Sonderkommando räumt nach sieben Jahren die «Kalkbreite»

Von Simon Eppenberger. Aktualisiert am 17.03.2010 19 Kommentare

Mit einer friedlichen Aktion beendete die Polizei eine jahrelange Hausbesetzung mitten in Zürich. Der illegale Bar- und Konzertbetrieb sowie unzählige Lärmklagen finden damit ein Ende.

1/27 Besetzer ziehen ab
Anfang März zügelten die Besetzer, was sie nicht im Haus an der Kalkbreite zurücklassen wollten.
Bild: Simon Eppenberger

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Neubau über den Tramgleisen

Nachdem das ehemals besetzte Haus abgerissen wird, erstellen die VBZ und die Genossenschaft Kalkbreite auf dem Areal gemeinsam einen grossen Neubau. Die heutigen Tramgleise, die vorwiegend während der Nacht als Depot für die Trams diesen, bleiben bestehen, werden jedoch überbaut.

Über den Gleisen soll ein grosser, öffentlicher Park entstehen. Daneben sind im Parterre Gewerberäume, darüber Wohnungen, geplant. Bestehen bleibt das für mehrere Millionen restaurierte Restaurant Rosengarten an der Ecke Kalkbreite-/Badenerstrasse. Dort hat die Genossenschaft bereits im vergangenen Jahr ihr Büro bezogen.

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Am Mittwochmorgen räumte ein Aufgebot der Stadt- und Kantonspolizei Zürich das besetzte Haus an der Kalkbreitestrasse 4. Die Einsatzkräfte waren mit diversen Fahrzeugen, zwei Feuerwehrautos und einem Sanitätswagen vor Ort. «Wir wussten nicht, was uns erwartet, deshalb sind wir mit diesem Aufgebot hier», sagte Marco Cortesi, Medienchef der Stadtpolizei, am Mittwochmorgen gegenüber Tagesanzeiger.ch.

Grund sind Erfahrungen bei früheren Räumungen besetzter Häuser. «Es hätte auch Störaktionen oder Solidaritätskundgebungen geben können», sagt Cortesi. Man habe zwar angenommen, dass die Liegenschaft an der Kalkbreite leer stand, doch auf Spekulationen wollte man sich nicht einlassen.

Haus wird unbewohnbar gemacht

Die früheren Störaktionen waren offenbar so gravierend, dass die Polizei das Gebäude von Sondereinsatzkräften aufbrechen und untersuchen liess. Die Beamten in Schutzausrüstung zogen nach kurzer Zeit wieder ab und verliessen die Liegenschaft ohne Zwischenfall. Nun wird das Backsteinhaus unbewohnbar gemacht und schliesslich abgerissen.

Die Besetzung dauerte laut Cortesi rund sieben Jahre. Währenddessen kam es zu zahlreichen Lärmklagen. «Es war keine befriedigende Situation, doch rechtlich konnte man das Gebäude nicht früher räumen», sagt Cortesi. Dafür braucht es eine gültige Um- oder Neubaubewilligung sowie eine Abbruchbewilligung. Diese war lange nicht vorhanden.

Heulende Sirene als «Abschiedsgeschenk»

Erst als das Projekt eines neuen Tramdepots und einer grossen Genossenschaftsüberbauung voranschritt, konnten die VBZ als Besitzerin eine Abbruchbewilligung beantragen. Als diese Anfang Jahr vorlag, stellten die VBZ den Besetzern ein Ultimatum. Daraufhin verliessen sie das Gebäude fristgerecht am vergangenen Freitag.

Obwohl die Nachbarschaft die Besetzer tolerieren musste, verabschiedeten sich die Bewohner nicht nur mit einem Transparent, auf dem sie weitere Besetzungen ankündigten. Sie montierten auf einem Fenstersims im dritten Stock eine Sirene, die von einer Autobatterie angetrieben wurde. Diese heulte – quasi als Abschiedsgeschenk – vom Freitag bis Samstag rund zwei Tage lang. Ein VBZ-Chauffeur vom Tramdepot gegenüber des Hauses schüttelte darüber den Kopf: «Diese Leute demonstrieren für Frieden auf der Welt, aber sie terrorisieren die Leute.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.03.2010, 14:35 Uhr

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19 Kommentare

Yuri Zainfeld

19.03.2010, 13:58 Uhr
Melden 3 Empfehlung

Zürich putzt sich heraus. Schliesslich will man ja nicht zurückfallen im Raking der Städte mit der besten Lebensqulität für die europäische und mondaine Finaznelite. Ein grosser Teil der Einheimischen haben wie immer das Nachsehen, alternative Lebensformen, Feste und Künstler werden verdrängt auf Kosten der sogenannten hohen Lebensqualität. Schade um unsere Kalki. Antworten


Patrick Lenhart

17.03.2010, 13:18 Uhr
Melden

Ich bin zwar nicht direkter Anwohner aber wohne nur einige hundert Meter entfernt. Ich habe auch nichts dagegen das lange leerstehende Häuser besetzt werden. Aber was mir auf den Wecker geht und extrem störend an dieser Liegenschaft und ihren "Benutzern" war ist das rund um das Gebäude dauernd Scherben und Kothaufen zu finden waren, man musste immer einen grossen Bogen um dieses Haus machen. Antworten



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