Zürich

Startseite · Abo · Immobilien · Job · Auto · Kleinanzeigen

Sieg über die Langeweile

Von Jvo Cukas. Aktualisiert am 18.10.2011 9 Kommentare

In Zürich stehen Securitas-Mitarbeiter stundenlang am Strassenrand, um die Bügel der Trolleybusse vom Netz zu nehmen. Sicherheitsmann Dragisa Marinjes erzählt, warum ihm das Herumstehen Spass macht.

1/6 Dragisa Marinjes steht pro Schicht fünf Stunden lang beim Kreuzplatz und wartet auf Busse.
Jvo Cukas

   

Artikel zum Thema

Stichworte

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...


Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Dragisa Marinjes lehnt mit verschränkten Armen an seinem Auto auf einem Parkplatz an der Merkurstrasse oberhalb des Seefelds. Seine Hände sind in dicke Handschuhe gepackt. Eine orange Jacke und ein Rollkragenpullover halten ihn warm. Auf seinem Kopf trägt er eine weisse Mütze, wie man sie von Verkehrspolizisten kennt. Ein paar Bäume und Sträucher recken sich rund um den Parkplatz, verdecken die Sicht auf die Strasse aber kaum.

Plötzlich biegt ein Trolleybus um die Ecke. Für Marinjes das Signal, sich am Strassenrand in Position zu bringen. Der Bus hält, und der Securitas-Mann beginnt die Bügel auszudrahten, wie dies im Fachjargon heisst. Gerade mal 20 Sekunden braucht er bis der Bus weiterfahren kann. Danach geht Marinjes zurück zu seinem Plätzchen und wartet auf den nächsten.

Drei Minuten Arbeit pro Stunde

Rund fünf Stunden dauert seine Schicht am Strassenrand. Bei dichtem Fahrplan kommen acht bis 10 Busse pro Stunde vorbei, meist aber weniger. Einen Stuhl zum Hinsetzen darf er nicht mitnehmen. Marinjes würde das aber auch nicht wollen. Wenn ein Sicherheitsmann im Stühlchen dasitze, vielleicht noch rauche oder esse, so sehe das doch unprofessionell aus, meint er.

Stundenlanges Herumstehen, dabei Arbeitseinsätze von insgesamt höchstens drei Minuten pro Stunde: So mancher würde dies wohl als langweiligsten Job der Welt ansehen. Nicht so Marinjes. Der 47-Jährige, seit 10 Jahren bei Securitas dabei, findet: «Ich arbeite, aber fühl mich nicht so.» Ständig sei er an der frischen Luft und dort extrem frei. «Niemand sagt mir, ob ich erst den linken oder den rechten Bügel einholen muss.»

Natürlich habe er viel Zeit zum Überlegen, wenn er auf die ankommenden Busse wartet. Als Musiker kämen ihm viele Songideen. Fast immer habe er irgendeine Melodie im Ohr, ohne Kopfhörer aufzuhaben. Auch seine Familie schwirre dem Vater dreier Kinder immer wieder durch den Kopf.

Mit Cowboy-Hut im Regen

Auch bei Wind und Wetter käme ihm nicht in den Sinn über seinen Job zu meckern. «Ich nehme das wie einen Test: wie hart bin ich, was halte ich aus?» Er sei immer gut ausgerüstet, ob mit Cowboy-Hut bei Regen oder mit Thermowäsche bei eisigen Temperaturen. Zudem könne er sich hier beim Kreuzplatz bewegen, ein bisschen herumlaufen. Das halte auch warm. Viel anstrengender seien Überwachungseinsätze, bei denen man stundenlang an derselben Stelle stehen müsse. «Das kann schon mal in den Rücken gehen.»

Das Ausdrahten sei anstrengender, als es aussehe, meint Marinjes. «Wenn einmal wegen Stau plötzlich drei Busse hinereinander kommen, merkt man das schon in Händen und Armen.» Fast so viel Kraft wie fürs Klettern brauche er manchmal. Aber auch das sieht er positiv: «Erstens hält es mich warm, und zweitens spare ich mir so ein teures Fitness-Abo.»

Die VBZ und das Tiefbauamt der Stadt Zürich setzen immer wieder auf Securitas, wenn rund um Baustellen Trolleybusse vom Netz genommen werden müssen oder Stadtbusse eine andere Strecke befahren als üblich. Die VBZ erklären gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnetz, dass solche Einsätze an Dritte weitergegeben würden, um die eigenen Mitarbeiter nicht zu blockieren. Auch die Busfahrer selbst könnten die Trolleys nicht selbst ausdrahten, da dies zu zeitlichen Verzögerungen im Fahrplan führen könnte.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.10.2011, 11:13 Uhr

9

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

9 Kommentare

René Baron

18.10.2011, 13:26 Uhr
Melden 58 Empfehlung

Hätten alle so eine Arbeitseinstellung wäre die Welt wohl um einiges glücklicher, Familien zufriedener und das Gesundheitssystem entlastet. Arbeiten wie ein Zen-Master ! Ein Traumjob für diejenigen die begriffen haben worum es im Leben wirklich geht!! Antworten


Jonas Leemann

18.10.2011, 13:46 Uhr
Melden 50 Empfehlung

Schön, dass ein noch so simpler Job seriös und ohne lamitieren und alles-in-Frage stellen erledigt wird. Danke Antworten



Zürich

Populär auf Facebook – Privatsphäre

Lokalverzeichnis

Werbung

AKTUELLE KADERSTELLEN

Marktplatz

Umfrage

Am 17. Juni stimmen wir darüber ab: Würden Sie die Volksinitiative «Freie Schulwahl für alle ab der 4. Klasse» heute annehmen?




Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.