Stadt und CS resignieren: Es gibt nur ein halbes Hardturmstadion

Von Simon Eppenberger. Aktualisiert am 05.06.2009 11 Kommentare

Die Stadt baut ein Stadion mit 20'000 Plätzen – und verabschiedet sich von der kommerziellen Nutzung. Die Anwohner hätten das Projekt mit gezielter Verzögerung zu Fall gebracht, sagt Stadträtin Kathrin Martelli.

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Gemäss ersten Skizzen könnte das neue Hardturmstadion so aussehen.

   

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Stadt beteiligt sich mit 5 Millionen am Projekt

Ein weiterer Grund für das Scheitern des ursprünglichen Projektes ist, dass sich die Betriebsgesellschaft nicht mit den Clubs einigen konnte, sagt Martin Vollenwyder. Die Kosten von 100 Millionen Franken will man mit einer neuen Aktiengesellschaft auftreiben. Die Stadt werde mit rund 5 Millionen Franken einsteigen. Denkbar sei auch die Beteiligung der Clubs. Weiter sollen die Fans Aktien kaufen.

Am Ende sollen so 20 bis 30 Millionen Franken zusammenkommen. «Mit einer solchen Basis können wir leichter Kapital aufnehmen», sagt Vollenwyder. Damit falle ein kompliziertes Konstrukt mit Garantieren durch die öffentliche Hand weg, sagt Vollenwyder.

Dann können wir die Generalversammlung der Volks-AG gleich im Stadion machen, sagt Vollenwyder. Es sei grundsätzlich ein struktureller Optimist und glaube an das neue Projekt und die Akzeptanz durch die Fussballclubs.

Die kommerziellen Nutzflächen sollen von privaten Investoren finanziert werden. Die Kosten schätzt die Credit Suisse auf 300 Millionen Franken. Damit kommt das Projekt nahe an die ursprünglich vorgesehenen Investitionen von 450 Millionen Franken.

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Das Hardturmstadion ist ein Scherbenhaufen. Zwischen Eigentümerin, Betriebsgesellschaft, Betreiber und Vereinigung konnte bis zuletzt keine Einigkeit erzielt werden, teilt die Trägerschaft des Hardturmstadions heute Donnerstagmorgen an einer Medienkonferenz mit. Deshalb verabschiedet sich die Stadt Zürich und die CS vom bisherigen Konzept. Die Mantelnutzung ist vom Tisch, die kommerziellen Nutzungen sollen auf einem separaten Areal realisiert werden.

Kritik an die Anwohner

Das Stadion soll trotzdem gebaut werden. Peter Lehmann, Leiter Immobilien-Entwicklung bei der Credit Suisse, erläutert die neuen Pläne für das Hardturmstadion. Demgemäss wird das neue Station Platz für 20'000 Fussballfans bieten, statt wie bisher geplant für 30'000. Geplant und errichtet wird es durch die Stadt Zürich, kosten wird es voraussichtlich 100 Millionen Franken.

Markus Graf, Leiter Immobilien-Investitionen bei der Credit Suisse, kritisiert die rekurrierenden Anwohner: Nicht das Verbandsbeschwerderecht sei schuld am Niedergang der bisherigen Pläne, «sondern eine hartnäckige Anwohnergruppe, denen die Verzögerung des Projektes ein wichtiges Anliegen ist.»

«Grösserer Millionenbetrag» in den Sand gesetzt

«Die Planung hat uns bisher einen zweistelligen Millionenbetrag gekostet», sagt Graf weiter. Nähere Angaben zu diesem Aufwand machte Graf nicht. Jedoch seien die Aufwendungen nicht alle abzuschreiben, da der Wert des Grundstückes mittlerweile gestiegen sei, so Graf. Die Stadt Zürich gibt laut Vollenwyder an, einen einstelligen Millionenbetrag aufgewendet zu haben.

Büro und Wohnflächen, aber kein Shoppingcenter

Neben dem reinen Fussballstadion sollen separate Flächen für die kommerzielle Nutzung realisiert werden. Sie umfassen laut Lehmann eine Fläche von 60'000 Quadratmetern und sind in Büro- und Wohnflächen aufgeteilt. Ein kleiner Teil ist für Verkaufsgeschäfte vorgesehen. Ein Shoppingcenter wird es nicht geben.

Möglich machen soll dieses neue Bauvorhaben ein Landabtausch zwischen der Credit Suisse und der Stadt Zürich. Zudem werden die Gebäude etwa halb so hoch, wie die bisher projektierten. Damit falle der viel diskutierte Schattenwurf weg, sagt Lehmann.

Neues Projekt könnte früher gebaut werden

Mit der Baubewilligung rechnen wir im Jahr 2011 oder Anfang 2012, sagt Lehmann. Im optimalen Fall sind wir dann früher fertig als mit dem alten Projekt, das frühestens Ende 2014 realisiert worden wäre.

«Das ist eine schlechte und eine gute Nachricht», sagt Kathrin Martelli. «Schlecht für die Stadt Zürich ist, dass das vorgesehene Projekt zu den Akten gelegt wird. Gut ist, dass wir das Ziel eines neuen Fussballstadions nicht aus den Augen verlieren», sagt Martelli.

«Es ist höchst bedenklich, dass ein demokratischer Entscheid mit Rechtsmittelverfahren unterlaufen werden kann», so Martelli weiter. Insbesondere, da die Anwohner das Projekt durch die gezielte Verzögerung zu Fall brachten. «Das ist für die Stadt und den Stadtrat eine bittere Pille», meint Martelli.

Das neue Projekt ist bloss eine Skizze

Die Stadträtin betont, dass das neue Vorhaben noch kein Projekt sei, sondern erst eine Skizze. Ob es im bestehenden Gestaltungsplan realisiert werden kann, stehe noch nicht fest. Ein neuer Wettbewerb soll ausgeschrieben werden.

Es soll eines der ökologischsten Stadien der Welt werden, sagt Martelli. Und es soll vor allem ein Stadion für den Fussball und die Fans werden, in dem eine gute Stimmung herrscht. Weiter äussert sich Martelli zum Letzigrund: Es wird keinen Umbau geben. Das Stadion werde wie gehabt für die Leichtathletik zur Verfügung stehen.

Fussball soll diesmal früher einbezogen werden

«Wir von GC glauben zu 100 Prozent an das neue Projekt», sagt Martin Blaser vom Grasshopper Club Zürich. Er kritisiert, dass die Hauptnutzung, der Fussball, zuerst viel zu spät eingebunden worden sei. Mit dem neuen Projekt sei das anders und er freue sich auf das neue Stadion, das für den Fussball und für Zürich wichtig sei, sagt Blaser.

«Für uns war es nicht überraschend, als wir Anfang Woche darüber informiert wurden, dass das Projekt abgebrochen wird», sagt FCZ-Präsident Ancillo Canepa. Sorgen bereitet ihm der Zeitplan. «Ich hoffe, dass sich die Anwohner nicht wieder querstellen.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.06.2009, 13:21 Uhr

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11 Kommentare

Adrian Krebs

04.06.2009, 17:07 Uhr
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Sehr bedauerlich für die grösste und vermutlich reichste Stadt, dass man nicht mit anderen Metropolen der Nation schritt halten kann. Kulturell lebt der Fussball nicht nur von Spielen gegen Vaduz mit 5'000 Zuschauern, sondern vorallem den Highlights wie im Saisonfinish des FCZ oder den Europacup Erfolgen der Grasshoppers oder der Schweizer Nati mit weit mehr als 20'000 Ticketanfragen! Antworten


Jecklin Hans

04.06.2009, 20:19 Uhr
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Frau Martelli: Rechtsmittelverfahren gehören ebenfalls mit zur Demokratie. Sie schützen die Einzelnen vor dem Übergriff der Mehrheit auf ihre Rechte. In diesem Fall klar vor der Maximierung einseitiger kommerzieller Interessen unter dem Schutz von Stadt und Sport. - Und zur Sache: Wie gross ist der Verlust, dass nun nicht noch ein weiteres Shopping-Center gebaut wird? Für die Bürger? Für die Welt? Antworten



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