Sparen? Nicht bei Geschenken
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Es ist erstaunlich: Am Weihnachtsgeschäft scheint die Krise einmal mehr fast spurlos vorüberzugehen. Schon letztes Jahr bescherten die Kunden den Geschäften in der Adventszeit einen sehr guten Umsatz - als wollten sie vor der drohenden Krise noch einmal auf den Putz hauen. Und jetzt zeigen sich pünktlich zum Weihnachtsverkauf die ersten Silberstreifen am Horizont - Grund für viele Konsumenten, sich wieder einmal etwas zu gönnen.
«Es sieht sehr positiv aus», sagt Milan Prenosil, Sprüngli-Geschäftsführer und Präsident der City-Vereinigung. Die Umsätze liegen mindestens auf Vorjahresniveau; der Samstag sei gar «überwältigend» gewesen. Zwar läuft das oberste Preissegment nicht ganz so gut, dafür wird in mittleren Preislagen umso besser gekauft.
An der Bahnhofstrasse gibt es am Sonntagnachmittag zeitweise fast kein Durchkommen mehr. Manche Leute schleppen Taschen herum, in denen ein halber Hausrat Platz hätte. Einzig den Päcklibus, wo man seine Einkäufe für ein paar Stunden sicher einstellen kann, sparen sich die Leute offenbar: Wo sich letztes Jahr noch die Tüten stapelten, herrscht heuer gähnende Leere.
«Shoppen wie immer»
Ansonsten aber scheinen viele so zu denken wie jene ältere Dame, die schwer bepackt auf einer Bank sitzt. «Bei Geschenken achte ich nicht aufs Geld», sagt sie. «Sparen kann ich im Verlauf des Jahres genug.» Ähnlich geht es einem Ehepaar, das soeben im Franz Carl Weber Geschenke für sechs Göttikinder und den eigenen Sprössling eingekauft hat. Rund 500 Franken haben sie ausgegeben. «Normales Weihnachtsshopping eben», sagen sie. Ohne finanzielle Beschränkung.
Für die meisten geht es an diesem Sonntag aber erst einmal ums Flanieren, Vergleichen, Gucken. So auch für zwei 18-jährige Mädchen aus Olten, die eigens wegen des Sonntagsverkaufs nach Zürich gekommen sind. Sie haben noch nichts gekauft. «Das erledigen wir zwei Tage vor Weihnachten», sagen sie lachend. «Heute gucken wir uns vor allem die Leute an.»
Ein willkommenes Ausflugsziel ist der Sonntagsverkauf offenbar auch für Familien. «Das Wetter ist ja nicht so einladend», meint eine Mutter fast entschuldigend. Sie ist mit ihren zwei Töchtern im Alter von sieben und neun Jahren unterwegs. Geschenke hat sie nicht gekauft: «Die bringt das Christkind.» Ein vorgegebenes Budget habe das Christkind nicht, sagt die Mutter: «Ich überlege mir einfach, was sinnvoll ist.»
Spielwaren, Dessous, Deko
Überhaupt, die Kinder: Sie bekommen die Krise am wenigsten zu spüren. Das bestätigen auch die Geschäftsführer der Warenhäuser und Grossverteiler. «Bei Kindern wird zuletzt gespart», sagt Elle Steinbrecher, Mediensprecherin von Manor.
Was laut Milan Prenosil ebenfalls auffällt: «Die Leute scheinen sich alle gegenseitig verwöhnen zu wollen.» Grosse Renner sind Damenwäsche, Kosmetikartikel und Accessoires. Und diese dürfen durchaus etwas kosten, sagt Migros-Sprecherin Eve Pfeiffer: «Seidenwäsche beispielsweise verkaufen wir sehr gut.»
Dazu passt auch, dass die Leute offensichtlich ihr Heim verschönern und im Kreis von Freunden und Familie feiern wollen. «Sie kaufen alles, um es sich gemütlich zu machen», berichtet Globus-Geschäftsführer Stefan Böger. Dazu gehören Dekorations- und Haushaltartikel wie Duftkerzen, Weihnachtsschmuck, Tischdecken, Bettwäsche. Aber auch Haushaltgeräte und Backartikel wie Pralinéformen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 06.12.2009, 16:37 Uhr
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