Zürich
Still in der Mitte
Von Monica Müller. Aktualisiert am 02.02.2010 1 Kommentar
«Hochspannende Reformen»: Schulvorsteher Gerold Lauber.
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Vor vier Jahren präsentierte sich Gerold Lauber auf Wahlplakaten vor dem Matterhorn mit den Worten «senkrecht, kantig, wetterfest». Diesmal wirbt er auf dezentem weissen Hintergrund mit dem Slogan «Extrem in der Mitte». Hat der Gipfelstürmer im rauen Wind an Profil verloren?
Ratskollegen von links bis rechts erinnern sich gerne an Gerold Laubers Zeit als Präsident der CVP/EVP-Fraktion. Er habe über die Parteigrenzen hinaus den Kompromiss gesucht, ohne Wischiwaschi zu politisieren. Seine Voten seien scharfzüngig, frech, auf den Punkt gewesen. Die Erwartungen an den Walliser waren hoch, sein Start als Exekutivpolitiker aber holperig. In seinem ersten Jahr als Schulvorstand wurde die Vergewaltigung einer Schülerin in Seebach bekannt, der Lehrerstreit im Schulhaus Bachtobel, die angebliche Horrorklasse am Schulhaus Borrweg.
Technokrat oder Schaffer?
In der Aufarbeitung der vermeintlichen und wirklichen Skandale und Krisen machte Lauber eine schlechte Figur. Er wirkte unsicher, bisweilen auch schlecht informiert und organisiert. Heute sagt er: «Ich habe die Dynamik dieser Geschichten unterschätzt.» Das teilweise landesweite mediale Gewitter sei ihm an die Substanz gegangen. «Vielleicht kommunizierte ich eine Zeit lang unbewusst vorsichtiger, heute informiere ich aber proaktiv und transparent.»
Um Alarmzeichen schneller zu erkennen, hat Lauber die Informationsflüsse verbessert und lässt jede Woche aus den Schulkreisen rapportieren. Im Sandwich zwischen den Kreisschulpflegen und der kantonalen Bildungsdirektion hat der 53-Jährige nur beschränkte Kompetenzen. Trotzdem ist und bleibt das Schul- und Sportdepartement sein Wunschdepartement. «An der Volksschule finden hochspannende Reformen und Paradigmenwechsel statt.» Die Schule habe sich in 175 Jahren nie derart umfassend verändert. Auch wenn die Umsetzung der Reformen manchmal Sisyphusarbeit sei – er glaube an deren Inhalt.
Angenehmer Zeitgenosse
Kritiker bezeichnen ihn als Technokraten, werfen ihm vor, sich in der Administration zu verstecken, die Schüler ob den Strukturen zu vergessen, keine grossen Würfe gelandet zu haben. Programme wie «Purzelbaum», das die Bewegung im Kindergarten fördern und eine gesunde Znüni-Kultur propagieren soll, werden als Papiertiger bezeichnet, die nichts Neues bringen. Weggefährten hingegen loben seine Dossierkenntnis, seinen grossen Einsatz für die Schule und die Kinder. Sie nennen ihn einen Schaffer, keinen Blender.
Einig ist man sich, dass der CVP-Stadtrat kein begnadeter Kommunikator, dafür ein äusserst angenehmer Zeitgenosse sei. Gerold Lauber ist in Täsch aufgewachsen, hat in Bern Jus studiert und lebt seit 1983 in Schwamendingen. Er ist verheiratet und Vater von vier erwachsenen Kindern. Seine katholische Kindheit habe ihn wohl geprägt, aber er sei ein schlechter Katholik, der den strikten Verdikten aus Rom nicht immer viel abgewinnen könne. «Ich habe andere Leitsterne.»
«Immer in der Mitte»
Bevor er sein Exekutivamt angetreten hat, war er 22 Jahre als Jurist in internationalen Konzernen tätig und viele Jahre Schulpfleger. Seit 15 Jahren bietet er in Schwamendingen im Pfarreizentrum St.Gallus unentgeltliche Rechtsauskunft für alle. «Das Internationale fehlt mir heute nicht, ich mag das Lokale.»
Wann politisiert Gerold Lauber rechts, wann links der Mitte? Antwort: «Die Mitte ist kein Punkt, sondern eine Fläche. Ich bin immer in der Mitte.» Schon in Täsch, wo alle Gelb oder Schwarz waren, sei seine Familie gelb-schwarz gewesen. Lauber stellt eine Polarisierung der Politik fest, die er bedauert. Über seine Wahlchancen will er nicht spekulieren: «Sie sind intakt.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 02.02.2010, 15:49 Uhr
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1 Kommentar
Wie lange schauen die Wähler dem Treiben von Lauber zu? Was sich in seiner Amtszeit so alles abspielte, in Schulhaus Seebach und andern Orten. Vergesst deshalb nicht, was Ihr Euch mit Lauber ins Nest setzt. jeder andere Kandidat ist die bessere Alternative. Antworten
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