«Stadtraum HB wird keine abgekapselte, heile Welt»

Im neuen Quartier entsteht als erstes eine Altersresidenz. Die SBB sind trotzdem überzeugt, dass die neue Innenstadt voller Leben sein wird, sagt Projektleiter Andreas Steiger.

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Andreas Steiger, wer wird die «neue Innenstadt» beim Hauptbahnhof beleben?
Post und SBB konnten Mietverträge mit der Pädagogischen Hochschule und der Bank Clariden Leu abschliessen. Einen Kaufvorvertrag besteht auch mit der UBS. Zudem konnten die SBB einen Grossteil der Wohnungsfläche auf dem Baufeld G an die Di-Gallo-Gruppe vermieten. Diese will dort eine Seniorenresidenz für gehobene Ansprüche bauen.

Diese Namen sind bekannt. Können Sie bereits weitere Namen nennen?
Weitere Verträge haben wir bisher nicht abgeschlossen. Aufgrund der Anfragen zeigt sich aber, dass der Stadtraum HB als Teil der Innenstadt wahrgenommen wird. Dank der Nähe zum Hauptbahnhof ist die Lage für Mieter sehr attraktiv. Dabei dauert es bis zum Bezug noch vier und mehr Jahre.

Eine Hochschule, zwei Banken, eine Altersresidenz: Das tönt noch nicht nach pulsierendem Quartier.
Für Leben sorgen die Menschen, die sich hier aufhalten. Tagsüber sind es rund 2200 Studenten, abends die Besucher von Weiterbildungskursen. Insgesamt werden mehr als 8000 Menschen auf dem Areal arbeiten, wohnen und studieren. Am wichtigsten für die Belebung in der neuen Innenstadt ist aber, was in den Erdgeschossen entlang den neuen Strassen und Plätzen passiert. Ladengeschäfte, Freizeiteinrichtungen und Gastrobetriebe werden auf dem ganzen Areal für ein vielfältiges, urbanes Angebot sorgen.

Trotzdem: Die meisten Wohnungen auf dem Baufeld G zwischen Stellwerk und Lagerstrasse sind für Pflegebedürftige vorgesehen. Sorgen sie für Leben in der neuen Innenstadt?
Die Seniorenresidenz umfasst vorwiegend Wohnungen mit einem Service für aktive Senioren – eine Nutzergruppe, deren Mobilität man nicht unterschätzen darf. Unsere Erfahrungen zeigen, dass gerade ältere Menschen sehr oft mit dem öffentlichen Verkehr unterwegs sind, weshalb die Nähe zum Verkehrsknotenpunkt Hauptbahnhof geradezu ideal ist.

Ihr Ziel ist «eine lebendige, urbane Durchmischung». Nach den reichen Rentnern müssten nun die armen Studenten oder einkommensschwache Familien zum Zug kommen.
Lebendige Durchmischung bedeutet für uns nicht, alle Bevölkerungsgruppen auf den 80’000 Quadratmeter Fläche zu vereinen. Aktuell gibt es an so zentraler Lage weder im Wohnungs- noch im Bürobereich ausreichend Angebote. Das erhöht die Nachfrage und beeinflusst so natürlich auch die Preise. So entwickelt sich der Markt, den die SBB nur beschränkt beeinflussen können.

In belebten Innenstädten ist der Lärmpegel in der Regel hoch. Fürchten Sie bereits Lärmklagen aus der Seniorenresidenz?
Nein. Erstens wird so gebaut, dass im Innern der Gebäude dank guter Isolierung nur wenig von aussen zu hören sein wird. Zudem sind die Wohnungen von der Lagerstrasse zurückgesetzt angesiedelt, sodass sich die Immissionen in Grenzen halten werden. Und die Senioren ziehen ja bewusst an diese belebte Wohnlage.

Stadtraum HB und Kreis 4, das sind zwei Welten, getrennt von nur einer Strasse. Wie wollen Sie verhindern, dass die neue Innenstadt von den Problemen der Langstrasse unberührt bleibt?
Es gibt keine abgekapselte neue, für sich alleine existierende, heile Welt. Die neue Innenstadt wird sehr wohl in einem Wechselspiel mit den umliegenden Quartieren stehen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass sich dieses Wechselspiel positiv auf das ganze Langstrassengebiet auswirkt. Gerade weil durch die neu dazukommenden Bewohner und Besucher die Durchmischung ausgewogener wird. Die umliegenden Quartiere werden durch den neuen Lebensraum aufgewertet und an Attraktivität gewinnen.

(Das Interview mit Andreas Steiger wurde schriftlich geführt.) (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.10.2008, 22:25 Uhr

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