Zürich
Städter greifen früher zum Alkohol
Von Janine Hosp. Aktualisiert am 19.01.2010 2 Kommentare
Kultureller Unterschied: Ausländische Jugendliche trinken weniger Alkohol als Schweizer. (Bild: Keystone)
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Wer montags die Polizeimeldungen vom Wochenende liest, der bekommt den Eindruck, dass Jugendliche in ihrer Freizeit nichts anderes tun als rauchen, kiffen und sich bis zur Besinnungslosigkeit betrinken. Eine Studie des Schulärztlichen Dienstes der Stadt Zürich wirkt hier nun als Korrektiv: Danach rauchen 80 Prozent der Jugendlichen nicht, ähnlich viele trinken keinen Alkohol und kiffen nicht.
Ein positives Ergebnis, meinte Daniel Frey, Direktor des Schulgesundheitsdiensts, gestern vor den Medien. Erstmals hat die Stadt in einer breit angelegten Studie Lebensstil und Gesundheitszustand der Jugendlichen ausgelotet und dazu die Schülerinnen und Schüler aller 2. Sekundarklassen anonym einen Fragebogen ausfüllen lassen. Die Jugendlichen waren damals, im Winter 2007/2008, um die 14 Jahre alt. 1652 der rund 1923 Fragebogen kamen zurück. Anhand der gewonnenen Daten will die Stadt nun möglichst gezielt Präventionsmassnahmen ergreifen.
Die Jungen sind glücklicher
Unter den Jugendlichen gibt es allerdings deutliche Unterschiede: Die Mädchen fühlen sich schlechter als die Jungen; nur 73 geben an, sie seien glücklich, bei den Jungen sind es 84 Prozent. Die Mädchen leiden mehr an Kopfschmerzen und anderen Beschwerden, sie greifen auch häufiger zu Medikamenten und sind unzufriedener mit ihrem Körper als die Knaben.
Die Fachfrauen erklären dies damit, dass sich der weibliche Körper in der Pubertät stärker verändert und sich die Mädchen intensiver mit ihrer Identität auseinandersetzen müssen. Aber: Auch viele Knaben sind mit ihrem Köper nicht glücklich, 48 Prozent finden sich zu dick oder zu dünn (Mädchen: 61 Prozent), und dies, obwohl 75 Prozent der Jugendlichen normalgewichtig sind. Ferdinanda Pini, die Autorin der Studie, geht davon aus, dass künftig auch die Knaben stärker den Geboten des Schönheitsideals unterliegen werden.
Unterschiede zwischen den Klassentypen
Grosse Unterschiede zeigen sich auch zwischen den Jugendlichen der drei Klassentypen. Jene der Sek C und der Sonderklassen rauchen mehr, trinken mehr und sind eher übergewichtig. Zudem machen sie tendenziell früher sexuelle Erfahrungen – 30 Prozent von ihnen ohne Präservativ. Die Fachleute begrüssen es, dass die Sekundarstufe nun nur noch in zwei statt drei Abteilungen geführt wird. Die schwächeren Schüler würden so weniger stigmatisiert, und sie könnten sich an besseren Schülern orientieren.
Die Studie zeigt aber auch, dass ausländische Jugendliche zurückhaltender Alkohol, Cannabis und Tabak konsumieren als Schweizer. Bei der Suchtpräventionsstelle vermutet man den Grund bei den strikteren Regeln, welche andere Religionen gegenüber Suchtmitteln kennen.
Die erste Zigarette mit 12 Jahren
Die Zürcher Jugendlichen machen zudem früher Erfahrungen mit Alkohol oder Tabak als jene in der übrigen Schweiz, nämlich mit 12 statt mit 13 Jahren. Das ist problematisch, denn je tiefer das Einstiegsalter, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Konsum zur Gewohnheit wird. In Zürich rauchen aber weniger Jugendliche regelmässig Cannabis. Die Fachleute führen dies auf die flächendeckende Suchtprävention, aber auch auf das grosse Freizeitangebot zurück.
Welche Schlüsse ziehen die Fachleute aus der Studie? Sie wollen die Prävention verstärkt auf das Geschlecht ausrichten: Bei Mädchen sollen vermehrt Themen wie Körper und Beziehungen angesprochen werden, bei Knaben die Gewalt. Die Fachleute betonen zudem, dass insbesondere ein gutes Schulklima einen positiven Effekt auf das Verhalten der Jugendlichen hat. Der Schulgesundheitsdienst möchte künftig alle vier Jahre eine solche Studie durchführen.
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Erstellt: 19.01.2010, 04:00 Uhr
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2 Kommentare
Irgendwie kann ich dieser Studie nicht glauben! Wir sind vor 5 Jahren von Zürich in eine Gemeinde im Kt. Thurgau gezogen. Wir glaubten, wir fänden ein wenig "heile" Welt. Als unser damals 16jähriger Sohn die ersten Jungs hier traf und wir von denen erfahren haben, dass die schon mit 13 gekifft und Alkohol konsumiert haben, waren wir entsetzt. Antworten
Es ist bekannt, dass allgemein der Alkoholkonsum bei Jugendlichen zurückgeht, die verbleibenden Konsumenten aber mehr konsumieren, was hier nicht zum Ausdruck kommt. Hingegen ist das frühe Eintrittsalter sehr alarmierend. Wenn die Fachleute einen Erfolg sehen und ihn teilweise der flächendeckenden Suchtprävention zuschreiben, die ich in Frage stelle, können sie das kaum als Erfolg ansehen. Antworten
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