Zürich
Streit um die letzte Landreserve der Stadt Zürich
Von Denise Marquard. Aktualisiert am 19.10.2009 1 Kommentar
Manegg
Etwas gesehen, etwas geschehen?
Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...
Wie in den 80er-Jahren sind bezahlbare Wohnungen in Zürich zum dominanten lokalpolitischen Thema geworden. Etwa in Wollishofen und der Enge, wo gut erhaltene Wohnungen teuren Luxusbauten Platz machen sollen. In Wollishofen befindet sich auch die letzte grosse Landreserve der Stadt. Das Gebiet der Manegg zwischen Sihlcity und Leimbach ist mit rund 20 Hektaren fast dreimal so gross wie der Stadtraum HB. Hier soll ein neuer Stadtteil entstehen. Wie dieser einst aussehen wird, darüber wird derzeit hart gerungen.
Als Manegg wird das Gelände um die ehemalige Papierfabrik an der Sihl bezeichnet. Heute sind dort Gewerbetreibende und kleine Dienstleistungsunternehmen ansässig. Einzelne Fabrikhallen und Werkhöfe stehen leer. Das Wahrzeichen des einstmals stolzen Industrieareals ist die 1857 erbaute Spinnerei Manegg. Sie musste vor zwei Jahren notfallmässig abgesichert werden, um zu verhindern, dass sie einstürzt.
Die kritischen Punkte
Das Industriegebiet, das schon lange keines mehr ist, wurde in eine fünfgeschossige Zentrumszone umgewandelt. Die maximale Gebäudehöhe beträgt 25 Meter, in einigen Teilgebieten sind aber auch Hochhäuser bis zu 40 Meter zugelassen. Vorgesehen sind Wohnungen, Gewerbe, eine Schule, Shopping- und Freizeitnutzungen. Nur noch die alte Spinnerei wird an die Industriezeit erinnern.
Ein privater Gestaltungsplan soll regeln, wie auf der Manegg gebaut werden darf. Der Stadtrat hat ihn zusammen mit den Eigentümern entwickelt und bereits bewilligt. Nun muss ihm noch der Gemeinderat zustimmen. Derzeit wird in der gemeinderätlichen Kommission um die kritischen Punkte gefeilscht. «Wir müssen eine Lösung finden, die alle akzeptieren können», sagt auch Werner Müller, CEO der Generalunternehmung Marazzi AG. Sie ist die grösste Grundeigentümerin auf der Manegg. Müller macht Tempo, er möchte schon 2011 mit Bauen beginnen.
Ob dies passiert, ist aber alles andere als sicher. Bei einem Teil der Stadtentwicklungskommission regt sich Widerstand. Die Präsidentin, SP-Gemeinderätin Mirella Wepf, nennt drei kritische Punkt: Energie, Verkehr und gemeinnütziger Wohnungsbau. «Die Kritiker befürchten, dass das Quartier den entstehenden Mehrverkehr nicht verkraften kann.» Man wolle auch sicherstellen, dass ökologisches Bauen auf der Manegg kein Lippenbekenntnis bleibt. «Das Zürcher Stimmvolk hat sich für eine 2000-Watt-Gesellschaft ausgesprochen», sagt Wepf. «Deshalb müssen wir diese Ziele auf der Manegg auch verwirklichen.» Wenn die strengen Umweltkriterien tatsächlich eingehalten werden müssen, wird jedes neue Gebäude davon betroffen sein. Auch die Generalunternehmung Marazzi AG spricht sich grundsätzlich für ein ökologisches Vorgehen aus. Müller nennt etwa ein geplantes Kleinkraftwerk, das zu hundert Prozent Strom aus erneuerbarer Energie erzeugt. Weitere umstrittene Details sind die Anzahl der Parkplätze und wie der Privatverkehr im neuen Quartier geregelt werden soll.
Leitplanken für die Zukunft
Auch in sozialen Punkten besteht noch keine Einigkeit. Wie hoch soll der Anteil am gemeinnützigen Wohnungsbau sein? Gerade diese Frage ist in Zürich brisant, werden doch billige Wohnungen in der Stadt immer seltener. «Der Druck auf den Wohnungsmarkt hat zugenommen», sagt Wepf. «Wie schaffen wir es, dass wir noch bezahlbare Wohnungen haben? Jetzt müssen wir Leitplanken für die Zukunft definieren.» CEO Werner Müller weist darauf hin, dass er mit verschiedenen Wohnbaugenossenschaften in Kontakt stehe. Diese müssten dann aber selber entscheiden, wie teuer sie bauen werden. «Der Wohnungsbau ist immer noch ein freier Markt.»
Bevor die Kommission entscheiden wird, erhalten die Grundeigentümer Gelegenheit, ihre Pläne vorzustellen. Danach kommt der Gestaltungsplan in den Gemeinderat.
Mehr Nachrichten und Hintergründe aus der Stadt Zürich gibt es täglich auf den Regionalseiten im zweiten Bund des Tages-Anzeigers. Schreiben Sie direkt an stadt@tages-anzeiger.ch
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 19.10.2009, 04:00 Uhr
Kommentar schreiben
1 Kommentar
Stichwort 2000-Watt-Gesellschaft Ich plädiere immer noch für den meiner Meinung nach natürlichsten Energiekreislauf der Welt: Biogas-Anlagen in jedes neu erstellte Haus, jede neu erbaute Siedlung, in jedes Quartier. Kläranlagen würden entlastet, für Warmwasser und Heizung wäre gesorgt, und es ergäbe bestimmt auch noch genügend Energie für die Einzelhaushalte. Aber man müsste das jetzt aufgleisen! Antworten
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!



