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Spielend Deutsch lernen

Von Monica Müller. Aktualisiert am 21.10.2011 27 Kommentare

Im Zentrum Krokodil in Schwamendingen lernen Zwei- bis Fünfjährige in der Spielgruppe Deutsch und machen erste Schritte ohne ihre Eltern. So soll ihnen der Einstieg in den Chindsgi leichter fallen.

Früh übt sich: Gordana Djuric zeigt den Kindern ihn der Spielgruppe «Krokodil» Bilder von Tieren und Dingen.

Früh übt sich: Gordana Djuric zeigt den Kindern ihn der Spielgruppe «Krokodil» Bilder von Tieren und Dingen.
Bild: Sabina Bobst

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«Welches Tier hat gern Nüsse?», fragt Gordana Djuric in die Runde. «Ich!», antwortet Sofia. «Der Fuchs?», sagt Ajay fragend. Gordana Djuric schüttelt den Kopf. «Welche Tiere leben auch noch im Wald?» Sie raschelt in einer Schüssel voller Laub und Äste und zieht ein Plastiktierchen nach dem anderen hervor. «Was ist das?» – «Ein Fuchs!» – «Ein Igel!» – «Eine Schnecke!» – «Eine Spinne!»

Um das Tier, das gerne Nüsse hat, geht es in der Geschichte, die Gordana Djuric, die Spielgruppenleiterin, nun erzählt. Es ist die Geschichte der Maus, die unter einem Baum sitzt und der eine Nuss auf den Kopf fällt. Sie will sich das nicht einfach so gefallen lassen und macht sich auf die Suche nach dem Schuldigen. Die Kinder sitzen im Kreis, ihre Beine baumeln in der Luft, und sie hören gebannt zu. Als Erstes knöpft sich die Maus den Hasen vor: «Warum hast du eine Nuss auf mich geworfen?» Der Hase antwortet: «Das war nicht ich, ich habe gerade ein Rüebli gegessen. Komm, wir fragen den Fuchs.» Und so ziehen sie zu Reh, Igel, Vogel und Wildschwein, fragen sie alle, während Djuric die Tiere im Bild zeigt. Schliesslich finden die Tiere das Eichhörnchen, das Nüsse sammelt für den Winter.

«Welche Jahreszeit haben wir jetzt, ist es auch Winter?», fragt Djuric. Sie zeigt ein Bild von Schnee. «Schneit es draussen?» Einige Kinder stehen von ihren Stühlen auf, gehen zum Fenster und schauen raus. «Nein», sagt Tjen-Han. Djuric zeigt ein Foto, auf dem es regnet: «Regnet es draussen?» – «Ja», sagt Prithy. Während Tiere und Jahreszeiten vorbeiziehen, verabschieden sich auch die Eltern diskret.

Viele erstmals ohne Eltern

Die meisten Kinder sind rund drei Jahre alt und in der Spielgruppe erstmals von ihren Eltern getrennt. Sie sprechen daheim Spanisch, Taiwanisch, Italienisch, Mandarin, Türkisch oder Serbisch. Seit dem Sommer besuchen sie die «Spielgruppe Plus» im Zentrum Krokodil zweimal die Woche. Das Plus steht für Sprachförderung. Einige haben in dieser kurzen Zeit schon viele Worte auf Deutsch gelernt, andere können erst sagen, dass sie Hunger oder Durst haben oder aufs WC müssen.

Während die Mädchen und Buben nun ihren eigenen Wald basteln und Laub auf ein Blatt Papier kleben, holt Djuric jeweils zwei, drei Kinder zu sich ins Nebenzimmer. Je nachdem, was sie schon verstehen oder sagen können, übt sie etwas anderes mit ihnen. Sie legen Spielkarten mit Badehosen, Schirmen und Ohrwärmern auf das Sommer-, Herbst- oder Winterbild. Sie fassen sich an ihre Füsse, Arme, Beine und Bäuche. Sie schnappen wie das Krokodil, muhen wie die Kuh oder knurren wie der Hund. Oder sie sortieren Spielkarten: Das sind Tiere, das essen wir, das ziehen wir an. Prithy erzählt, dass ihre Mutter sich eben neue Schuhe gekauft habe.

Start im Chindsgi erleichtern

Auch beim Znüni bauen die Kinder ihren Wortschatz aus. «Wer hat gern Gurke?» – «Ege.» – «Was isst Tjen Han?» – «Einen Apfel.» – «Wer hat Durst?» – «Giovanni.» Anschliessend spielen sie nach Lust und Laune. «Beim Spielen brauchen die Kinder eine gemeinsame Sprache», sagt Zentrumsleiterin Simone-Dominique Hefty. «Das motiviert sie, Deutsch zu lernen.»

Viele der Kinder in der Spielgruppe haben ältere Geschwister, die beim Eintritt in den Kindergarten Mühe hatten. «Sie waren im Chindsgi erstmals von ihrer Mutter getrennt, mussten auf einmal still sitzen und verstanden erst mal nichts – das ist natürlich der Horror.» Um das den jüngeren Geschwistern zu ersparen, schicken die Eltern sie in die Spielgruppe. «Wir ermöglichen ihnen einen sanften Einstieg in einen Tagesablauf mit Regeln», sagt Spielgruppenleiterin Djuric. Hier könnten sie die Ablösung von den Eltern langsam angehen und gleichzeitig Deutsch lernen.

Im Krokodil trifft man sich

So spielerisch die Kinder Deutsch lernen, so leicht gelangen auch die Familien ans Zentrum Krokodil. Hier arbeiten 40 Mitarbeiterinnen mit 13 verschiedenen Muttersprachen – sie kochen Thailändisch, flicken Kleider im Nähatelier oder unterrichten ihre Muttersprache. Sie leben im Quartier, sind mit ihren Landsleuten und Nachbarn vernetzt. Viele Eltern suchen das Zentrum Krokodil auch für die Mütter-Väter-Beratung oder für Deutschkurse auf und erfahren so von der Spielgruppe Plus. Das Zentrum Krokodil ist ein privater Verein und wird vom Sozialdepartement der Stadt Zürich mitfinanziert.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.10.2011, 08:57 Uhr

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27 Kommentare

Doris Doebeli

21.10.2011, 09:18 Uhr
Melden 40 Empfehlung

Bravo, dies ist förderungswürdig und ich hoffe, es wird noch weitere soche Zentren geben. Das ist das beste Beispiel für vermehrte Integrationsbemühungen und das finanziere ich gerne mit ein paar Steuerfranken. Antworten


Paul Giger

21.10.2011, 09:05 Uhr
Melden 34 Empfehlung

Ist es nicht wunderbar, dass es Behördenmitglieder gibt die in der Lage sind unseren Jungen Leute so zu schulen, dass sie später mit Erfolg in unserer Gesellschaft aufgenommen werden kann. Die ewigen schlechtmacher und Ausländerhasser sollten auch in solche Kurse gehen, damit sie richtig deutsch lernen, oder auch eine andere Fremdsprache. Der Hass würde sich bestimmt legen. Antworten



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