«Sextoys sind das Salz in der Suppe»
Von Peter Aeschlimann. Aktualisiert am 12.12.2009 2 Kommentare
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Alexandra Haas: Speisekarte der Lustspiele. Xanthippe-Verlag, Zürich 2009. 192 S., 34 Fr.
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Frau Haas, Sex-Ratgeber gibt es wie Sand am Meer. Warum verwöhnen Sie uns mit einem weiteren?
In meinem Laden «Special Moments» habe ich täglich mit Menschen zu tun, die Fragen haben. Zu Sexspielzeug, Sadomasochismus, Analverkehr oder Pornografie. Weil es ihnen an Wissen mangelt, haben sie Angst, etwas Neues auszuprobieren. Für sie habe ich das Buch geschrieben.
Wo konkret bedarf es noch an Aufklärung?
Es gibt zum Beispiel Paare, die sich unsicher sind, ob sie, nachdem Fesseln und Peitschen im Spiel waren, jemals wieder sogenannt normalen Sex haben können. Logisch ist das möglich. Aber da kursieren die wildesten Märchen. Etwa jenes, dass Frauen unempfindlich werden, wenn sie Vibratoren benützen. Oder gar, dass sie davon abhängig werden wie von einer Droge. Das ist natürlich Humbug. Uralte Vorstellungen, deren Ursprung niemand mehr richtig kennt, die sich aber hartnäckig in den Köpfen festgesetzt haben.
Sex ist omnipräsent in unserer Gesellschaft, die Zeitschrift «Bravo» nimmt seit Jahrzehnten kein Blatt vor den Mund. Die Unsicherheit erstaunt.
Das ist eben gerade kein Widerspruch. Junge Menschen kommen zu mir, um einen Reality-Check zu machen. Bei der ganzen Flut von pornografischen Darstellungen fragen sie sich: Hey, muss ich das jetzt auch machen? Ist das normal? Ich meine, dass ziemlich viel ziemlich okay ist, solange alle einverstanden sind. Beim Sex gibt es so viele Leute, die meinen, sie können einem sagen, was richtig ist und was falsch. Das ist nicht in Ordnung. Den Entscheid fällt jeder für sich. Wer meint, Sex müsse wie im Film ablaufen, perfekt und ohne Worte, der irrt.
Verkürzt behaupten Sie: Wer gerne isst, hat besseren Sex.
Bei beidem geht es ums Geniessen-Können. Wer an einer Frucht riecht, sie mit allen Sinnen wahrnimmt, bevor er herzhaft hineinbeisst, ist ziemlich sicher ein Geniesser im Bett. Zusammen kochen und sich gegenseitig füttern ist eine sehr sinnliche Angelegenheit.
Welche Speisen sind Liebestöter, was regt an?
Nach fettigen Sachen mag man oft nicht mehr spielen. Zu viel Alkohol ist für die meisten Männer auch nicht von Vorteil. Idealerweise sollte das Essen frisch sein. Sensationell sind Kräuter. Gerade erst geschnittene Petersilie und Schnittlauch im Salat. Oder reife Früchte, in die man aus purer Lust hineinbeisst. Der Saft, der über Lippen und Hals läuft, gehört dem Partner. Man muss sich nicht auf Austern und Champagner versteifen. Im Advent sind Schokolade und Zimt wunderbar, beides hat eine aphrodisierende Wirkung. Beim gemeinsamen Kochen geht es um Nähe und Düfte: ein erotisches Bouquet.
In Ihrem Buch ist viel von Toys die Rede, von Sexspielzeug. Braucht es einen Dildo oder Handschellen für ein erfülltes Sexleben?
Nein. Für mich ist ein hübsches Spielzeug wie das Salz in der Suppe. Man kann argumentieren, dass man das nicht brauche. Fein. Das geht völlig in Ordnung. Dieses Gewürz ist nicht lebensnotwendig. Mir geht es ausschliesslich darum, dass die Leute Spass haben und den Sex stressfrei geniessen können. Das ist alles.
Das tönt sehr altruistisch. In Ihrem Laden gibt es die Sachen zu kaufen, die Sie im Buch anpreisen.
Die Idee für das Buch hatte ich vor dem Laden. Ich wollte aber nicht von Dingen schwärmen, die es nirgends zu kaufen gibt. Darum eröffnete ich zuerst «Special Moments», einen sicheren Ort, wo man sich wohlfühlt. Wenn jemand den Laden betritt, ist es nicht mein erstes Ziel, etwas zu verkaufen. Ich will, dass dieser Jemand tollen Sex hat. Von dem lebe ich, das ist meine Leidenschaft. Die Produkte, die ich im Buch nenne, finde ich wirklich gut, darum verkaufe ich sie ja auch. Es ist aber kein Shopping-Guide.
Sie haben täglich mit Sex zu tun. Wird es Ihnen nie zu viel?
Es ist ja nicht so, dass ich jeden Abend zehn neue Toys teste. Vielmehr führe ich dann die Buchhaltung und gebe Bestellungen auf. Ich bin eine ganz normale Geschäftsfrau. Das rüberzubringen, ist ein steter Kampf.
Wo zeigt sich das im Alltag?
In der Sexindustrie werden Frauen oft nicht als Subjekt, sondern als Objekt wahrgenommen. An Messen muss ich zuerst immer diese Verhandlung führen. Bis die Männer merken, dass sie es nicht mit jemandem zu tun haben, der seinen Körper verkauft, sondern Ware für sein Geschäft einkauft.
Studiert haben Sie Linguistik. Was qualifiziert Sie dazu, einen Sex-Ratgeber zu verfassen?
Weil Sex Kommunikation ist. Meine Beschäftigung mit der Sprachwissenschaft ist die eine Seite, der Rest ist Erfahrung. Ich tausche mich permanent aus. Mit Spezialisten aus dem Tantra-Bereich oder mit Sexualtherapeuten. Ich liebe diese Diskussionen. Auch verschlinge ich alles zum Thema, seien es Bücher, Zeitungsartikel oder Filme. Meine Lernkurve wird dabei immer steiler. Mit allem, was ich mache, den Workshops und Vorträgen, meinem Laden und jetzt eben dem Buch, will ich den Leuten sagen: «Hey, das alles gibt es. Es ist ungefährlich und macht eine Menge Spass.»
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Erstellt: 12.12.2009, 04:00 Uhr
2 KOMMENTARE
Sie reden von Wünschen vieler Frauen und Paare die sich nach Sinnlichkeit und Offenheit sehnen, etwas Neues auszuprobieren ist öfter auch ein Schritt in die Stimulation. Alexandra bleiben Sie so offen wie Sie sind, vielleicht fördern Sie auch eine Leidenschaft nach Liebe und Sexueller Gemeinsamkeit. Eine sexuell erfüllte Frau wirkt vollkommen glücklich und so soll es auch sein.
Liebe Alex gratuliere dir zu deinem Buch. Wwerde es sicher reinziehen und lesen was du so zum Thema schreibst. Dein Laden ist ein Schmuckstück, leider zu wenig Zeit um nach Zürich zu kommen und zu plaudern..bis bald und allen sinnlichen Menschen, viele schöne Stunden über die Feiertage und Nächte
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