Stadionbauer gesucht

Die Stadt startet heute den Investorenwettbewerb fürs neue Fussballstadion auf dem Hardturmareal. Es gibt einige Interessenten.

1947 spielte die Schweiz gegen England im Hardturmstadion. Die Schweizer gewannen 1:0. Foto: Keystone, Photopress

1947 spielte die Schweiz gegen England im Hardturmstadion. Die Schweizer gewannen 1:0. Foto: Keystone, Photopress

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Es geht wieder etwas in der Stadionfrage. Die Stadt publiziert heute die Richtlinien für den Investorenwettbewerb. Gesucht wird ein Bieterteam, das auf dem Hardturmareal vorab ein Stadion für den FCZ und GC sowie Wohnungen baut. Damit ist bereits eine Bedingung formuliert. Ein anderer Standort kommt nicht infrage. Weitere Bedingungen sind als Rahmen formuliert: 18 000 Zuschauern soll die Arena Platz bieten (14 000 Sitz- und 4000 Stehplätze), und von den Neuwohnungen sollen rund 175 gemeinnützig sein, sprich: günstig. Das sind 20 Wohnungen mehr, als im September 2013 für die geplante städtische Siedlung vom Stimmvolk gutgeheissen wurden.

Die Stadt fordert ein ökologisch nachhaltiges Projekt, was den Betrieb und den Unterhalt betrifft. Zudem soll es bezüglich Architektur, Quartierverträglichkeit, Technik und Aussenraumgestaltung «zukunftsweisend» sein. Finanzvorsteher Daniel Leupi stellt klar, dass die Stadt keinen Rappen in Bau und Betrieb der Arena stecken wird. Als «wahrscheinlich» bezeichnet er hingegen, dass die Stadt beim Ertrag aufs Land, das sie im Baurecht abgibt, wird Abstriche machen müssen. Die Höhe des Baurechtszinses wird eine grosse Rolle spielen beim Entscheid, welcher Bauherr den Zuschlag erhält – auch wenn nicht notgedrungen der Meistbietende gewinnt, wie Leupi betont: «Das Gesamtbild muss stimmen.» Die 15-köpfige Jury mit drei Stadträten, einem Quartiervertreter und Baufachleuten wird im Juni 2016 das Siegerprojekt bestimmen. Je nach Höhe des Baurechtszinses muss das Volk sein Okay geben. Je tiefer dieser liegt, desto eher braucht es einen Urnengang. Ebenfalls vors Volk könnte der Gestaltungsplan kommen, der vom Gemeinderat festgelegt wird. Dieser ist nötig, da die Baumasse ausserordentlich sein wird. Neben dem Sta­dion­areal können zwei grosse Baufelder bebaut werden. Auf dem westlichen Feld sind Hochhäuser von 80 Metern oder noch mehr denkbar, auf der Seite der Bernoullihäuser müssen die Bauten wegen des Schattenwurfs weniger hoch ausfallen.

«Endlich wieder Bewegung»

Jetzt sind bauwillige Investoren und Architekten gefragt. Einige Teams sind bereit, auch wenn sie sich teils wortkarg geben. Die Halter AG will die Details des Wettbewerbs prüfen und «die bereits geführten Vorgespräche mit potenziellen Projektpartnern vertiefen», wie CEO Markus Mettler sagt. Auch wenn die politischen Risiken «beträchtlich» seien, hält Mettler fest, dass ein «wirtschaftlich tragfähiges Projekt im Bereich des Möglichen» liegt. Mettler geht von einer ­Investitionssumme von 550 Millionen Franken aus und sagt erleichtert: «Endlich ist wieder Bewegung ins Projekt gekommen.» Er lässt durchblicken, dass die Halter AG nicht auf das Projekt von Burkard Meyer Architekten setzt, das 2013 an der Urne gescheitert ist.

Auf die Pläne der Badener Architekten zurückgreifen könnte die HRS Real Estate. Das Tandem spannt bereits beim Bau des neuen Aarauer Stadions zusammen. Von HRS hiess es gestern knapp: «Wir prüfen eine Teilnahme am Investorenwettbewerb.»

Ein weiterer möglicher Teilnehmer ist die Swiss Prime Site (SPS). Beim Immobilienunternehmen war die entscheidende Person gestern nicht erreichbar, doch hat sich die SPS bereits mit einem Projekt ins Spiel gebracht. Sie schlug vor, für 130 Millionen ein Stadion zu bauen und es für 1 Franken abzugeben. Bedingung: nur 60 günstige Wohnungen und Gratisland. Als Investitionssumme gab die SPS 500 Millionen Franken an.

Klar äussert sich Alexander Maier von Maier Hess Architekten. «Wir werden mitmachen», sagt er und versichert, «namhafte Investoren» im Boot zu haben. Nun hofft er, dass das städtische Raumprogramm bei der Ausschreibung nicht zu üppig ausfällt. Denn: «Je weniger Schnickschnack, desto günstiger.»

Wann der Ball im neuen Stadion rollt, ist unklar. Hochbauvorsteher André Odermatt (SP) hatte vor Jahresfrist von 2019/20 gesprochen. Stadtratskollege Leupi will sich nicht festlegen. Es wird eher später werden.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.09.2015, 23:38 Uhr

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