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Sonntagsverkauf am Muttertag: Geschäfte und Unia protestieren

Von Rinaldo Tibolla. Aktualisiert am 19.02.2010 4 Kommentare

Trotz grossem Widerstand hat die Stadt entschieden, dass die Geschäfte am 9. Mai offen haben dürfen.

Muss am nächsten Muttertag wohl arbeiten: Verkäuferin in einem Zürcher Modegeschäft.

Muss am nächsten Muttertag wohl arbeiten: Verkäuferin in einem Zürcher Modegeschäft.
Bild: Keystone

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Der erste Zürcher Sonntagsverkauf dieses Jahres fällt ausgerechnet auf den Muttertag am 9. Mai. Das Polizeidepartement hat dieses Datum beim Kanton eingereicht. Dieser hat den Sonntagsverkauf am Muttertag bewilligt. Die Gewerkschaft Unia Zürich zeigt sich «sehr überrascht» über den Entscheid.

«Das ist ein Schlag ins Gesicht der Verkäuferinnen», sagt Maria José de Olazabal, Bereichsleiterin Tertiär bei der Unia Zürich. Gerade im Detailhandel seien die meisten Angestellten weiblich, viele davon Mütter. «Den Muttertag sollte eine Verkäuferin mit ihren Kindern geniessen können.»

«Feiertag für die Familie»

Auch die City-Vereinigung Zürich, der Dachverband für Innenstadt-Geschäfte mit rund 1500 Mitgliedern, distanziert sich vom Entscheid der Stadt, wie Präsident Milan Prenosil auf Anfrage sagt. Die Vereinigung habe nur die Durchführung von drei Sonntagsverkäufen für den November und Dezember beantragt. «Der Muttertag ist ein Feiertag, den die Familie feiern sollte», sagt Prenosil. Die City-Vereinigung verzichte deshalb darauf, dieses Datum ihren Mitgliedern zu empfehlen. «Ich frage mich aber schon, warum unsere sonst so sozial denkenden Behörden ausgerechnet am Muttertag einen Sonntagsverkauf bewilligen», sagt Prenosil. Gleichzeitig schiebt er den schwarzen Peter den Möbelgeschäften zu: «Der 9. Mai wurde von den zuständigen städtischen Stellen wie schon im letzten Jahr auf Antrag der Möbelhändler bewilligt.»

Urs Schubiger, Verwaltungsrat und Marketingchef des grössten Möbelgeschäfts der Stadt, weist den Vorwurf zurück. Die Stadt habe lange nicht gewusst, welchen vierten Sonntag sie auswählen soll – den 25. April oder den 9. Mai. «Weil wir davon ausgegangen sind, dass sich die Stadt sicherlich nicht für den Muttertag entscheiden wird, haben wir mit dem letzten Sonntag im April gerechnet und bereits Werbemassnahmen ergriffen», sagt Schubiger.

Das Unternehmen hat sich nun dennoch dazu entschlossen, am kommenden Muttertag zu öffnen. «Wir müssen an diesem Datum offen haben, weil Sonntage für Möbelhäuser eigentlich umsatzstarke Tage sind – nur nicht die Sonntage im Advent», sagt Schubiger. Diese habe die Stadt auf grossen Wunsch der City-Vereinigung bereits beim Kanton beantragt, weil die Vorweihnachtszeit für die Geschäfte der Innenstadt sehr wichtig ist.

«Unglücklicher Entscheid»

Schubiger hätte gerne das Bewilligungsverfahren von 2007 zurück. Damals waren zwei Sonntage im Advent als Verkaufstage gesetzt. Zwei weitere Sonntagsverkäufe konnte jedes Detailhandelsgeschäft für sich frei bestimmen. Seit dem 1. Juli 2008 läuft das Verfahren weniger individuell. Im neuen Arbeitsgesetz steht: Die Kantone können vier Sonntage pro Jahr festsetzen, an denen Arbeitnehmer in Verkaufsgeschäften ohne Bewilligung beschäftigt werden dürfen. Im Kanton Zürich geschieht dies auf Antrag der Gemeinden.

Warum aber hat die Stadt den 9. Mai bevorzugt? Hat sie kein Herz für Mütter? Doch, aber ein noch grösseres für die Veranstaltung «Kreislauf 4 und 5», bei der 79 Läden und Ateliers auf ihre Kleider, Schuhe, Schmuck und Möbel aufmerksam machen. Seit 2007 wird der «Kreislauf 4 und 5» jährlich durchgeführt. Die Organisatoren hatten den 9. Mai ausdrücklich als Tag für den Sonntagsverkauf gewünscht. «Die Stadt ist dem Anliegen dieser traditionellen Veranstaltung gefolgt», sagt Reto Casanova, Sprecher des Polizeidepartements. Trotzdem sind viele mit dem Datum unzufrieden. «Der Entscheid für den 9. Mai als Verkaufstag ist auch für uns sehr unglücklich», sagt Marco Bisa, Sprecher der Abteilung für Bewilligungen. Diese kritisiert das neue Verfahren im Arbeitsgesetz ebenfalls. Das alte habe sich besser geeignet, weil es individuelle Lösungen ermöglichte. «Damit sich dies wieder ändern könnte, müsste sich aber die Politik einschalten», sagt Bisa.

Diese Forderung stösst etwa bei der FDP auf offene Ohren. «Die Partei steht hinter einer solchen Wiederliberalisierung der Sonntagsverkäufe», sagt Claudia Simon, Geschäftsführerin der FDP Stadt Zürich. Mit ihrer kantonalen Volksinitiative zur Liberalisierung der Öffnungszeiten fahre die kantonale FDP bereits auf dieser Linie.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.02.2010, 04:00 Uhr

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4 Kommentare

Marc Schmid

19.02.2010, 10:14 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Ich bin eigentlich für eine völlige Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten, aber solange Sonntagsverkäufe noch so stark eingeschränkt sind, frage ich mich schon, weshalb man ausgerechnet am Muttertag eine Ausnahme bewilligt. Noch mehr erstaunt mich, dass die Initiative dazu ausgerechnet aus den politisch am weitesten links stehenden Stadtkreisen 4 und 5 stammt. Antworten


Bruno Meier

19.02.2010, 09:27 Uhr
Melden

Eine blödsinnige und familienfeindliche Entscheidung! Aber wir Konsumenten haben es selber in der Hand, dafür zu sorgen, dass das nächstes Jahr nicht wieder vorkommt: Boykott! Gehen wir einfach nicht einkaufen an diesem Sonntag. Wenn die Geschäfte leer sind, dann werden es sich die Inhaber gut überlegen, ob sie nächstes Jahr wieder am Muttertag offen haben werden. Antworten



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