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Städtische Beamte verschmähen Vaterschaftsurlaub

Von Beat Metzler. Aktualisiert am 02.04.2009 2 Kommentare

Wenn Angestellte der Stadt Vater werden, bekommen sie neu zehn Tage frei. Doch viele werden das neue Angebot nicht nutzen.

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Stell dir vor, es sind Ferien und niemand geht hin. Gibt es nicht? In der Stadtverwaltung schon. Seit über sieben Jahren dürfen männliche Angestellte fünf Tage zu Hause bleiben, wenn ihre Partnerin ein Kind bekommt. Am Mittwoch hat der Gemeinderat diese Zahl sogar verdoppelt. Nun haben frisch gewordene Väter das Anrecht auf zwei Wochen bezahlten Urlaub.

Dass sich jetzt Hunderte von Neo-Papis auf die Freitage stürzen und so ein Loch in die Stadtkasse reissen, wie es die SVP befürchtet, ist anzuzweifeln. Denn schon der fünftägige Vaterschaftsurlaub ist nicht sonderlich gut angekommen. 2005 haben die städtischen Väter 172 Tage bezogen, 2006 waren es 55 Tage, 2007 sogar nur 48 Tage. Die Stadt beschäftigt rund 24'000 Angestellte, und die haben etwa 11'000 Kinder, wie das Personalamt aufgrund der Kinderzulagen angibt. Bei einer konservativen Schätzung werden rund 200 städtische Angestellte pro Jahr Vater. Sie hätten zusammen also 1000 Tage Vaterschaftsurlaub einziehen können. Was bedeutet, dass 2007 höchstens jeder 20. Vater sein Recht auf eine Säuglingspause einforderte.

Sozialer Druck oder Pflichtgefühl?

Das erstaunt. In privaten Unternehmen, die den Vaterschaftsurlaub freiwillig eingeführt haben, liegt die Quote bedeutend höher. Bei der Swiss Re, die das Angebot seit über zehn Jahren intern fördert, werde es «extrem gut genutzt», wie eine Sprecherin sagt, und zwar von gewöhnlichen Angestellten bis ins hohe Kader. Genaue Zahlen fehlen allerdings, weil die zwei Wochen als normale Ferien abgebucht werden. Bei der Migros Zürich, die ihren Angestellten seit Mitte 2004 eine Woche, seit 2007 zwei Wochen Vaterschaftsurlaub anbieten, haben bisher 292 Männer «Baby-blau» gemacht. Bei 9000 Mitarbeitern entspricht das etwa 300 Tagen Vaterschaftsurlaub pro Jahr (gerechnet auf fünf Tage), was die Werte der Stadt um ein Mehrfaches übersteigt.

«Abbild der Gesellschaft»

Warum verschmähen ausgerechnet die bei der Stadt angestellten Väter ihre Freitage? Weil sie, allen Klischees des gemütlichen Beamten zum Trotz, einem starken Pflichtgefühl folgen? Schlechte Väter sind? Oder sich schlicht nicht trauen? Bei der Stadt ist man ratlos. Umfragen gibt es keine. Beim Personalamt vermutet man, die Quote sei ein «Abbild der Gesellschaft», die den Vaterschaftsurlaub als unnötig betrachte. Die Bereitschaft hänge aber auch vom Milieu ab, sagen Mitarbeiter. Für Kadermitglieder, die sich für unersetzlich hielten, komme eine Baby-Auszeit nicht in Frage. Auch Angestellte mit tieferer Bildung würden sich eher weigern, wegen eines Neugeborenen auf die Arbeit zu verzichten, weil dies nicht ihrem Rollenbild von Mann und Frau entspräche.

«Sicher spielt auch die Betriebskultur mit», vermutet die grüne Gemeinderätin Karin Rykart Sutter, welche die Verlängerung auf zwei Wochen mit einer Motion angestossen hatte. Es könne sein, dass sich Väter mit dem Urlaub unbeliebt machten, weil dieser etwas koste und zudem mehr Arbeit für die Mitarbeitenden verursache. Die Verlängerung findet Rykart trotz der tiefen Akzeptanz nötig. Denn die Beziehung zwischen Vater und Kind müsse von der Geburt weg gefestigt und der Vater früh in die Erziehung involviert werden. Im Gemeinderat teilten sämtliche Parteien diese Meinung – ausser der SVP. Man könne auch ohne Sonderurlaub ein guter Vater sein, sagte Roger Liebi in der ideologisch aufgeheizten Debatte.

Rykart hofft nun, dass die Verlängerung einen Wandel auslöst: «Die Väter sollen ihre Erziehungsverantwortung endlich wahrnehmen können.»

Mehr Nachrichten und Hintergründe aus der Stadt Zürich gibt es täglich im Regionalbund des Tages-Anzeigers. Schreiben Sie direkt an stadt@tages-anzeiger.ch (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.04.2009, 20:03 Uhr

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2 Kommentare

Toni Müller

03.04.2009, 09:37 Uhr
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Vielleicht ist es ja auch so, dass die Mütter ihre langweiligen Beamten gar nicht zu Hause haben wollen und lieber haben, wenn die aus dem Haus sind und arbeiten. Vor allem in trationell konservativen Familien sind Väter, die zu Hause bleiben und nicht bereit sind, im Haushalt mitzuhelfen, für die Mütter eher eine Belastung. Die Erziehung der Kinder bleibt in solchen Familien eh Sache der Mütter. Antworten


danilo zink

03.04.2009, 07:31 Uhr
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die papis sind wohl froh, dass sie dem babygeschrei ausweichen können und gehen darum auch lieber ins office.... ;-) Antworten



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