Zürich
Stadt Zürich will ihren Angestellten Zugang auf Facebook verbieten
Von Stefan Häne. Aktualisiert am 27.03.2009 13 Kommentare
Künftig nur noch in der Freizeit: Nach Credit Suisse und SBB will auch die Stadt Zürich die Facebook-Nutzung ins Privatleben verbannen. (Bild: Keystone)
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Der Bogen ist überspannt: «Jetzt greifen wir ein», sagt Daniel Heinzmann, Direktor der städtischen Abteilung Organisation und Informatik. Die rund 24'000 Angestellten der Stadtverwaltung klicken keine Internetseite häufiger an als Facebook, wo sich Kontakte zu Menschen in aller Welt knüpfen lassen. Von den 15'000 Computern der Stadtverwaltung wird Facebook wöchentlich rund eine halbe Million Mal aufgerufen. Pro Kopf ergibt dies durchschnittlich fast fünf Klicks pro Tag.
Bei dieser Anzahl von Zugriffen, so Heinzmann, könne man nicht mehr von einem «mässigen privaten Internet-Gebrauch» während der Arbeit sprechen, wie dies dem Stadtrat vorschwebe. «So geht kostbare Arbeitszeit verloren.» Wer zu den häufigsten Benutzern gehört, wird nicht registriert, wie Heinzmann versichert. Mit Sanktionen müsse deshalb niemand rechnen. Heinzmann hat für die Faszination von «Social Networks» zwar Verständnis; er warnt aber vor Reputationsrisiken für die Stadt, wenn einzelne Mitarbeiter auf Facebook mit negativen Äusserungen auffallen. Man könne auf Facebook nicht davon ausgehen, dass Aussagen privat bleiben würden.
Nach den SBB und der Credit Suisse folgt die Stadt
Das Problem der übermässigen Facebook-Nutzung kam diese Woche bei den städtischen IT-Fachleuten zur Sprache. Fazit: Facebook soll nicht mehr zugänglich sein. Dieser Ansicht ist auch Heinzmanns Vorgesetzter, Finanzvorstand Martin Vollenwyder (FDP). Am 7. April wird die IT-Delegation, zu der drei Stadträte gehören, den Antrag behandeln. Stimmt sie ihm zu, folgt die Stadt Zürich dem Beispiel der Gemeinde Stäfa, den SBB und der Credit Suisse, die den Zugriff auf diese Seite seit längerem unterbunden haben. Mit Facebook wird die Stadt aber nicht zum ersten Mal eine Internetseite sperren. Seit mehreren Jahren schränkt ein «Schmuddelfilter» den Zugriff auf problematische Websites ein, etwa solche mit pornografischen oder rassistischen Darstellungen.
Einen anderen Weg beschreitet der Kanton Zürich mit seinen 40'000 Angestellten. «Wir setzen auf Eigenverantwortung, weil wir unseren Mitarbeitenden vertrauen», sagt Regierungssprecherin Susanne Sorg. Gesperrte Internetseiten gibt es beim Kanton nicht. Die private Nutzung des Internets ist durch eine Verordnung geregelt, welche alle Angestellten unterschreiben müssen. Die Teilnahme «an interaktiven Medien» ist darin untersagt. Internetseiten mit rechtswidrigem, pornografischem, rassistischem, sexistischem oder gewaltverherrlichendem Inhalt dürfen weder angewählt noch genutzt werden. Ob die Angestellten das Verbot befolgen, ist aber offen. Die IT-Spezialisten des Kantons kontrollieren laut Sorg nur auf begründeten Missbrauchsverdacht hin. Entsprechende Hinweise seien bislang aber nicht aufgetaucht. Ändere sich dies, werde der Kanton die Facebook-Seite möglicherweise sperren. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 27.03.2009, 07:29 Uhr
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