Stadtratswahl: Störmanöver von ganz links

Die AL und die Juso überlegen sich ernsthaft, eine Sprengkandidatur für die Nachfolge von Martin Vollenwyder (FDP) zu lancieren. Den Schaden hätten die Grünliberalen. Derweil herrscht bei der FDP dicke Luft.

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Was in Winterthur bei der Ersatzwahl für FDP-Stadträtin Verena Gick geschehen ist, könnte sich in Zürich wiederholen. Am 26. August knöpfte der Winterthurer Jungsozialist Simon Walter, der ohne den Segen der Mutterpartei angetreten war, dem grünliberalen Kandidaten Michael Zeugin entscheidende Stimmen ab. Das Resultat: Die FDP vermochte mit Barbara Günthard-Maier ihren Sitz im Winterthurer Stadtrat zu verteidigen.

Juso: «Wir sind am Überlegen»

In Zürich ist die Ausgangslage für die Ersatzwahl des zurücktretenden FDP-Stadtrats Martin Vollenwyder am 3. März 2013 sehr ähnlich. Die Freisinnigen wollen ihren Posten verteidigen, die GLP den Sitz erobern. Ob die SVP wie in Winterthur ebenfalls antritt, ist noch offen. Vieles deutet nach dem Zerwürfnis mit der FDP darauf hin.

Auch ein linkes Störmanöver steht zur Diskussion. Noch wollen sich die Juso zwar nicht festlegen. «Wir sind am Überlegen», sagt Juso-Sprecher Rafael Mörgeli gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Doch er ergänzt vielsagend: «Wir kennen das Beispiel Winterthur und haben gesehen, welchen Erfolg Simon Walter erzielt hat.» Die Winterthurer Juso hatten argumentiert, ohne Juso-Kandidatur hätten linke Wähler keine echte Wahl gehabt.

SP: Juso-Kandidatur diskussionswürdig

Bei der Zürcher Mutterpartei ist man offen. «Wenn die Juso eine Kandidatur möchten, können wir das diskutieren», sagt SP-Co-Präsidentin Andrea Sprecher. Sie ist nicht überrascht von den Überlegungen der Jungpartei. Eine eigene Kandidatur stehe für die SP nicht im Vordergrund, da sie schon vier von neun Stadtratsmitgliedern stellt. «Wir warten jetzt noch die Kandidatur der GLP ab», so Sprecher.

Den Juso könne die Mutterpartei aber keine Kandidatur verbieten, sagt sie weiter. Gleichzeitig betont Sprecher das gute Verhältnis zur Jungpartei. Nächste Woche finden gemeinsame Gespräche zum Thema Kandidatur statt.

AL: «Wir diskutieren eine Kandidatur ernsthaft»

Nicht nur bei den Juso, auch bei der Alternativen Liste (AL), die im Parlament immerhin Fraktionsstärke hat, ist die Vollenwyder-Nachfolge ein Thema. «Wir diskutieren eine Kandidatur ernsthaft», sagt AL-Fraktionschef Alecs Recher. Entscheiden werde dies die Vollversammlung. Recher geht davon aus, dass Vorstand und Fraktion mehrere Vorschläge machen werden.

Bei den Jungen Grünen gibt man sich abwartend. «Es wäre aber gelogen, wenn ich sagen würde, dass wir nicht darüber gesprochen haben», sagt Präsident Luca Maggi. Nun schaue man, wen die FDP und die GLP vorschlagen. Die Mutterpartei ist mit zwei Mitgliedern im Stadtrat vertreten.

FDP überrumpelte die Frauen

Bei der FDP wiederum herrscht dicke Luft. Die Partei hat am vergangenen Montag anlässlich der Rücktrittsankündigung Vollenwyders mit Marco Camin gleich den Nachfolgekandidaten vorgestellt. Damit hat die Parteileitung viele überrumpelt. Die FDP-Frauen-Präsidentin Ursula Uttinger etwa war nicht orientiert, obwohl Kantonsrätin und FDP-Frauen-Exponentin Carmen Walker Späh intern an vorderster Front im Rennen war.

Uttinger hat mit einer geharnischten Medienmitteilung reagiert und Camin, der derzeit kein Amt bekleidet, als politisches Leichtgewicht bezeichnet. Dem FDP-Wahlspruch «Leistung muss sich lohnen» lebe die FDP-Findungskommission nicht nach, wenn Camin der verdienten Politikerin Walker Späh vorgezogen werde, schrieb Uttinger. Nicht gerade zur Freude der Parteileitung.

Walker Späh als Gegenkandidatin?

Nun überlegt sich Uttinger, den Delegierten Walker Späh als Gegenkandidatin vorzuschlagen. Entschieden ist aber noch nichts, sagt Uttinger. Sie beklagt, stark unter Zeitdruck gesetzt worden zu sein. Denn die Partei will die Delegierten bereits am kommenden Montag an einer ausserordentlichen Versammlung über die FDP-Kandidatur abstimmen lassen.

Nun muss Uttinger in kurzer Frist den FDP-Frauen-Vorstand einberufen, um einen Entscheid zu fällen. Zwei Bedingungen müssten erfüllt sein: Carmen Walker Späh müsse dies wollen und ihre Chancen müssten intakt sein. «Wir wollen Frau Walker Späh nicht verheizen», betont Uttinger. Deshalb müsse sie zuerst der Partei den Puls fühlen. Walker Späh selbst hält sich bedeckt. Jede weitere Kommunikation sei Sache der Partei, sagt sie auf Anfrage.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 02.11.2012, 12:16 Uhr)

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