Zürich
Sommerferien: Wer in Zürich bleibt, kann was erleben
Von Beat Metzler. Aktualisiert am 11.07.2009
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Die Stadt wirkt entvölkert wie nach einer Seuche: In morgendlichen Trams warten freie Sitzplätze auf Passagiere, vor Ampeln, wo sich die Autos sonst ins Endlose stauen, stottern drei Fahrzeuge. Im Supermarkt marschiert man direkt zur Kassiererin. Heute fällt Zürich ins Sommerloch - willkommen in der geräumten Stadt.
Wie viele Zürcher ihre Wohnung mit dem Badetuch tauschen, lässt sich nur vermuten. Sowieso frei haben alle Lehrer. Auch viele andere Arbeitnehmer ziehen ihre Urlaubstage ein. Mehrere Grossunternehmen und städtische Betriebe geben an, dass gut 40 Prozent ihrer Belegschaft während der Schulferien für meist zwei Wochen verreisen. Schwierig haben es die KMU: Nur wenige Kleinunternehmer können es sich leisten, ihren Betrieb ferienhalber zu schliessen. Grob geschätzt zählt Zürich den Sommer durch etwa 15 Prozent weniger Bewohner als während des Rests des Jahres.
VBZ verzichten auf Sommerfahrplan
Dieser Einwohnerschwund drückt sich nur bedingt in Zahlen aus. Bei den Zürcher Migros-Filialen sinken die Umsätze im Juli und August um etwa 10 Prozent. Die VBZ befördern in diesen Monaten nur geringfügig weniger Passagiere als sonst. Dieses Jahr verzichten sie das erste Mal auf den entspannteren Sommerfahrplan, weil sie die Abstände bereits im Dezember ausgedünnt haben. Nur die Fahrten des 6er-Trams und des 80er-Busses hat man reduziert. Diese Linien werden vor allem von Studenten benutzt, die ihren Bildungsstätten während der Semesterferien aus dem Weg gehen. Erstaunlich ist, dass die Anzahl der Zugfahrten aus der Agglomeration in die Stadt hinein gemäss ZVV überhaupt nicht abnimmt. Auch Strom- und Wasserverbrauch bleiben im Juli und August konstant.
Der Hauptgrund dafür: Die Lücke, welche die ferienhungrigen Zürcher hinterlassen, füllen ferienhungrige Ausländer. Zürichs Hochsaison fällt wie auf Mallorca auf den Hochsommer. Im Juli und August beherbergen die Hotels fast 100 000 Gäste mehr als etwa im Januar oder Dezember. Die Touristen brauchen Wasser und Strom, kaufen ein und fahren Tram. Sie tun dies aber vor allem im Zentrum und nicht zu Stosszeiten. Daher kann sich im Rest der Stadt die Sommer-Leere ausbreiten. Für zusätzlichen Verkehr sorgen auch die zahlreichen Sommer-Grossveranstaltungen wie Openair-Kinos, Konzerte oder die Street Parade.
Kulturelle Eiszeit ist überwunden
Diese Veranstaltungen formen in Zürich jeweils eine eigenwillige Sommer-Kulturlandschaft. Das Phänomen existiert erst seit kurzem. Bis in die 80er-Jahre waren Zürichs heisseste Monate eine kulturelle Eiszeit. Theater, Opernhaus und Tonhalle verriegelten - wie heute noch - ihre Türen. Ausser einem Kinobesuch oder einem Bier in der Gartenbeiz blieb an den lauen Abenden wenig zu tun. Als eine der ersten Veranstaltungen versuchte das 1979 gegründete Theater-Spektakel, das Sommerloch mit Kreativität auszustaffieren. Mitte der 80er-Jahre starteten die Openair-Kinos, deren Leinwände mittlerweile über jeden Quartierplatz ragen, es folgten Openair-Konzerte wie Live at Sunset. Und seit der Gastroliberalisierung Ende der 90er-Jahre verwandeln sich zahlreichen Badi am Abend in Bars.
Auch die Zürcher Nachtklubs legen bis auf einige Ausnahmen keine Sommerpausen mehr ein. Es sei wichtig, auch den Sommer durch präsent zu bleiben, heisst es beim X-tra. Die Besucherzahlen gingen zudem, abgesehen von den ganz heissen Nächten, nur wenig zurück. Das bestätigen andere Klubs. Mittlerweile unterscheidet sich die Veranstaltungsdichte an Sommerabenden kaum mehr vom Rest des Jahres.
So verbinden Zürcher Sommertage angenehme Leere mit einem kulturellen Ausnahmeangebot. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 11.07.2009, 18:09 Uhr
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!



