heim bietet die Stiftung keinen Gastrobetrieb an. Sie werde jetzt gleichwohl prüfen, ob für den Bau neben dem Weiler Köschenrüti am äussersten Rande Seebachs zusätzliche Infrastrukturen wie Restaurant und Laden nötig seien, «damit dort draussen attraktive Alterswohnungen gebaut werden können», erläutert Direktorin Linda Mantovani. Die entsprechenden Abklärungen dauern ein halbes Jahr.

Falls man nicht auf die bereits ausgeführten Pläne des städtischen Bauvorhabens zurückgreifen könne und einen gänzlich neuen Architekturwettbewerb starten müsse, würde das Vorprojekt erst in etwa zwei Jahren im Parlament behandelt. Baubeginn wäre frühestens 2014. Wird die Alterssiedlung dereinst erstellt, wäre es die dritte in Seebach. Zurzeit unterhält die Stiftung die Siedlung Felsenrain an der Neubrunnenstrasse. Sie verfügt über 119 Wohnungen. Zusätzlich ist an der Tramendstation ein Neubau mit gegen hundert Wohnungen geplant. Wenn keine Rekurse eingereicht werden, können die ersten Mieter dort 2012 einziehen.

Alterswohnungen hin und her – einige Seebacher hatten mit der Suche nach einem Alterssitz eigens zugewartet, weil sie auf ein Appartement im versprochenen Altersheim gehofft hatten. Quartiervereinspräsident Peter Bielmann ist ernüchtert: «Dass die Stadt das baureife Projekt nicht einmal zeitlich zurückstellt wie andere Vorhaben, sondern einfach mit einem Federstrich auslöscht, das stört uns unsäglich.»

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Erstellt: 11.12.2008, 20:56 Uhr

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4 Kommentare

Albert Brägger

12.12.2008, 06:47 Uhr
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Frau Martelli, dann setzen wir für das Stadtpräsidium auch andere Prioritäten und wählen Corine Mauch Antworten


Paul Weber

12.12.2008, 13:13 Uhr
Melden

"Kein Geld, man setze andere Prioritäten" , danke Frau Martelli. Damit sind genügend Mittel da um gegenüber der Stadt das Hotel Atlantis für den Bezug der "neuen" Gäste vorzubereiten. Für die einheimische Bevölkerung wird dann irgendwann in der Zukunft, vielleicht auch mal ein zusätzliches Altersheim gebaut ! Irgendwann, irgendwo, vielleicht..... und sie reden und reden und reden und diskutieren.. Antworten



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