Stippvisite bei den Hausbesetzern

Das Haus an der Badenerstrasse 707 in Altstetten ist seit mehr als einem Monat besetzt. Die Bewohner wollen bis zum Abbruch im Gebäude wohnen bleiben dürfen.

Das mit Gitterzäunen abgegrenzte besetzte Haus in Altstetten. (Bild: Reto Oeschger)

Das mit Gitterzäunen abgegrenzte besetzte Haus in Altstetten. (Bild: Reto Oeschger)

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Die Liegenschaft vis-à-vis der Tramhaltestelle Bachmattstrasse in Altstetten ist mit Gitterzäunen abgesperrt. Am Garagentor prangt ein grosses FCZ-Wappen. Durch einen schmalen Spalt gelangt man zwischen den Gittern hindurch auf das Areal. Im Hof steht auf einem Tisch eine Pfanne mit halb vergammelten Spaghetti. Im ehemaligen Wohnhaus zeugen Matratzen in den Zimmern davon, dass hier wieder gewohnt wird. Über eine knarrende Holztreppe erreicht man den ersten Stock, wo die Besetzer eine Wohnstube mit Blick auf die Badenerstrasse eingerichtet haben. Drei von ihnen, etwa Mitte zwanzig, sitzen auf einem Sofa in einer Ecke der Wohnstube. Während sich zwei von ihnen gegenüber dem TA «lieber nicht äussern», ist Frank (Name geändert) bereit, «bei einer Cola in der Beiz etwas zu philosophieren». Frank stammt aus Bern.

Zürcher Besetzerszene: 150 Leute

Seit fünf Jahren lebt er in besetzten Häusern in der ganzen Schweiz und in Barcelona. Während die Situation für Hausbesetzer in Bern, Lausanne und Zürich derzeit relativ günstig sei, seien Neubesetzungen in Genf und Basel beinahe unmöglich geworden. Die Zürcher Besetzerszene schätzt er auf ungefähr 150 Leute. Die Bewohner der Badenerstrasse seien «eine Handvoll Leute, darunter Studenten und solche, die einer geregelten Arbeit nachgehen». Er selbst verbringt den Tag mit Instandstellungsarbeiten der neuen Behausung. Neben der Wohnstube mit eingebauter Küche haben sie private Schlafzimmer, Toiletten und den Abfluss installiert. «Im optimalen Fall können wir hier wohnen bleiben, bis der Abbruch beginnt», sagt Frank.

Wie reagieren die umliegenden Geschäftsinhaber? Mischa Becirovic, Besitzer des nahen Coiffeursalons, sagt: «Mich stören sie nicht, solange sie keinen‹Seich› machen. Hauptsache, die vielen älteren Leute im Quartier werden nicht belästigt.» An die Besetzung des ehemaligen Restaurants Krone unmittelbar neben der jetzt besetzten Liegenschaft vor sechs Jahren habe er hingegen unangenehme Erinnerungen: «Die hatten damals Kampfhunde und liefen sehr ungepflegt herum.» Dino Elrod vom gegenüberliegenden Kiosk findet nur gute Worte für die «Neuzuzüger»: «Die Jungs sind in Ordnung. Besser man lässt sie in einem leer stehenden Haus wohnen als auf der Strasse.»

Esther Leibundgut, Präsidentin des Quartiervereins Altstetten, war zum Zeitpunkt der TA-Anfrage noch nicht über die besetzte Liegenschaft informiert. Sie fände die Aktion «eigentlich okay, solange die Hausbesetzer nichts kaputt machen». Auch Leibundgut erinnert sich an die Besetzung der Krone vor sechs Jahren: «Damals beschädigten die Besetzer zum Teil die Einrichtung, darunter einen antiken Kachelofen.»

Das Grundstück, auf dem die besetzte Liegenschaft steht, gehört der Halter Generalunternehmung. Diese plant auf dem Areal eine Wohnüberbauung mit einem energiesparenden Gebäudekonzept. Der Neubau wurde als Wettbewerb ausgeschrieben, kürzlich wurde für das Siegerprojekt das Baugesuch eingereicht. Lukas Widmer, Leiter Kommunikation der Halter Unternehmungen: «Die Besetzer verhalten sich friedlich, deshalb sind im Moment keine Massnahmen geplant. Spätestens wenn wir eine rechtskräftige Bau- und Abbruchbewilligung haben, müssen sie das Haus aber verlassen.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.08.2008, 07:56 Uhr

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